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Fakten und Daten zur Schweiz
Ein kleiner faktischer und statistischer Überblick über verschiedene Bereiche der Schweiz – sowie ein paar kritischere Anmerkungen zu ausgewählten Themen.
Staat ( Departementsordnung und Kommissionswesen), Aussenpolitik, Bevölkerung, Verwaltungsebenen und -einheiten: Kantone, Grossraum-Regionen, Städte, Wirtschaft, Arbeitswelt und Sozialwesen, Steuern, Schule, Umweltschutz.
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Staat.
Der offizielle Name des Staates ist 'Schweizerische Eidgenossenschaft' (je in der Landessprache natürlich*). 'Schweiz' ist eigentlich nur die Kurzform davon. Gibt es aber überhaupt einen offiziellen Staatsnamen? Ja, dieser steht in der Bundesverfassung unter Artikel 1: "Das Schweizervolk und die Kantone Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura** bilden die Schweizerische Eidgenossenschaft."
* Lustigerweise sind aber nicht alle Begriffe dazu kongruent. Der in den lateinischen Sprachen verwendete Begriff der Konföderation bedeutet etwa: Dachverband, weiter gefasst auch etwa: Bundesverband, Staatenbund oder Bundesgenossenschaft. Den genauen Begriff von einer Eidgenossenschaft gibt es in diesen Sprachen nicht (dieser Begriff ist auch in der deutschen Sprache praktisch nur bezüglich der schweizerischen Eidgenossenschaft gebräuchlich). Im alten lateinischen Begriff wird sogar auf das alte Volk der Helvetier verwiesen ('Konföderation der Helvetier'), was wiederum ein vollkommen anderes Thema ist eigentlich.
** Interessant ist die Reihenfolge der Nennung der Kantone: es wurde hier keine einsehbare einheitliche Logik verwendet dafür, sondern mehrere Kriterien, was schliesslich zu einer mehr oder weniger willkürlichen Reihenfolge führte (ein kleines Detail nur, aber trotzdem: neutral wäre z.B. eine Nennung in der Reihenfolge des Alphabets).
Offizieller Staatsname (nach BV Art. 1): Schweizerische Eidgenossenschaft (fr. Confédération Suisse, it. Confederazione Svizzera, rät. Confederaziun Svizra, lat. Confoederatio Helvetica), eigentliche Benennung meist (kurz): 'Schweiz'. Historisch: gegründet 1291 (als Staatenbund), erster Einheitsstaat 1798, moderner Bundesstaat 1848. Staatsform: Parlamentarischer Bundesstaat mit Referendums- und Initiativrecht ('Direkte Demokratie': die genaue Benennung der Staatsform ist eigentlich inoffiziell und im Gesetz nicht offiziell festgehalten). Gewaltentrennung mit siebenköpfigem Bundesrat* als Exekutive, Parlament mit Vereinigter Bundesversammlung – bestehend aus Ständerat (kleine Kammer mit 46 Sitzen) und Nationalrat (grosse Kammer mit 200 Sitzen) – als Legislative (je in der Hauptstadt Bern) sowie Bundesgericht als Judikative (in Lausanne). Bundesräte und Bundesrichter werden vom Parlament gewählt, dieses wird vom Volk gewählt. Rechtsgrundlage: Bundesverfassung BV (plus weitere Gesetzestexte wie Obligationenrecht OR, Zivilgesetzbuch ZGB, Strafgesetzbuch StGB, u.v.a.).
* Die Bundesräte sind je Vorsteher eines Eidgenössischen Departementes. In anderen Staaten würden diese Ministerien heissen: die Bundesräte sind also die Minister. Speziell ist im eidgenössischen Regierungssystem nur, dass der Bundespräsident nicht eine diesem Ministerrat übergeordnete Person ist, sondern – je im einjährigen Turnus – einer dieser Minister, während praktisch sämtliche wichtigen Entscheidungen der Regierung immer im Kollegium dieses Ministerrats bzw. eben im Bundesrat gefällt werden. Die Idee dahinter ist heute v.a. ein Ausgleich zwischen verschiedenen Meinungs- bzw. Parteivertretern der grösseren Parteien, während ursprünglich die Regierung rein aus freisinnigen Vertretern zusammengesetzt war (auch unter diesen gab es verschiedene Richtungen, bedeutender war aber ursprünglich bzw. historisch wahrscheinlich der Föderalismus der Kantone, so dass man eben keinen dauernden übergeordneten Präsidenten einsetzen wollte). Man spricht aus diesem Grund vom Kollegialitäts- und Konkordanzprinzip in der Schweizer Regierung. Liste der Bundesräte. Der Bundesrat kann natürlich historisch analysiert werden unter verschiedenen Gesichtspunkten, eine recht interessante Betrachtung ist die Bundesratsvertretung nach Kantonen (in Klammern das Jahr des ersten Bundesrats dieses Kantons): ZH 20 (1848), BE 14 (1848), VD 14 (1848), NE 9 (1872), TI 7 (1848), SO 6 (1848), AG 5 (1848), GE 5 (1864), LU 5 (1855), SG 5 (1848), FR 4 (1919), GR 4 (1878), TG 3 (1875), VS 3 (1950), AI 2 (1986), AR 2 (1940), BS 2 (1897), ZG 2 (1934), BL 1 (1890), GL 1 (1875), OW 1 (1959), JU 0, NW 0, SH 0, SZ 0, UR 0.
Bundespräsidentin 2012: Eveline Widmer-Schlumpf. Vizepräsident: Ueli Maurer. – Bundesräte/Bundesrätinnen: Alain Berset (SPS/FR, seit 2012, Eidgenössisches Departement des Innern EDI), Didier Burkhalter (FDP/NE, seit 2009, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA), Doris Leuthard (CVP/AG, seit 2006, Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK), Ueli Maurer (SVP/ZH, seit 2008, Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS), Johann Schneider-Ammann (FDP/BE, seit 2010, Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement EVD), Simonetta Sommaruga (SPS/BE, seit 2010, Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD), Eveline Widmer-Schlumpf (BDP/GR, seit 2008, Eidgenössisches Finanzdepartement EFD). – Bundeskanzlerin: Corina Casanova (CVP/GR, seit 2008, Schweizerische Bundeskanzlei BK). – Bundesgerichtspräsident: Lorenz Meyer (BE/SVP, seit 2009). – Chef der Armee: André Blattmann (seit 2009). – Präsident der Nationalbank: Thomas Jordan (seit 2012, ad interim). Interessant dass es nicht nur im Bundesrat viel frischen Wind gegeben hat in den letzten Jahren, sondern fast bei allen wichtigsten Posten des Landes (es fand in den letzten Jahren tatsächlich so etwas wie eine personelle Erneuerung der Schweiz statt).
Departementsordnung. Die Bundesverwaltung ist unterteilt in Departemente, denen jeweils einer der sieben Bundesräte vorsteht (die Bundesräte sind also einerseits Bundesrat im Plenum des Bundesrates und andererseits sind sie Departementschefs [also: Minister, wobei dieser Begriff in der Schweiz nicht gebräulich wird, weil er andeutet, dass diese Vorsteher der Verwaltung für eine höhere Instanz tätig sind, z.B. für einen König oder für einen Präsidenten, was ja in der Schweiz eben nicht der Fall ist, sondern: die höhere bzw. höchste Instanz ist zumindest theoretischerweise das Volk]). Die sieben Departemente (aufgeführt alphabetisch nach den Abkürzungen): Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Eidgenössiches Finanzdepartement EFD, Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD, Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement EVD, Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS. Die Benennung der Departemente bzw. die Zusammenfassung der Zuständigkeiten wurde im Lauf der Zeit auch schon geändert und den jeweiligen Bedürfnissen (oder: scheinbaren Bedürfnissen) der Zeit angepasst.
P.S. Wie ist die Bundesverwaltung einzuordnen in der grundsätzlich demokratischen Struktur von Legislative (Parlament [und in einer Direkten Demokratie auch das Volk direkt teils]), Exekutive (Regierung) und Judikative (Gericht)? Das ist eine gute Frage: sie bildet eigentlich den administrativen Bereich zu diesen Faktoren. Diese grunsätzliche demokratische Struktur ist auch recht theoretisch, es gibt in realexistierenden Demokratien einige weitere Faktoren, welche nicht allzu leicht in diese Begriffe einzuordnen sind: z.B. das Volk (bzw. die Bevölkerung) oder die Medien oder auch die Lobbys (z.B. die Verbände), u.a., und last but not least auch die Beeinflussung durch ausländische Gegebenheiten (inkl. Völkerrecht); alle diese Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in einer realexistierenden Demokratie. Das muss man in der Politik dazu sagen, weil man in der Schule diese einfache theoretische dreifältige Grundstruktur lernt und in der Wirklichkeit dann oft nicht so richtig drauskommt, weil in der Wirklichkeit alles viel komplexer ist, als die reine Theorie, die man immer im Kopf hat, wenn es um demokratische Institutionen geht – und die übrigens historisch zurückgeht auf die Gedanken der Aufklärungsphilosophen über die Gewaltentrennung, exemplarisch etwa bei Montesquieu*.
* Hier ein interessanter kurzer Überblick über die Geschichte der Staatsphilosophie – die persönlichen Ansichten des Autors jener Website decken sich nicht in allen Punkten mit den Ansichten des Autors dieser Website, dessen ungeachtet ist dies aber eine der besten Websites in der Darstellung der Philosophiegeschichte (für eine weitergehende literarische Beschäftigung mit der Philosophiegeschichte seien etwa empfohlen: dtv-Atlas [kurz und bündig], Helferich [leserfreundlich], Störig [intellektuell] oder Ueberweg [klassisch-intellektuell]: natürlich aber findet man in solchen Fachschriften zur Philosophiegeschichte heute eigentlich nicht mehr allzu viel, was man nicht auch im Internet finden würde, trotzdem lesen manche Leute immer noch gerne Bücher, aber item).
Parlamentarische Kommissionen. Es gibt einige parlamentarische Kommissionen in verschiedenen Bereichen. Interessant vielleicht auch einmal zu sehen, welche Politiker des Parlements in welchen Kommissionen tätig sind. Das parlamentarische Kommissionswesen wird unterteilt in Legislativkommissionen, Aufsichtskommissionen und Weitere Kommissionen. Legislativkommissionen: Aussenpolitische Kommissionen APK, Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK, Kommissionen für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK, Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK, Sicherheitspolitische Kommissionen SiK, Kommissionen für Verkehr und Fernmeldewesen KVF, Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben WAK, Staatspolitische Kommissionen SPK, Kommissionen für Rechtsfragen RK. Aufsichtskommissionen: Finanzkommissionen FK, Geschäftsprüfungskommissionen GPK, Parlamentarische Untersuchungskommissionen PUK. Weitere Kommissionen: Begnadigungskommission BeK, Redaktionskommission RedK, Gerichtskommission GK, Immunitätskommission IK, Legislaturplanung.
Dies ist eine Übersicht über das parlamentarische Kommissionswesen. Natürlich ist ein solches Kommissionswesen auch interessant bezüglich der darin vertretenen Themen: es zeigt an, welche Bereiche, Themen und Fragen man als wichtig genug für die Bildung einer eigenen Kommission betrachtet (und welche nicht). Interessant auch: dass das Parlament in seinem Kommissionswesen nicht der Departementsordnung der Bundesverwaltung folgt, sondern eine eigene Ordnung begründet hat, die abgestimmt ist auf die Aufgaben des Parlaments. Diese Kommissionen, die rund drei bis vier Tage pro Quartal tagen, sind v.a. zuständig für die Vorberatung der Gesetzesvorlagen, zu welchen sie dem jeweiligen Rat einen Antrag stellen, wobei sie eng mit dem Bundesrat zusammenarbeiten. Diese parlamentarischen Kommissionen sind in der Bundesverfassung erwähnt, welche das erste oder primäre Gesetzeswerk ist (die anderen Gesetzeswerke sind Ergänzungen dazu); sie sind also eine relativ wichtige Institution im Gesetzgebungsprozess, welcher relativ komplex ist (für den einfachen Bürger, der sich nicht täglich damit beschäftigt bzw. nicht selber darin involviert ist [ausser wenn es zu einer Abstimmung kommt]: diese Komplexität kann dadurch erklärt werden, dass man möglichst alle Eventualitäten im Gesetzgebungsprozess berücksichtigen und bereinigen möchte). Nicht zu verwechseln sind diese parlamentarischen Kommissionen mit den diversen 'Eidgenössischen Kommissionen' (und anderen ausserparlamentarischen Kommissionen): dies sind im Allgemeinen ausserparlamentarische Expertengruppen, die einen Bundesauftrag zur Analyse und Beratung in bestimmten Fachbereichen haben (v.a. zur Unterstützung der Bundesverwaltung).
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Aussenpolitik.
Eine Neutralität besteht schon seit dem 16. Jahrhundert. Völkerrechtlich relevant wurde sie allerdings erst 1815 im Zuge des Wiener Kongresses, wo die europäischen Grossmächte eine Erklärung zur Neutralität der Schweiz unterschrieben.
Grundsatz der Neutralität (da die Schweiz eine Milizarmee besitzt wird von einer 'bewaffneten Neutralität' gesprochen – völkerrechtlich anerkannt von den damaligen europäischen Grossmächten im Zuge des Wiener Kongresses 1815). Die Schweiz ist Mitglied u.a. von United Nations UN (da u.a. derzeit im Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds IWF, wo sie eine Stimmrechtsländergruppe bildet mit Aserbaidschan, Kirgistan, Polen, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan; und in Genf besteht auch ein bedeutender UN-Nebensitz), Welthandelsorganisation WTO, Europarat ER, Europäische Freihandelsassoziation EFTA, Alpenkonvention AK (ferner ist sie auch Teil der Partnerschaft für den Frieden mit der NATO). Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union EU und des Europäischen Wirtschaftsraums EWR; mit der EU unterhält sie seit 1972/1999 bilaterale Abkommen (es bestehen auch Freihandelsabkommen mit anderen Staaten). Bedeutend sind in der schweizerischen Aussenpolitik u.a. auch etwa die Doppelbesteuerungsabkommen in der Steuerpolitik, die Rückschaffungsabkommen in der Asylpolitik sowie die weltweiten Klima-Abkommen in der Umweltpolitik. Mit Liechtenstein besteht eine Münz-, Zoll- und Postunion (seit 1923). Die Schweiz übt auch verschiedene diplomatische Schutzmachtmandate aus (bedeutend schon im Ersten und v.a. im Zweiten Weltkrieg sowie vorher und nachher); sie hat derzeit sechs solche Mandate: USA in Kuba, Kuba in den USA, Iran in Ägypten, USA in Iran, Russland in Georgien, Georgien in Russland (Stand 2011).
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Bevölkerung (inkl. Sprachen, Religionen und Familie).
Mit Weltrang 94 von 194 punkto Einwohnerzahl sowie Weltrang 132 von 194 punkto Fläche (Zahlen aus dem Jahr 2007) ist die Schweiz weltweit betrachtet kein Kleinstaat, sondern: ein Staat von mittlerer Grösse*.
* Historisch betrachtet sich die Schweiz als sehr kleiner Kleinstaat, was aber faktisch nicht (mehr) stimmt. Die Schweiz hat seit fast 200 Jahren die praktisch exakt gleichen Staatsgrenzen! Aufgrund der Entstehung von neuen, kleineren Staaten, v.a. in Osteuropa, ist die Schweiz aber (v.a. innerhalb Europas, aber auch weltweit) in den Grössenranglisten ein bisschen aufgestiegen. Auch sonst war die Schweiz nicht ganz so klein, wie sie sich immer gesehen hat, sondern die Nachbarn erschienen in ihrer ganzen Geschichte als übergross (Frankreich, Deutschland, Österreich [-Ungarn] und Italien [nebst Liechtenstein], legendär etwa auch die französische Verkleinerungsform vom 'petit Suisse'). Es gibt keinen Grund für die Schweiz, sich grösser vorzukommen, als sie tatsächlich ist, aber auch keinen zur Verkleinerung, Verniedlichung oder Verharmlosung.
Rund 7,8 Mio. Einwohner (2009) bei einer Fläche von 41'285 Quadratkilometer. Die Schweiz ist traditionell ein multikulturelles und vielsprachiges Land. Vier offizielle Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Räto-Romanisch (bis anfangs des 19. Jahrhunderts war die Schweizerische Eidgenossenschaft fast ausschliesslich deutschsprachig geprägt: die moderne vielsprachige Schweiz entstand wesentlich beim Wiener Kongress 1815 [Sprachenkarte]). Zehn häufigste (Haupt-) Sprachen (2000): 1. Deutsch 63,7%, 2. Französisch 20,4%, 3. Italienisch 6,5%, 4. Serbokroatisch 1,4%, 5. Albanisch 1,3%, 6. Portugiesisch 1,2%, 7. Spanisch 1,1%, 8. Englisch 1,0%, 9. Türkisch 0,6%, 10. Rätoromanisch 0,5%. Ausländeranteil: rund 22% (2009 – ein Spitzenwert ist in der Stadt Genf zu registrieren mit über 40%; international bzw. europaweit liegt die Schweiz damit auf Platz 2 hinter Luxemburg 40,3% und vor Lettland 17,4%, Estland und Zypern je 15,9%, Spanien 12,3% und Österreich 10,5% [Eurostat 2010 für EU-Länder]). Einbürgerungsquote: 2,8% (2010: das ist international ein mittlerer Wert, längere Zeit hatte die Schweiz die niedrigste Einbürgerungsquote in Europa, einen Spitzenwert hat Kanada mit bis zu 70% [2001], in Europa liegt Schweden an der Spitze mit 5,8% [vor einigen Jahren noch höher]). Rund 10% der wahl- und stimmberechtigten Schweizer leben im Ausland, der klar grösste Teil davon in Frankreich. Religionszugehörigkeit (2000): Römisch-katholische Kirche 41,9%, Evangelisch-reformierte Kirche 33,0%, Konfessionslose 11,1%, Islamische Gemeinschaften 4,3%, ohne Angabe 4,3%, übrige protestantische Kirchen und Gemeinschaften 1,4%. Rund 50% der Schweizer Ehen werden heute geschieden (BFS 2009: 47,7%); die durchschnittliche Anzahl der Kinder pro Frau beträgt 1,5 (bei schweizerischen Frauen liegt der Wert bei 1,4, bei ausländischen bei 1,9). Die Scheidungsrate liegt in der Schweiz bei rund 50%, vereinzelt bzw. in einzelnen Jahren auch über 50%*.
* Interessant ist auch diese Studie über Singles in der Schweiz was auch nicht von einem breit funktionierenden Liebesleben zeugt: "Wer in der Schweiz Single ist, der befindet sich in guter Gesellschaft: Rund 1,25 Millionen Menschen, das sind 23,2% der Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren, ist alleinstehend. Über die Hälfte der Singles sind schon länger als drei Jahre allein, obwohl 43,3% von ihnen sich nach einem Partner sehnen. Als Grund für den Single-Status nennt ein Drittel der Befragten den Mangel an passenden Kennenlern-Gelegenheiten, Schüchternheit und die eigenen hohen Ansprüche." (parship.ch). Kommentar dazu: man sollte die Funktionalität des Liebeslebens nicht unterschätzen, weder in einer bestimmten Gesellschaft noch in der Welt im Allgemeinen! Man kann sicher sagen, dass die Liebe zu den vernachlässigtsten Themen der Weltpolitik gehört (aber das sei hier nur am Rande angemerkt).
Exkurs/Fokus: Kulturkritik. Die Kontroverse um die Ausländerfrage war in den letzten Jahren auch politisch sehr aktuell, wie immer man dazu genau stehen mag. Ebenso bemerkenswert, wenn nicht noch bemerkenswerter ist indessen das Faktum, dass auch eine innerschweizerische Kulturkritik zugenommen hat, v.a. im Zusammenleben der verschiedenen Sprachregionen. Hier zwei Beiträge, aus dem Fernsehen der Romandie und des Tessins, welche dies verdeutlichen bzw. ansprechen: Tous au suisse-allemand? (TSR 2010), Il Ticino che non conta più a Berna (RSI 2010). Man kann das auch als einen Beitrag sehen in der ewigen Problematik vom Röstigraben (und vom Polentagraben). Man darf diese Sache andererseits aber auch nicht allzu einseitig sehen: wenn man die (tatsächlich!) grosse Vergangenheit der Romandie betrachtet (man denke nur an all die grossen Erfinder und andere grosse historische Persönlichkeiten aus der Romandie), muss man sich die Frage stellen, ob es derzeit nicht auch ein kulturelles Problem innerhalb der Romandie gibt (es liegt natürlich auch an diesen Regionen selber, sich wichtig und interessant zu machen: das war zu früheren Zeiten offenbar stärker der Fall; dies soll aber nicht bedeuten, dass man das Problem des Rösti- und auch des Polentagrabens in der Deutschschweiz nicht ernstnehmen sollte). Interessant ist eine Kulturkritik ferner auch im Bereich der Kunst: hier stellen wir einen relativ dramatischen Einbruch etwa in der Literatur fest – auf die beiden grossen Weltschriftsteller Frisch und Dürrenmatt, ist nichts Adäquates mehr nachgefolgt (dies hängt teilweise aber nicht nur auch damit zusammen, dass das Interesse an der Literatur im Zuge der neuen Medien ganz allgemein etwas gesunken ist; man kann aber auch ganz allgemein feststellen, dass der Einfluss der Schweizer Kultur in den Nachbarländer bzw. das Interesse daran sehr stark gesunken ist); bemerkenswert auch: während die Schweiz in den Naturwissenschaften nachwievor regelmässig Nobelpreise bekommt, ist das in den geisteswissenschaftlichen und kulturellen Bereichen seit längerer Zeit nicht mehr der Fall. Anzahl Preise in den verschiedenen Sparten/Jahr des letzten erhaltenen Preises (Stand: Sommer 2011): Chemie: 6/2002, Frieden: 3/1902, Literatur: 2/1945, Medizin: 6,5/1996, Physik: 3,5/1987, Wirtschaft: 0.
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Verwaltungsebenen und -einheiten.
Es gibt grundsätzlich eine dreifache Gliederung: Staat-Kantone-Gemeinden (die Gemeinden entsprechen den Städten und Dörfern, teils in einer Zusammenfassung verschiedener Dörfer; als Stadt gilt in der Schweiz eine Ortschaft ab 10'000 Einwohnern).
Kantone (und Kantonshauptorte). 26 Kantone (davon sechs Halbkantone). Aargau AG (Hauptort: Aarau), Appenzell-Ausserrhoden AR (Herisau), Appenzell-Innerrhoden AI (Appenzell), Basel-Landschaft BL (Liestal), Basel-Stadt BS (Basel), Bern BE (frz. Berne, Bern/Berne), Freiburg FR (frz. Fribourg, Freiburg/Fribourg), Genf GE (frz. Genève, Genf/Genève), Glarus GL (Glarus), Graubünden GR (Chur), Jura JU (frz. Jura, Delémont [veraltet: dt. Delsberg]), Luzern LU (Luzern), Neuenburg NE (frz. Neuchâtel, Neuenburg/Neuchâtel), Nidwalden NW (Stans), Obwalden OW (Sarnen), Schaffhausen SH (Schaffhausen), Schwyz SZ (Schwyz), Solothurn SO (Solothurn), St. Gallen SG (St. Gallen), Tessin TI (it. Ticino, Bellinzona), Thurgau TG (Frauenfeld), Uri UR (Altdorf), Zug ZG (Zug), Zürich ZH (Zürich), Waadt VD (frz. Vaud, Lausanne), Wallis VS (frz. Valais, Sitten/Sion). Grösste Kantone, nach Fläche: 1. Graubünden, 2. Bern, 3. Wallis – nach Einwohnern: 1. Zürich, 2. Bern, 3. Waadt. Die Schweiz ist traditionell recht föderalistisch ausgerichtet (Vorbild war diesbezüglich die USA), so dass einige Dinge, die in vielen anderen Staaten national geregelt sind, in der Schweiz den Kantonen überlassen sind (es gibt deswegen auch einen traditionellen und ewigen Zwist zwischen den Zentralisten und den Föderalisten).
Grossräume (Grossraum-Regionen). Innerschweiz = Urschweiz (UR, SZ, NW, OW) plus weitere Innerschweizer Kantone (etwa LU, ZG), Ostschweiz (SH, TG, AI, AR, SG, GL, GR), Tessin (TI), Romandie (GE, VD, NE, JU, inkl. den zweisprachigen FR und VS), Mittelland (BE, SO, BS, BL, AG, ZH – in einem umfassenderen Sinn aber auch das gesamte Gebiet zwischen den Alpen und dem Jura sowie dem Bodensee [ein Teil der hier erwähnten Kantone haben zwar bergige Regionen, trotzdem würde man etwa diese Kantone zum deutschsprachigen Mittelland zählen: eigentlich also etwa die städtische Region zwischen Bern und Zürich]); ferner ist auch der Begriff der Westschweiz gebräuchlich (etwa Romandie plus BE, SO, BL, BS [eigentlich ist das Land rein kartographisch sogar ziemlich deutlich mittig geteilt in einen westlichen und einen östlichen Teil: diese Einteilung hat aber nicht eine allzu grosse Bedeutung – bedeutender sind im Schweizer Föderalismus eigentlich die je angrenzenden Räume]). Dazu gibt es natürlich auch verschiedenste Kleinraum-Regionen. Dies sind keine Verwaltungseinheiten, sondern eher geografische und kulturelle Einheiten.
Städte. Zehn grösste Schweizer Städte (2008): 1. Zürich 365'132 Einwohner (Agglomeration: 1,15 Mio.*), 2. Genf 183'287 (780'000), 3. Basel 164'937 (830'000), 4. Bern 122'925 (344'387), 5. Lausanne 122'284 (324'387), 6. Winterthur 98'238, 7. St. Gallen 72'040, 8. Luzern 59'241 (2010 Fusion mit Littau), 9. Lugano 54'437, 10. Biel-Bienne 50'013 (grösste Bilingue-Stadt der Schweiz). Die Schweizer Städte sind im internationalen Vergleich relativ klein, was etwa ein Vergleich mit Deutschland zeigt (je Position der Schweizer Stadt in der Rangliste der grössten deutschen Städte): Zürich 17. (zwischen Bochum und Wuppertal), Genf 42. (zwischen Hagen und Hamm), Basel 46. (zwischen Herne und Osnabrück), Bern 59. (zwischen Ingolstadt und Heilbronn), Lausanne 60. (zwischen Heilbronn und Ulm). Nur dass man hier den internationalen Vergleich nicht ganz aus den Augen verliert. Die Städte Zürich und Genf sollen zu den teuersten der Welt gehören (UBS 2010 – das allgemeine Preisniveau liegt in der Schweiz rund 30% über dem EU-Durchschnitt); ferner sollen auch einige Schweizer Städte zu jenen Städten mit der grössten Lebensqualität der Welt zählen (Mercer 2010: 1. Wien, 2. Zürich, 3. Genf, 4. Vancouver, 5. Auckland, 6. Düsseldorf, 7. Frankfurt, 8. München, 9. Bern, 10. Sydney; warum Basel hier nicht dabei ist, das weiss ich auch nicht). Das ist aber wahrscheinlich eher schwierig abzuschätzen.
* Bemerkenswert: der bedeutende Aufschwung der Stadt Zürich in der Frühzeit der Bundesstaatsaera seit 1848 bis heute (gesamtschweizerisch wie auch innerhalb des Kantons Zürich!). Auf der UBS-Website findet sich dazu etwa folgender Satz: "Zur Zeit der Gründung der Bank in Winterthur im Jahr 1862 steht die Stadt Winterthur [wirtschaftlich] noch keineswegs im Schatten von Zürich. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gilt Zürich als führende Wirtschafts- und Finanzstadt der Schweiz." (ubs.com). Seit etwa 1870 ist Zürich die bevölkerungsreichste Stadt der Schweiz (zuvor war es Genf; historisch ist auch die alte [politische] Grösse Berns).
Geografische Fusionen. Auf der Gemeinde-Ebene gibt es heute, wie in der Wirtschaft, eine Tendenz zur Fusionierung von kleineren Gemeinden, so hat etwa der Kanton Glarus 2011 sogar in einer umfassenden Gemeindereform seine 25 Gemeinden auf nur drei Gemeinden reduziert. Zu erwähnen ist auch die Fusionslust und/oder der Fusionsgedanke im Bereich der kleineren Grossstädte (verbunden auch mit dem Wunsch des geografischen und bevölkerungsmässigen Wachstums solcher Städte: insbesondere etwa in den Regionen Luzern und Bern, u.a.). Es gab in den letzten Jahren auch schon Diskussionen über Kantonsfusionen, etwa BS-BL, GE-VD oder SG-AI-AR: bisher hat es aber keine solchen Kantonsfusionen gegeben (ob die Zusammenfassung von kleineren Kantonen zu Grosskantonen wirklich Sinn machen würde, ist umstritten: dies würde die ganze Struktur der Schweiz massiv verändern und auch den Konkurrenzdruck unter den Regionen vermutlich stark erhöhen [und es würde anstelle der heutigen und traditionellen föderalistischen Schweiz eine oligopolistische Schweiz entstehen: das Faktum hierzu ist, dass die Schweiz ein relativ kleines Land mit verhältnismässig sehr vielen verschiedenen Regionen ist; man geht auch davon aus, dass eine relativ kleine Landesstruktur auch Vorteile bringen kann bzw. gewisse Vorteile bringt: das könnte auch auf die Kantone zutreffen, wobei sich die Frage stellt, wie deren föderalistische Eigenbestimmung zu vereinen ist mit einer zunehmenden und teils auch notwendig erscheinenden Zentralisierung – das sind nicht unbedeutende Fragen für die Schweiz und ihre innere Struktur: es gilt also trotz einer zunehmenden Zentralisierung in der Politik, auch den grossen Eigenwert der Kantone zu erhalten]).
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Wirtschaft.
Die Schweiz liegt seit einiger Zeit zusammen mit anderen kleineren und mittleren Staaten Europas in den Spitzenpositionen von Ranglisten bezüglich des verhältnismässigen Bruttosozialprodukts. Seit einigen Jahren gehören neu und überraschend Rohstoffhandelsfirmen umsatzmässig zu den grössten Unternehmen des Landes.
Die Schweizer Wirtschaft gehört rein zahlenmässig bzw. statistisch zu den produktivsten der Welt. Bruttoinlandprodukt BIP pro Kopf (2009): 1. Luxemburg (deutlich voran), 2. Norwegen, 3. Katar, 4. Schweiz, 5. Dänemark, 6. Irland (mittlerweilen vom Staatsbankrott bedroht), 7. Niederlande, 8. Vereinigte Arabische Emirate, 9. USA, 10. Österreich; kaufkraftbereinigt: Platz 7, absolut Platz 19 (1. USA, 2. Japan, 3. China, 4. Deutschland, 5. Frankreich,... 19. Schweiz). Bedeutendste Wirtschaftszweige: Banken- und Versicherungswesen, Pharmaindustrie und Medizinaltechnik sowie (neuerdings) Rohstoffhandel (traditionell [teils heute noch bedeutend]: Uhren, Schokolade, Käse, aber auch Textil- und Maschinenindustrie sowie Landwirtschaft allgemein, u.a.). Sektoren (im Verhältnis zum BIP): Landwirtschaft 1,2%, Industrie 26,8%, Dienstleistungen 72% (Eurostat 2009 – noch im 18. Jahrhundert arbeiteten weit über 60% der Schweizer Bevölkerung in der Landwirtschaft, im mittleren 19. Jahrhundert noch immer rund 50%, heute sind es unter 4%). Grösste Schweizer Unternehmen nach Umsatz (2008): 1. Glencore (Baar, Rohstoffhandel) 165 Mrd. Franken, 2. Nestlé (Vevey, Nahrungsmittel) 110 Mrd., 3. Roche (Basel, Pharma) 46 Mrd., 4. Novartis (Basel, Pharma), 5. ABB (Zürich, Maschinenindustrie), 6. Cargill International (Genf, Rohstoffhandel), 7. Adecco (Chéserex, Temporärarbeit), 8. Petroplus (Zug, Mineralölhandel), 9. Xstrata (Zug, Rohstoffhandel), 10. Mercuria Energy Trading (Genf, Rohstoffhandel). Grösste Banken nach Bilanzsumme (2008): 1. UBS (Zürich und Basel) 2015 Mrd., 2. Credit Suisse (Zürich) 1170 Mrd., 3. Raiffaisen Schweiz (St. Gallen) 132 Mrd., 4. Zürcher Kantonalbank (Zürich), 5. HSBC Private Bank SA (Genf). Grösste Versicherungen nach Bruttoprämieneinnahmen (2008): 1. Zurich Financial Services (Zürich) 52 Mrd., 2. Swiss Re (Zürich) 26 Mrd., 3. Swiss Life (Zürich) 14 Mrd., 4. AXA Winterthur (Winterthur), 5. Bâloise (Basel). Staatsbetriebe bzw. öffentlich-rechtliche Unternehmen sind die Schweizerischen Bundesbahnen SBB, die Schweizerische Post – der Bereich der Telekommunikation der früheren PTT wurde privatisiert – und die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG. Im internationalen Handel ist die EU der wichtigste Partner, mit 78,0% der Importe und 59,7% der Exporte (wichtigste Handelspartner unter den Nationen sind Deutschland, Italien, Frankreich und die USA [BFS 2009]).
Glencore? Eine Firma, mit welcher der Alltagsschweizer nicht allzu viel zu tun hat. Was ist das eigentlich für eine Firma? ('Der stumme Riese'). Die weltweit grösste Schweizer Marke dieser Zeit ist übrigens (vielleicht auch etwas überraschend) Nescafé. Keine Uhren-, Schokoladen- oder Käsemarke also, natürlich, auch keine Banken-, Versicherungs- oder Pharmamarke, sondern eine Kaffeemarke. Na ja. Die alten Klischees stimmen also (auch sonst) nur noch bedingt. Kaffee und Mineralöl gehören heute (u.a.) zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren der Schweiz, könnte man fast sagen, aber so einfach ist es denn auch wieder nicht.
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Arbeitswelt und Sozialwesen.
Punkto (rein) stundenmässiger Arbeitsbelastung sticht die Schweiz international nicht hervor. Wie in der ganzen (westlichen) Welt sind die Arbeitslosenzahlen zu tief bemessen. Die Arbeislosenquote liegt in der Schweiz um rund 2,5%, die Erwerbsquote liegt unter 60%, und also die Nichterwerbsquote über 40%. Zwischen diesen Zahlen gibt es eine gewisse Grauzone*, die in der offiziellen Zahl nicht berücksichtigt ist (ganz abgesehen davon, dass darin auch das Phänomen der Teilzeitarbeit, also keiner vollen Erwerbstätigkeit, nicht berücksichtigt ist).
* Es ist schwerlich oder gar nicht verständlich, dass hier seit Jahren und Jahrzehnten falsche Zahlen ausgewiesen (und auch bedenken- und kommentarlos von den Medien verbreitet) werden. Die Beschönigung dieser Zahlen ist natürlich aber auch international üblich, was aber dazu führt, dass gewisse Menschen nicht nur in der Arbeitswelt nicht mehr vorkommen, sondern selbst in den Arbeitslosenstatistiken nicht mehr).
Die normale Arbeitszeit liegt in der Privatwirtschaft bei der 42-Stunden-Woche, bei Staatsangestellten bei der 40-Stunden-Woche; den Arbeitnehmern steht ein Recht auf vier Wochen Ferien pro Jahr zu (eine aktuelle Initiative für sechs Wochen Ferien wird vom National- und vom Ständerat ebenso wie vom Arbeitgeberverband abgelehnt). In den internationalen Statistiken der OECD zur gesamthaft geleisteten Arbeitszeit nimmt die Schweiz keinen Spitzenrang ein (2008 resultierten 1'640,4 Stunden, den Spitzenwert erzielte Südkorea mit 2'255.8 Stunden). Internationaler bzw. europaweiter Vergleich Arbeitslosenquote (OECD 2008): Liechtenstein 2,3%, Niederlande 2,5%, Schweiz 2,6%, Österreich 3,2%, Japan 4,2%, Grossbritannien 5,6%, USA 6,1%, Italien 6,8%, Deutschland 7,1%, Frankreich 7,9%, Spanien 11,9% – die Erhebung und Richtigkeit dieses Werts ist in allen europäischen Staaten fragwürdig (der Wert ist meistens zu tief bis sogar viel zu tief bemessen). Erwerbsquote: rund 58% (2009), 15+: 67%, Männer: 74%, Frauen: 61% (die höchsten Werte hierzu haben einige afrikanische Staaten: zwischen 80-90% der Gesamtbevölkerung [Burundi 89,3%, Tansania 88,4%, Madagaskar 86,4%, usw. usf., etc. etc.]). In der Schweiz besteht ein gut ausgebautes, komplexes obligatorisches Sozialversicherungssystem, welches im Allgemeinen bzw. (nebst Zinsgeldern) v.a. durch Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge finanziert wird, dazu gehören etwa: Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV, Invalidenversicherung IV, Arbeitslosenversicherung ALV (sowie Kranken- und Unfallversicherungen); nicht versichert ist die reine, durch Steuergelder finanzierte Sozialhilfe (im Jahr 2004 bezogen 4% der Gesamtbevölkerung Sozialhilfebeiträge, in den grösseren Städten sind es zwischen 3,5-8%). Man spricht im System der Schweizer Sozialversicherungs- und Vorsorgewesen etwa von einem Drei-Säulen-Prinzip: diese Versicherungen zur Existenzsicherung bilden die erste Säule (nebst den Arbeitseinkommen, natürlich), während die zweite Säule der Beruflichen Vorsorge BVG entspricht, die dritte Säule dem privaten bzw. eigenen Sparen (die Banken führen dazu spezielle 3.-Säule-Kontos).
Politiker- und Beamtengehälter. Die deutsche Zeitschrift "Cicero – Magazin für politische Kultur" brachte 2006 eine Erwägung über die aktuellen Gehälter der Regierungschefs von europäischen Staaten. Die Höhe dieser Gehälter wurde da kritisiert. Noch interessanter ist allerdings, dass die Schweizer Politiker – in dieser Analyse nicht berücksichtigt – noch weit mehr verdienen als der ganze Rest von Europa und der Welt. Dies wirft einige Fragen auf bezüglich der Entlöhnung von Politikern und Beamten, vom Bundesrat bis in die Gemeinden hinein. Die Zahlen dieser Publikation erscheinen mir allerdings etwas zu unsicher, daher gebe ich das hier im Detail nicht wieder. Stattdessen ein interessanter historischer Vergleich. Eine Lohnliste des Eidgenössischen Amtes für geistiges Eigentum für die Zeit vom 1. April 1908 bis 31. März 1909 (Jahresgehälter in Franken): 'Haller Friedrich (Direktor) 8000, Oberlin Hermann (Technischer Adjunkt) 6600, Kraft Walter (Administrat, Adjunkt) 5900, ..., Einstein Albert (Technischer Experte II. Klasse) 4500, ..., Bonzanigo Riccardo (Kanzlist II. Klasse) 2700, Mellier Frank (Kanzlist II. Klasse) 2700, Rohrer Jakob (Kanzleigehülfe) 2500.' Ich lese manchmal ältere bis sehr alte Bücher, und da trifft man auf solche Dinge, die auch nicht uninteressant sind. Und man kann sich fragen, wieviel Misswirtschaft hinter der Entwicklung bis zu den heutigen Nullen steht (dies als kleiner Kritikansatz); sehr deutlich sieht man in einem solchen Vergleich natürlich auch die stetige schleichende Inflation der letzten Jahrzehnte. Interessant ist auch die Verteilung zwischen dem höchsten und dem tiefsten Lohn, auch dahinter stehen heutzutage immer grössere Fragezeichen. Ein solcher historischer Vergleich hat nicht nur mit Nostalgie zu tun, sondern tatsächlich auch mit realer Wirtschaft. Und ich will damit auch nicht sagen, dass in jener Zeit alles zum Besten stand, sondern: das ist ein reiner Vergleich von Gehälterzahlen (in einem öffentlich-rechtlichen Betrieb).
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Steuern.
Die Schweiz hat im internationalen Vergleich relativ tiefe Steuern; neuerdings ist v.a. oder vorab in Kantonen der Innerschweiz ein Steuerwettbewerb entstanden, in welchem versucht wird, mit möglichst tiefen Steuern Firmen und starke Steuerzahler anzulocken (offenbar hat man hier zuvor einen strukturell besseren wirtschaftlichen Ausgleich verschlafen; es ist heute ganz allgemein mehr die Rede von einem Wirtschaftswettbewerb zwischen den Kantonen).
Die Schweiz hat im internationalen und auch im europäischen Vergleich relativ tiefe Steuern. Ein paar ausgewählte Länder im Vergleich (Steuerquote, OECD 2008): Schweden 35,4, Italien 28,8, Grossbritannien 28,8, Österreich 28,6, Frankreich 27,0, OECD 26,7, Deutschland 23,1, Schweiz 22,6, Spanien 20,9, USA 20,3 (tiefer als die Schweiz liegen auch etwa Slowakei, Mexiko, Türkei, Japan, Griechenland, Tschechien oder Südkorea; den Höchstwert der angegebenen Länder hat Dänemark mit 47,3). Bedeutendste Steuern beim Bund: Einkommenssteuer für Privatpersonen, Gewinnsteuer für Unternehmen, Mehrwertsteuer, Stempelabgabe, Tabaksteuer, Mineralölsteuer; bei den Kantonen und Gemeinden: Einkommens- und Vermögenssteuer für Privatpersonen, Gewinn- und Kapitalsteuer für Firmen, Grundstückgewinnsteuer, Motorfahrzeugssteuer (nicht in allen Kantonen: Handänderungssteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuer). Die Einkommens- und Vermögenssteuer entsprechen der Besteuerung von Einkommen aus Arbeit und Vermögen bei Privatpersonen (analog bei Unternehmen: Gewinn- und Kapitalsteuer). Bei den kantonal erhobenen Steuern herrscht ein Steuerwettbewerb (manche Kantone, v.a. Innerschweizer Kantone bisher, haben deswegen eine Flat Rate Tax wider die bisher übliche Steuerprogression eingeführt; steuergünstigste Kantone: ZG, SZ, TI, GR, BL [Zürcher Steuerbelastungsmonitor 2010]). Die indirekte Mehrwertsteuer macht rund einen Viertel aller Steuereinnahmen aus; der allgemeine Mehrwertsteuersatz beträgt 7,6% (für Güter des täglichen Bedarfs teils reduziert 2,4%). Im internationalen Steuerstreit der letzten Zeit musste die Schweiz Konzessionen machen, nachdem sie als bedeutender Steuerfluchtstandort eingeschätzt wurde. Die gesamten Staatseinnahmen belaufen sich auf 34,5% des Bruttoinlandprodukts BIP, während die Staatsausgaben 32,2% des BIPs betragen; die öffentlichen Schulden betragen 38,2% des BIPs (CIA World Facts Book 2010 [die meisten europäischen und internationalen Länder weisen eine höhere Staatsverschuldung auf: die grösste hat Japan mit 225,8%, kein einziger Staat der Welt bewegt sich in den schwarzen Zahlen]).
Das Schweizer Gold. Die Staaten horten Gold, welches früher einmal zur Deckung der Währungen benutzt wurde (Goldstandard), während es heute eher einer verhältnismässig sicher erscheinenden Reserve für Krisenzeiten gleichkommt. Die Schweiz hat ihren Bestand in den 2000-er Jahren mehr als halbiert und liegt trotzdem noch immer in den Top-10 der Welt. Bestände in Tonnen (2011): 1. USA 8'133.5, 2. Deutschland 3'401.0, 3. IWF (Internationaler Währungsfonds) 2'814.0, 4. Italien 2'151.8, 5. Frankreich 2'435.4, 6. China 1'054.1, 7. Schweiz 1'040.1, 8. Russland 824.8, 9. Japan 765.2, 10. Niederlande 612.5, 11. Indien 557.7, 12. EZB (Europäische Zentralbank) 502.1, 13. Taiwan 423.6, 14. Portugal 382.5, 15. Venezuela 365.8. Gegen den Ausverkauf des Goldes gab es teils heftige Proteste. Die Goldpolitik der führenden Industrieländer ist unterschiedlich: die Meisten haben in den letzten Jahren ihren Bestand gehalten oder leicht gesenkt; eine Ausnahme bildet Grossbritannien, welches seinen Bestand in den letzten vierzig Jahren um einen Drittel sogar reduziert hat.
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Schule.
In den internationalen PISA-Studien hat die Schweiz vielleicht schlechter abgeschnitten als erwartet (gemessen an den hohen Erwartungen und der hohen Meinung von den Schweizer Schulen), aber keinesfalls dramatisch schlecht. Stark ist man dort jetzt fast schon traditionell in der Mathematik, etwas schwächer in den Naturwissenschaften und im Leseverständnis (auch verständlich aber etwa aufgrund der Dialektsprache und der Mehrsprachigkeit [die Fähigkeiten in Fremdsprachen wurden hier natürlich nicht getestet]).
Bei den PISA-Leistungsstudien schnitten die Schweizer Schüler bisher sehr gut ab in der Mathematik (2009: 1. China [Shanghai], 2. Singapur, 3. Hongkong, 4. Südkorea, 5. Taiwan,... 8. Schweiz von 65 – 2006 sogar Platz 4), recht gut bei den Naturwissenschaften (1. China, 2. Finnland, 3. Hongkong,... 15. Schweiz) und dem Leseverständnis (1. China, 2. Südkorea, 3. Finnland,... 14. Schweiz); in der letzten Studie ist die Schweiz leicht etwas zurückgefallen (dafür war das Resultat der Migrantenkinder der ersten Generation etwas besser [vorher sehr schlecht]); man kann mit dieser Studie aber nur etwas anfangen, wenn man sie über längere Zeit vergleicht. Nach der neunjährigen Grundschule erfolgt meist eine Berufslehre und die begleitende Gewerbliche Berufsschule bzw. Gewerbeschule oder der intellektuelle Weg über ein Gymnasium bzw. eine Kantonsschule an eine Universität oder eine andere höhere Schule (der Berufsschulweg ist in den letzten Jahren aber diversifiziert worden: es gibt heute mehr Möglichkeiten als früher). Die Schweizer halten v.a. sehr viel von ihrer Berufsschulung. Von Lehrmeistern hört man heute zuweilen, dass die Kenntnisse, welche die Schüler aus der Grundschule mitbringen, oft nicht ausreichen und einiges schlechter sind als früher (schwierig zu sagen, wie griffig oder bedeutend diese Kritik ist). Nebst dieser PISA-Studie ist die Einschätzung der Leistungen der Schulen und der Lehrer relativ schwierig. Universitäten gibt es in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich in Deutsch sowie in Genf, Lausanne und Neuenburg in Französisch und in Freiburg in beiden Sprachen. Die Universitäten sind kantonale Institutionen, während die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich und die École polytechnique fédérale de Lausanne eidgenössische Institutionen sind. Im Hochschulbereich wurde das europäische Bologna-Modell eingeführt, im Grundschulbereich, welcher den Kantonen überlassen ist, verläuft dagegen eine schweizerische Harmonisierung schwierig (Projekt 'HarmoS').
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Umweltschutz.
In gewissen Bereichen des Umweltschutzes liegt die Schweiz international in den Spitzenpositionen, insbesondere sollen die Schweizer etwa Weltmeister im Recycling sein. Einigermassen dramatisch erscheint für die Schweiz im Umweltbereich langfristig v.a. der Rückgang der Alpengletscher (aufgrund der ökologisch bedingten Klimaerwärmung, wie kritische Experten meinen).
Umweltschutzdaten sind allgemein schwierig zu erheben und zu vergleichen, trotzdem gibt es immer mehr Statistiken dazu. Im Vordergrund steht traditionell die CO2-Emission (aber natürlich besteht der Umweltschutzbereich aus einer Vielfalt von Themen und Faktoren). CO2-Emissionen pro Kopf: 1. Katar, 2. Niederländische Antillen, 3. Vereinigte Arabische Emirate, 4. Kuwait, 5. Bahrain, 6. Trinidad u. Tobago, 7. Aruba, 8. Luxemburg,... 79. Schweiz von 214 (absolut: 1. China, 2. USA – zusammen mit 42,2% der Weltemissionen – 3. Russland, 4. Indien, 5. Japan,... 68. Schweiz [je CDIAC 2007]). Die Schweiz steht also diesbezüglich international recht gut da: Umweltschutzorganisationen meinen aber, dass (fast) kein Land der Welt die eigentlichen Bedingungen diesbezüglich erfülle. Die ökologischen Klimaveränderungen haben für den Alpenraum beträchtliche Auswirkungen: kritische Experten warnen vor einem bedeutenden Rückgang der Alpengletscher – manche meinen sogar, dass noch in diesem Jahrhundert 50 bis 90% der Schweizer Gletscher ganz verschwinden könnten (insofern sind jene Politiker schlecht zu verstehen, die einen aufdringlichen Heimatschutz betreiben wollen, gleichzeitig aber gegen einschneidende Massnahmen im ökologischen Bereich sind). In der Schweiz gibt es fünf Atomkraftwerke, die rund 40% des Schweizer Stroms produzieren (weitere 10% werden aus Frankreich importiert); im Jahr 2011 beschloss der Bundesrat den schleichenden Ausstieg aus der Atomkraft (die Schweiz ist – wie alle Länder der Welt – in der Nutzung von alternativen bzw. erneuerbaren Energien, gemessen am gesamten Energiebedürfnis bzw. -aufkommen, arg im Rückstand und muss jetzt aufholen diesbezüglich). In der Wiederverwertung sollen die Schweizer weltweit einen Spitzenwert haben: 2007 sollen 51% aller Haushaltabfälle rezykliert worden sein (in Kehrichtverbrennungsanlagen wurden über 3 Mio. Tonnen Abfall verbrannt aus einer Siedlungsabfallmenge von insgesamt rund 5,5 Mio. Tonnen, wozu noch 1,2 Mio. Tonnen Sondermüll zu zählen sind).
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P.S. Die statistischen Zahlen in den obigen Beiträgen sind natürlich nicht überall ganz topaktuell: ich versuche sie einigermassen aktuell zu halten, aber das ist natürlich etwas schwierig bei so vielen Zahlen. Wer in einem bestimmten Bereich die topaktuellsten Zahlen braucht, muss sich im Web schlau machen dazu. Es geht auch hier eigentlich nicht um die ganz genauen Zahlen, sondern um gewisse aktuelle Grössenangaben.
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