 100 Topsongs (und ein bisschen Philosophie)
Der Afrobeat-Popsong "Calm Down" von Rema [siehe in der Liste unten], aus der bedeutenden nigerianischen Musikindustrie, schlug 2022 ziemlich stark ein. Der Remix mit Selena Gomez kam auf Platz 3 der Billboard Global 200 und der US Billboard Hot 100 Charts. Ziemlich gut für einen in der Welt sonst (ausser bei Barack Obama [!], der ihn auf seine Summer Playlist 2019 setzte) noch eher unbekannten nigerianischen Sänger. Bis dahin kannte man von der neueren Afrobeatmusik vielleicht Leute wie Wizkid oder Burna Boy, welcher 2019 zusammen mit Ed Sheeran in einem Song vom britischen Rapper Stormzy mitmachte, wenn überhaupt, und sonst kaum jemanden. Der frühere Ethnoeffekt der 'World Music' - unter welchem etwa Youssou N'Dour, Ali Farka Touré, Salif Keita, Mory Kanté, Geoffrey Oryema, Farafina und andere weltbekannt geworden sind - ist längst verflogen. Sogenannte World Music Festivals sind heute nicht mehr gross im Trend. Die heutige afrikanische Musik präsentiert sich nun quasi unter dem eigenen Label (Afrobeat). Vielleicht ist der Song deswegen so positiv aufgefallen, weil er im Vergleich mit dem vorherrschenden Psycho-Pop-Mainstream der 2000-er Jahre, besonders seit den 2010-er Jahren - von Rihannas 'Stay' (2012) und Adeles 'Hello (To the Other Side)' (2015) über Passengers 'All the Little Lights' (2012) und Alan Walkers 'Faded' (2015) bis Rag 'n' Bone Mans 'Human' (2017) und Lewis Capaldis 'Someone You Loved' (2019), und wie sie alle hiessen und heissen - so eindrücklich zeigte, dass es in der Musik doch noch etwas anderes gibt, als bloss zu beeindrucken (wie es die moderne Musik seit der Verschärfung des Sounds und der Lyrics etwa seit den mittleren 1985-er Jahren immer stärker versucht [Rock -> Hardrock, Hardrock -> Heavy Metal, Disco/Dance -> Techno/Trance, Rap -> HipHop, Reggae -> Ragga/Dancehall, Afropop -> Afrobeat] - seit geraumer Zeit eben mit diesen ganzen Psycho-Pop-Stimmen und -Atmosphären): etwas geradlinigeres, ehrlicheres und ansprechenderes. Und vor allem einfach: Freude an der Musik, am Rhythmus, am Leben! Es ist Zeit, zu schauen, was hinter der afrikanischen Musik steckt, und deshalb habe ich diese Seite hier gemacht. Man kann Afrika nicht besser erklären als durch die Musik, und man kann die Musik nicht besser erklären als durch Afrika.
Die Spuren von den Anfängen moderner afrikanischen Musik führen uns v.a. nach Südafrika... Solomon Linda's Original Evening Birds - Mbube (Südafrika, 1939) [V] war der erste Plattenhit der afrikanischen Musik, welcher später zum Welthit wurde - zuerst durch den US-Folksänger Pete Seeger (Wimoweh [1951], dann etwa durch The Tokens [The Lion Sleeps Tonight (1961)], Miriam Makeba [V (mehrere Aufnahmen, erstmals 1960 - diese scheint etwas später gewesen zu sein)], Ladysmith Black Mambazo [V (Dat. unbek.)] oder Tight Fit [V (1982)]). Eine weitere grosse Nummer aus früherer Zeit ist diese: African Dance Band at the Cold Storage Commission of Southern Rhodesia (Leitung: August Msarurgwa [Komponist]) - Skokiaan (aka Skokiyana oder Skokian, 1950 [V] - das stammt aus Simbabwe; berühmt geworden durch die Interpretation von Louis Armstrong [1954]; interessant: ich habe diesen Song als Ursprung des jamaikanischen Ska-Stils bezeichnet, welcher die Reggaemusik begründet hat [ebenso ist für mich übrigens der Song 'Chain Gang' (1960) von Sam Cooke der Vorläufer des eigentlichen Reggaes (und also der Grund des Wechsels vom Ska über den Rocksteady zum Reggae)]). Ferner interessant auch: Willard Cele - Penny Whistle Boogie (Südafrika, 1951) [V] (dieser von der US-Boogie-Woogie-Musik beeinflusste Stil gilt als Vorläufer des Pennywhistle Jive [aka Kwela] und trug damit wesentlich bei zur Entwicklung der modernen afrikanischen Musik [siehe auch: Charles Segal]; der Einfluss der US-amerikanischen, aber auch etwa der kubanischen und brasilianischen Musik ist [natürlich] bedeutend). Frühe Aufnahmen von afrikanischer Folkmusik kenne ich nicht, aber sie könnten vielleicht etwa so tönen (wie dieses [spätere] Beispiel aus Ghana).
Hier gibt es eine Demonstration der für die afrikanische Musik so wichtigen Polyrhythmik, bedeutend ist auch der Offbeat, mit welchem die Musik sofort ein bisschen verspielter wird und welcher bedeutend in die moderne Musik eingeflossen ist, natürlich - und alles in allem tönt das (mit Balafon und Drums) dann eben irgendwie so. Hier eine faszinierende Dokumentation über die Musik und Kultur eines (bis vor wenigen Jahren) noch ursprünglichen, nomadischen Jäger- und Sammlervolkes im zentralafrikanischen Urwald (Bayakalied, Water Drumming - ein Kinderspiel - siehe auch: Baka/Kamerun, Twa/Ruanda und weitere; bei diesen Gesängen könnte es sich um das älteste, komplexere, höhere Kulturgut der Menschheit handeln). Und was wäre die afrikanische Musik ohne ihre Tänze? Neue Moderne und alte Tradition - nirgendwo in der Welt ist der Spannungsbogen der Kultur grösser als in Afrika. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass ein afrikanischer Schöpfungsmythos besagt, dass die Welt aus einem Ton geschaffen wurde (ich weiss leider nicht mehr, in welcher Kultur genau das vorkommt) - das ist irgendwie nachvollziehbar, wenn man sich mit der afrikanischen Musik beschäftigt. [Anmerkung: ein paar interessante Videos, die ich hier verlinkt hatte, sind leider wegen Urheberrechtsansprüchen aus Youtube entfernt worden - sehr schade, wenn diese dann das nicht selber posten: viele Leute verstehen leider nicht, was Bildung bedeutet heute.]
Die Liste: 100 Songs der afrikanischen Musik [von früher bis heute]).
1. African Brothers Dance Band International - Akwantifi Wuo (Ghana, Highlife, 1981) [ V]
2. Ali Farka Touré feat. Oumou Sangaré - Cherie (Mali, Tuareg/Desert Rock, 2023) [ V]
3. Alpha Blondy - Come Back Jesus (Elfenbeinküste, Afroreggae, 1985) [ V]
4. Amadou & Mariam - Je pense à toi (Mali, Mali Blues, 1998) [ V]
5. Amadou Ballake Et Les 5 Consuls - Renouveau (Burkina Faso, Afrofunk/Musique traditionelle, 1970s) [ V]
6. Amampondo - Marimba Song (Südafrika, Instrumental [Perkussion], 1995) [ V]
7. Amanaz - Green Apple (Sambia, Zamrock, 1975) [ V]
8. Américo Brito - Sintado Na Pracinha (Kapverden, Afropop/Funanà, 2003) [ V]
9. Amr Diab - Nour El Ain (Ägypten, Arabpop, 1996) [ V]
10. Angélique Kidjo - Wombo Lombo (Benin, Afrobeat, 1996) [ V]
11. Babatunde Olatunji - Dawn [Idaji] (Nigeria, Instrumental [Perkussion], 2005) [ V]
12. Barbara Kanam - Têti (DR Kongo, Afropop/Afrobeat, 2003) [ V]
13. Batsumi - Lishonile (Südafrika, Afrojazz, 1974) [ V]
14. Bembeya Jazz National - Ballake (Guinea, Afrojazz/Afropop, 1980s) [ V]
15. Bitori feat. Chando Graciosa - Bitori Nha Bibinha (Kapverden, Funanà, 1997) [ V]
16. Bob Azzam Et Son Orchestre - Mustafa (Ägypten/Frankreich, Chanson/Schlager, 1960) [ V]
17. Bola Johnson & His Easy Life Top Beats - Lagos Sisi (Nigeria, Afrofunk, 1973) [ V]
18. Boubacar Traoré - Je chanterai pour toi (Mali, Liedermacher/Mali Blues, 1996) [ V]
19. Brenda Fassie - Thola Amadlozi (Südafrika, Afrodisco, 1990) [ V]
20. Burna Boy - Higher (Nigeria, Afrobeat, 2024) [ V] (Hit [u.v.a.]: Last Last)
21. Celestine Ukwu & His Philosophers National - Mmefie Adiro Mgbayalu Ama Di (Nigeria, Highlife, 1974) [ V]
22. Césaria Évora - Sodade (Kapverden, Schlager/Morna, 1992) [ V]
23. Cheb Khaled - Moule el Kouchi (Algerien, Arabpop/Amazigh Music, 1985) [ Trad. - V] (Hit: Aïcha, 1996)
24. Chief Stephen Osita Osadebe & His Nigerian Sound Makers - People's Club Odogwu (Nigeria, Highlife, 1977) [ V] ( Special)
25. Davido - Feel (Nigeria, Afrobeat, 2003) [ V].
26. Diblo Dibala - Laissez-passer (DR Kongo, Afrodance/Soukous, 1995) [ V]
27. Dji Tafinha feat. Punidor - Mwangolé (Angola, Rap/HipHop, 2010) [ V]
28. Dobet Gnahoré feat. Yabongo Lova - Lève-toi (Elfenbeinküste, Afropop, 2021) [ V]
29. Ebo Taylor - Heaven (Ghana, Afrofunk/Afrobeat, 1977) [ V]
30. El Hachemi Guerouabi - El Bahdja (Algerien, Liedermacher/Chaabi, Dat. unbek.) [ V] ( live)
31. Ernesto Djédjé - Ziboté (Elfenbeinküste, Afropop/Ziglibithy, 1977) [ V]
32. E.T. Mensah & His Tempos Band - Yei Ngbewoh (Ghana, Highlife, 1958) [ V] (Wird als King des Highlifes bezeichnet)
33. Fally Ipupa - SL (DR Kongo, Afrobeat/Rumba, 2023) [ V]
34. Farafina - Warri (Burkina Faso, Musique traditionelle, 2001) [ V] ( Album, live)
35. Farid al-Atrash - Hebbina Hebbina (Syrien/Ägypten, Klassische Ägyptische Musik, 1974) [ V]
36. Fatoumata Diawara feat. Damon Albarn - Nsera [Solomun Remix] (Mali/Grossbritannien, Afrobeat, 2023) [ V]
37. Fela Kuti - Confusion (Nigeria, Afrofunk/Afrobeat, 1974) [ V] (Gilt als Begründer des Afrobeats)
38. Floby - Nini Toogo (Burkina Faso, Afrobeat/Takborsé, 2022) [ V]
39. Francis Bebey - O'bia (Kamerun, Liedermacher, 1973) [ V]
40. Geoffrey Oryema - Makombo (Uganda, Ballade, 1990) [ V]
41. Gétatchèw Mèkurya - Ambassel (Äthiopien, Instrumental [Saxophon], Dat. unbek.) [ V]
42. Grace Decca - Muna Ndoki (Kamerun, Afropop, 1998) [ V]
43. (Le) Grand Kallé & African Jazz - Indépendance Cha Cha (DR Kongo, Chanson/Schlager, 1960) [ V]
44. Hay'oe - Laissez nous avancer (Gabun, Rap, 2009) [ V]
45. Hugh Masekela - Grazing in the Grass (Südafrika, Afrojazz, 1968) [ V]
46. Ismaël Lô - Jammu Africa (Niger/Senegal, Ballade, 1996) [ V]
47. Johnny Clegg & Savuka - Scatterlings of Africa (Südafrika, Afrorock, 1987) [ V] ( Live)
48. Koffi Olomide & Papa Wemba - Esakola (DR Kongo, Soukous, 1996) [ V]
49. Konono N°1 - Paradiso (DR Kongo, Electronic Folk, 2004) [ V]
50. K. Frimpong And His Cubano Fiestas - Kyenkyen Bi Adi M'awu (Ghana, Highlife/Afrofunk, 1976) [ V]
51. L'Orchestre Kanaga de Mopti - Gambari [Signifie l'herbe verte] (Mali, Afrofunk, 1977) [ V]
52. Ladysmith Black Mambazo - Homeless (Südafrika, A capella/Isicathamiya, 1986) [ V]
53. Latifa - Ma Etrohsh Ba'ed (Tunesien, Arab Beat, 2003) [ V]
54. Le Grand Maitre Franco et Son Tout Puissant O.K. Jazz et Jolie Detta - Massu (DR Kongo, Afrofolk/Soukous, 1986) [ V]
55. Les Espoirs de Coronthie - Mikhi Fagny (Guinea, Musique traditionelle, 2009) [ V] ( Album])
56. Lucky Dube - Remember Me (Südafrika, Afroreggae, 2013) [ V]
57. Mafikizolo feat. Uhuru - Khona (Südafrika, Afrobeat/Kwaito, 2013) [ V]
58. Magic System - Zouglou Dance (Elfenbeinküste, Zouglou/Coupé-décalé, 2008) [ V]
59. Mahlahtini and the Mahotella Queens - Kazet (Südafrika, Afropop/Mbaqanga, 1988) [ V]
60. Manu Dibango - Soul Makossa (Kamerun, Afrojazz/Afrofunk, 1972) [ V]
61. Marijata - I Walk Alone (Ghana, Afropop/Afrofunk/Afrojazz/Afrosoul, 1976) [ V]
62. Mariem Hassan - Haiyu (West-Sahara, Tuareg/Desert Rock, 2017) [ V]
63. [Orchestre] Massako 84 - Temedy (Gabun, Afrofolk/Soukous, 1984) [ V]
64. Mayra Andrade - Seu (Kuba/Kapverden, Morna, 2009) [ V]
65. Miriam Makeba - Pata Pata (Südafrika, Afropop/Afrosoul, 1967) [ V
66. Mory Kanté - Yeke Yeke (Guinea, Afrobeat/Afrorock/Afrodisco, 1987) [ V]
67. Mulatu Astatke - Tezeta (Äthiopien, Afrojazz/Ethiopian Jazz, 1969) [ V]
68. Nimon Toki Lala feat. Nene Tchakou - Ça fait du bien (Togo, Afrodance/Soukous, 1992) [ V]
69. Oliver De Coque & His Expo'76 - Identity (Nigeria, Highlife, 1980) [ V]
70. Omah Lay - Reason (Nigeria, Afrobeat, 2023) [ V] (Auch : Soso)
71. Orchestra Baobab - Ndéleng Ndéleng (Senegal, Afropop/Mbalax/Son Cubano, 1978) [ V]
72. [T.P.] Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou - Gbeto Vivi (Benin, Afrofunk/Sato, 1970s) [ V]
73. Oudaden - Yani Trjoune (Marokko, Berber/Amazigh Music, 2011) [ V]
74. Prince Nico Mbarga - Sweet Mother (Nigeria, Highlife, 1976) [ V]
75. Ramata Diakite - Saba (Mali, Mali Blues, 1998) [ V]
76. Rema - Calm Down (Nigeria, Afrobeat, 2022) [ V] ( Remix mit Selena Gomez)
77. Rocky Dawuni - African Reggae Fever (Ghana, Afroreggae, 2010) [ V]
78. Salif Keïta - La différance (Mali, Mali Blues, 2009) [ V]
79. Snr. Eddie Donkor & Internationals - Na Who Cause Am (Ghana, Highlife, 1977) [ V]
80. Soungalo Coulibaly - Garankedon (Mali, Djembé/Garankedon, 1999) [ V]
81. Soweto Gospel Choir - Amazing Grace (Südafrika, Afrogospel, Dat. unbek.) [ V]
82. (Super) Sweet Talks - Akampanye (Ghana, Highlife/Afrofunk, 1976) [ V]
83. Tabu Ley Rochereau & Afrisa International - Mokolo Nakokufa (DR Kongo, Rumba congolaise, ?) [ V]
84. Teddy Afro - Atse Tewodros (Äthiopien, New Ethiopian Music, 2017) [ V]
85. The Anambra Beats - Ayamma (Nigeria, Highlife/Afrofunk, 1973) [ V]
86. The Bhundu Boys - Une Shuwa here (Simbabwe, Afropop/Jit, 1983) [ V]
87. The Funkees - Dancing Time (Nigeria, Afrofunk, 1973) [ V]
88. Thomas Mapfumo & The Blacks Unlimited - Mukadzi Wangu (Simbabwe, Chimurenga, 2006) [ V]
89. Tiken Jah Fakoly - Plus rien ne m'étonne (Elfenbeinküste, Afroreggae, 2004) [ V]
90. Tilahun Gessesse - Selamtaye Yidres (Äthiopien, Ethiopian Jazz/Soul, Dat. unbek.) [ V]
91. Tinariwen - Matadjem Yinmixan (Mali-Libyen-Sahara, Tuareg/Desert Rock, 2001) [ V] ( live)
92. Tiwa Savage - All Over (Nigeria, Afrobeat, 2017) [ V]
93. Tony Allen With Afrika 70 - Afrodisco Beat (Nigeria, Afrobeat, 1977) [ V]
94. Touré Kunda - Em'ma (Senegal, Afroreggae, 1985) [ V]
95. Umm Kulthum - Enta Omri (Ägypten, Klassische Ägyptische Musik, 1964) [ V]
96. William Onyeabor - Body and Soul (Nigeria, Afrodisco/ Afrofunk/Afropop, 1980) [ V]
97. Wust el Balad - Wust el Balad (Ägypten, Arabic Rock, 2007) [ V]
98. Yemi Alade feat. Inoss'B - Lipeka (Nigeria/DR Kongo, Afrobeat, 2023) [ V]
99. Youssou N'Dour - Chimes of Freedom (Senegal, Afropop/Mbalax, 1994) [ V]
100. 1da Banton - No Wahala (Nigeria, Afrobeat, 2021) [ V] ( Remix)
101. + Afrobeat und andere 2000-er (50): Aya Nakamura - Pookie (Mali, Afrobeat, 2019) [V], Ayra Starr - Rush (Nigeria, Afrobeat, 2023) [V], Bebi Philip - Mon Coupeé Décalé (Elfenbeinküste, Coupé-Décalé, 2019) [V], Camidoh feat. Phantom - Sugarcane (Ghana, Afrobeat, 2022) [V], Costa Titch [Costantinos Tsobanoglou] feat. C'buda, Alfa Kat, Banaba Des, Sdida & Mant T - Big Flexa (Südafrika, Afrobeat/Ampiano, 2021) [V], Don'zer - Ovengo (Gabun, Rap, 2022) [V], Filomena Maricoa - Pai (Mosambik, Afrobeat, 2024) [V], Fireboy DML - Like I Do (Nigeria, Afrobeat, 2019) [V], Imarhan - Achinkad (Algerien, Desert Rock, 2021) [V], Joeboy - Beginning (Nigeria, 2019) [V], Josey - Diplôme (Elfenbeinküste, Afropop/Afrobeat, 2015) [V], Kabza De Small & DJ Maphorisa feat. Madumane - Hello (Südafrika, Amapiano, 2022) [V], Kcee - Ojapiano Kcee - Ojapiano (Nigeria, Afrobeat, 2023) [V], Manalemosh Dibo - Gondere (Äthiopien, New Ethiopian Music, 2004) [V], Mbosso - Maajab (Tansania, Afrobeat, 2019 [V]), Miss Ana - Je suis là (Gabun, Afrobeat, 2023) [V], Nancy Ajram - Badna Nwalee El Jaw (Ägypten, Arab Beat, 2018) [V], Niska feat. MHD - Versus (Kongo/Frankreich, Afrobeat/Rap, 2018) [V - das kommt aus Frankreich, gehört aber dazu], P-Square - Jaiye [Ihe Geme] (Nigeria, Afrobeat, 2022) [V], Samara - Paranoia (Tunesien, Rap/HipHop, 2022) [V], Spyro feat. Tiwa Savage - Who is your Guy? (Nigeria, Afrobeat, 2023) [V], Stonebwoy - Into the Future (Senegal, Afrobeat, 2023) [V], Tekno - Pana (Nigeria, Afrobeat, 2016) [V], Tiesco Le Sultan - Ya Dieu dedans (Elfenbeinküste, Coupé-Décalé, 2023) [V], uLazi feat. Infinity - Yey (Südafrika, Afrobeat/Ampiano, 2023) [V], Wizkid feat. Drake - Come Closer (Nigeria, Afrobeat, 2017) [V], Young Jonn - Xtra Cool (Nigeria, Afrobeat, 2022) [V].
Sämtliche hier angegebenen Songs stammen, glaube ich, aus der Zeit nach der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten (Liste der Unabhängigkeitsdaten, Geschichte der Unabhängigkeit).
Das neue afrikanische Selbstverständnis, welches sich auch durch die neue (Afrobeat-) Musik manifestiert, bedeutet natürlich nicht, dass der Kontinent keine Probleme mehr hat. Diese sind trotz des bedeutenden Wachstums, sowohl der Wirtschaft wie der Bevölkerung noch immer vorhanden. Derzeit hat Afrika im Vergleich zu den anderen Kontinenten das zweitgrösste Wirtschaftswachstum (hinter Asien) und das grösste Bevölkerungswachstum. Bis 2050 soll sich die afrikanische Bevölkerung verdoppeln - seit 1950 hat sie sich versechsfacht (im Jahr 2036 soll die Bevölkerungswachstumsrate Afrikas erstmals unter 2% fallen). An der Spitze des Städtewachstums stehen Lagos (eine Stadt der Gegensätze, bekannt für ihr üppiges, ausschweifiges und teils auch gefährliches Nachtleben ebenso wie für das Slum auf dem Wasser]), Kinshasa und Kairo. Im Musik- und Filmbereich ist Nigeria derzeit klar führend ('Nollywood'), auch der Afrobeat, wie die heutige afrikanische Musik genannt wird (früher: Afropop), ist mitbedeutend für das neue afrikanische Selbstverständnis (dabei darf nicht vergessen, dass diese Musik aus dem mitunter etwas dekadenten Nachtleben der Megacity Lagos stammt, Einflüsse von R&B und HipHop sind unverkennbar [als Begründer/Erfinder der Stilrichtung gilt Fela Kuti* ( Dokumentarfilm) - dessen Sohn Fema eröffnete den New Afrika Shrine, ein legendäres und symbolbehaftetes Open-Air-Konzert und -Tanzlokal]).
* «At the time, the early 1970s, throughout Lagos und the rest of Nigeria, as well as in other parts of Africa, the hot contrapuntal, polyrhythmic, Afro-beat musical sound of Fela Ransome-Kuti boomed in the hotels, bars, nightclubs, and joints. Fela's music boomed along every street and alley in the markets and sprawling dwelling areas of the poor. In his music I heard James Brown, I heard Sonny Rollins, I recognized the fiery Baptist Church, and I heard Jelly Roll Morton, Mama Yancey and Scott Joplin - the spirituals, the gospels, the blues, the rhythm and blues, the rag, and the jazz. The music had journeyed the ocean and returned with the trappings of the alien experience. Yet it retained the essence of its own self. Now it spoke of not just one experience but of the African/European/American experience as well, the diasporic experience.» (Calvin C. Hernton [US-Soziologe], 1990 - im Vorwort zu einer Neuauflage des Buches "Muntu" von Janheinz Jahn). Der Autor spricht hier bloss vom Einfluss aus den USA, doch es ist vielmehr von einem gesamtamerikanischen Einfluss zu sprechen, insbesondere aus der Karibik auch, und insbesondere v.a. aus Kuba (bei diesen Einflüssen handelt es sich um alte rituelle Tänze).
Und die afrikanische Philosophie? Ich hatte sie zuerst als Zukunftshoffnung eingestuft, sehe nun aber (nach der Lektüre von Mbembes 'Politik der Feindschaft'), dass sie bereits einen sehr bedeutenden und nicht zu unterschätzenden Stellenwert besitzt (und dass die Hoffnung eine konkrete ist, welche bereits heute aktiviert werden muss [falls es nicht schon zu spät ist, denn der Westen hat diese Entwicklung und Auseinandersetzung bisher eher etwas verschlafen (aber: wenn wir die westlichen Kulturkritiker so ernst nehmen, wie es in der letzten Zeit, ja bereits in den letzten Jahrhunderten, der Fall war, von Voltaire und Nietzsche bis zur Kritischen Theorie und dem Poststrukturalismus, um wieviel ernster müssen wir dann erst die Kulturkritiker der übrigen Teile der Welt und insbesondere des afrikanischen Kontinents nehmen??)]). Vermutlich müssen wir sogar sagen, dass sie Träger der bedeutendsten Dynamik in der Philosophie seit dem Zweiten Weltkrieg ist (! - hier scheint es also, wenn man das so sieht, eine Diskrepanz eben zu bestehen, zwischen Bedeutung und Beachtung). Im Gegensatz zur eher kritizistischen bis dekonstruktionalistischen westlichen Kulturkritik, können wir in der afrikanischen Kulturkritik durchaus den Wunsch nach einem Neuen Menschen und die Ansätze von einer Philosophie davon erkennen. Die afrikanische Philosophie ist nicht hoffnungslos, sie lässt uns nicht in der reinen Kritik sitzen, sondern sie eröffnet (neue) Perspektiven, und genau das ist das Interessanteste daran. Dabei stellt sich bis heute die Frage, ob es so etwas wie eine 'afrikanische Philosophie' überhaupt gibt und was das genau ist oder sein soll. Man ist sich nicht einig in diesen Fragen (und auch das ist interessant). Wenn es so etwas wie eine 'afrikanische Philosophie' gibt, denke ich, muss sie von verschiedenen Ansätzen her betrachtet werden, welche über die reine Philosophie hinausgehen, und auch etwa die Politik und die Kultur allgemein betreffen. Ich glaube, dass afrikanische Philosophie im Wesentlichen Kultur-Philosophie ist. Hier eine Liste von relevanten Figuren unter dem Gesichtspunkt von einer 'afrikanischen Philosophie' (von verschiedenen Ansätzen her betrachtet - sowie weiteren bedeutenden Kulturträgern).
Am Anfang dieser Liste steht hier Ptahhotep, eine politische Figur im Alten Ägypten. Ich vertrete jedoch die Auffassung, dass der Ursprung aller Kultur in (Subsahara-) Afrika zu suchen ist, denn daher stammt der Mensch, wie die Wissenschaft sagt. Und wenn das so ist, dann hat auch das, was wir 'Kultur' nennen, ebenso wie das, was wir 'Denken' nennen, und das, was wir 'Philosophie' nennen, in Afrika angefangen (und zwar in einem Afrika der kulturellen Urzeit). Inwiefern die Kulturen und Philosophien späterer Entwicklungen - sei es in Mesopotamien, Indien, Ägypten, China oder Griechenland und Rom (usw. usf., etc. etc.) - speziell gewesen sind, das ist dann im Einzelnen auch zu diskutieren. Natürlich bin ich der Meinung, dass die europäische Philosophie eine ganz spezielle Bedeutung und Wichtigkeit hat, aber die Ursprünge müssen wir überdenken - ebenso wie die Gegenwartsproblematik (abgesehen davon, dass es im heutigen Europa/Westen - sei es zurecht oder zu Unrecht [oder in welchem rechtlichen Verhältnis auch immer] - auch anders laufende, wenig von der Philosophie inspirierte Diskussionen gibt [und dies übrigens auch in Afrika, und überall in der Welt]: wir müssen heute zumindest auch von globalen Dimensionen ausgehen [das schliesst eine ambivalente Diskussion nicht aus]).
Ptahhotep (25. Jh. v. Chr. - Wesir und Verfasser einer altägyptischen Lebensweisheitslehre; siehe auch: andere altägyptische Weisheitsdichter). - Kleitomachos (Griechenland/Karthago [im heutigen Tunesien (lebte in Athen)], verm. zw. 187-186-110/109 - Philosoph: Leiter der Platonischen Akademie). - Tertullian (eigentlich: Quintus Septimius Florens Tertullianus - Karthago [im heutigen Tunesien], nach 150 bis nach 220 - Theologie/Kirchenvater). - Sextus Iulius Africanus (Römisches Reich [im heutigen Libyen], um 160/170 bis nach 240 - Gelehrter: Begründer der christlichen Weltchronistik). - Plotin (Römisches Reich [verm. im heutigen Ägypten - verstorben in Italien], 205-270 - Philosoph: Neuplatonismus). - Augustinus von Hippo (Römisches Reich [im heutigen Algerien], 354-430 - Theologe/Kirchenvater). - Hypatia (Alexandria [im heutigen Ägypten], um 360-415/416 - Mathematikerin, Astronomin, Philosophin: Neuplatonismus). - Ibn Baddscha (lat. Avempace, eigentlich: Abu Bakr Muhammad ibn Yahya ibn as-Sa'igh - Spanien [Al-Andalus - verstorben in Marokko], um 1095-1138 -Universalgelehrter: Islam ['Lebensführung des Einsiedlers', 12. Jh.]). - Ibn Ruschd (lat. Avrroës, eigentlich: Abu l-Walid Muhammad ibn Ahmad Ibn Ruschd - Spanien [Al-Andalus - verstorben in Marokko], 1126-1198 - Universalgelehrter: Islam ["Tahafut al-tahafut" (dt. 'Die Inkohäenz der Inkohärenz') - dies ist eine Schrift gegen Al-Ghazalis 'Inkohärenz des Philosophen']). - [Moses] Maimonides (Spanien [Al-Andalus - verstorben in Ägypten], zw. 1135 u. 1138-1204 - Philosoph, Rechtsgelehrter, Theologe und Arzt: Jüdische Theologie ['Führer der Unschlüssigen']). - S[o]undiata Keïta (Mali, um 1190-1255/1260 - mythische Figur, welche nur aus der mündlichen Überlieferung der Griots bekannt ist [traditionelle westafrikanische Geschichtenerzähler, Musiker und Chronisten, die Wissen, Geschichte und Kultur mündlich überliefern] - steht für die erste Verfassung, welche auf Menschenrechten beruht [Manden-Charta (frz. Charte du Manden/Mandé - vidéo)]). - Ibn Khaldun (eigentlich: Wali ad-Din 'Abd ar-Rahman ibn Muhammad Ibn Chaldun al-Hadrami - Tunesien [verstarb in Ägypten], 1332-1406 - Historiker und Politiker: Vordenker einer soziologischen Denkweise). - Kocc Barma Fall (eigentlich: Birima Maxuréja Demba Xolé Faal - Senegal, 1586-1655 - Philosoph: Sprüche über das Alter und die Weisheit). - Zär'a Yaqob (Äthiopien, 1599-1693 - Philosoph: Christentum [siehe auch: Waldä Heywat [sein Schüler]). - Anton Wilhelm Amo (Ghana [lebte zeitweilig in Deutschland], verm. vor 1701 bis nach 1753 ["Tractatus de arte sobrie et accurate philosophandi", 1738; ferner: Über die Rechtsstellung der Mohren in Europa" (verschollen) - erster bekannter Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland und Europa]). - Toussaint Louverture (eigentlich: François-Dominique Toussaint Louverture - Haiti [verstorben in Frankreich], 1743-1803 - Anführer der Haitianischen Revolution - sehr bedeutende Figur in der antikolonialen Bewegung). - W.E.B. Du Bois (USA [verstorben in Ghana], 1868-1963 - Historiker, Soziologe, Philosoph und Journalist: Bürgerrechtsbewegung in den USA ["The Souls of Black Folk" (dt. Die Seelen der Schwarzen, 1903]). - Haile Selassie I. (eigentlich: Tafari Makonnen - Äthiopien, 1892-1975 - Politiker/Kaiser [bedeutend als afrikanische Integrations- und Mystifikationsfigur im 20. Jahrhundert, hat die Rastafari-Bewegung auf Jamaika ausgelöst (in der afrikanischen Philosophie selber hat er erstaunlicherweise praktisch keine Bedeutung) - siehe auch: Marcus Garvey (Jamaika, 1887-1940, Panafrikanist), Leonard P. Howell (Jamaika, 1898-1981, 'The First Rasta')]). - Placide Tempels (eigentlich: Frans Tempels, Belgien, 1906-1977 - Priester [Ethnophilosophie - "La philosophie bantoue" (dt. Bantu-Philosophie - Ontologie und Ethik), 1945 (kritisiert u.a. von Hountondji, Césaire, Appiah, Wiredu, Bodunrin - andere stimmten zu, z.B. Kagame [er war jedenfalls aber so etwas wie der eigentliche Initiator einer afrikanischen Philosophie])]). - Léopold Sédar Senghor (Senegal, 1906-2001 - Dichter und Politiker/Staatspräsident [Négritude (zusammen mit Césaire und Damas) - "Liberté I. Négritude et Humanisme, 1964" (siehe: Liberté I-V, 1964-1993)]). - Kwame Nkrumah (Ghana [lebte zuletzt in Rumänien], 1909-1972 - Politiker/Staatspräsident [viele der frühesten Staatspräsidenten der postkolonialen afrikanischen Staaten waren bedeutend für die spätmoderne kulturelle Entwicklung Afrikas (im positiven wie teils auch im negativen Sinn: Nkrumah stand - wie Selassie - für die Afrikanische Einheit; siehe auch etwa: Julius Nyerere, Tansania [lebte auch in Grossbritannien], 1922-1999; Patrice Lumumba, Belgisch-Kongo [heute: DR Kongo], 1925-1961, u.v.a.)]). - Alexis Kagame (Ruanda, 1912-1981 - Philosoph, Linguist, Historiker, Dichter und katholischer Priester: Ethnophilosophie - Bantu ["La Philosophie Bantu-Rwandaise de l'Être", 1956]). - Albert Camus (Algerien/Frankreich, 1913-1960 - Autor und Philosoph: Existentialismus ["L'Homme révolté" (dt. Der Mensch in der Revolte), 1951 - bisher wenig Bedeutung in der afrikanischen Philosophie; siehe auch: Louis Althusser, 1918-1990, oder: Jacques Derrida, 1930-2004 (ebenfalls je bekannte französische Philosophen, welche in Algerien geboren sind - Alain Badiou ist als Franzose in Marokko geboren)]). - Aimé Césaire (Martinique [Frankreich], 1913-2008 - Schriftsteller und Politiker: bedeutender Vertreter der postkolonialen Theorie). - Nelson Mandela (eigentlich: Nelson Rolihlahla Mandela - Südafrika, 1918-2013 - Politiker/Staatspräsident: bedeutendste Figur des Widerstands gegen das Apartheidsystem; siehe auch: Steve Biko, 1946-1977, oder: Desmond Tutu, 1931-2021). - Cheikh Anta Diop (Senegal, 1923-1986 - Historiker, Anthropologe, Physiker [Afrozentristische Ägyptologie ("Nations nègres et culture: de l'Antiquité nègre égyptienne aux problèmes culturels de l'Afrique noire d'aujourd'hui, 1954)]). - Frantz Fanon (Martinique [Frankreich - lebte in den USA], 1925-1961 - Psychiater, Politiker, Schriftsteller, Philosoph: bedeutender Vertreter der postkolonialen Theorie ["Les damnés de la terre" (dt. Die Verdammten der Erde), 1961]). - Martin Luther King Jr. (eigentlich: Michael King Jr. - USA, 1929-1968 - Baptistenprediger: US-Bürgerrechtsbewegung; siehe auch: Malcolm X, 1925-1965 [spielt in der afrikanischen Philosophie eine geringe Rolle]). - Chinua Achebe (Nigeria, 1930-2013 - Autor [vermutlich der bekannteste afrikanische Autor überhaupt]). - Kwasi Wiredu (Ghana, 1931-2022 - Philosoph [Ethnophilosophie - Akan ("Philosophy and an African Culture", 1980)]). - Wole Soyinka (Nigeria, geb. 1934 - Schriftsteller). - Fela Kuti (eigentlich: Olufela Olusegun Oludotun Ransome-Kuti - Nigeria, 1938-1997 - Musiker und Aktivist [Begründer des Afrobeats, welcher heute einen weltweiten musikalischen Einfluss ausübt (viel stärker als die frühere World Music); für Afrika hat diese gemeinsame Musikkultur eine sehr grosse Bedeutung - siehe auch: Sun Ra (USA), 1914-1993 (bedeutender Vertreter des Afrofuturismus in der US-Jazzmusik); Miriam Makeba (Südafrika), 1932-2008 (die 'Stimme Afrikas', welche die Seele des Kontinents in die Welt hinaustrug); Manu Dibango (Kamerun), 1933-2020 (einer der ersten ganz grossen Weltstars der afrikanischen Musik); Bob Marley (Jamaika), 1945-1981 (vielleicht der grösste und weltbekannteste Musikstar aller Zeiten)]; neben den Musikstars waren auch die Sportstars sehr bedeutende Botschafter für den Kontinent). - Kofi Annan (Ghana, 1938-2018 - UN-Präsident [bedeutender Mann in der Tradition der (neo-) afrikanischen Politik (Friedensnobelpreis für seinen 'Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt')]). - Ngugi wa Thiong'o (Kenia, 1938-2025 - Autor und Kulturwissenschaftler: Antikolonialismus). - Kwame Gyekye (Ghana, 1939-2019 - Philosoph: Ethnophilosophie - Akan ["Person and Community in African Thought", 1992]). - Valentin-Yves Mudimbe (DR Kongo [lebte in den USA], 1941-2025 - Anthropologe, Autor, Literaturwissenschaftler und Philosoph ["L'Invention de l'Afrique - Gnose, philosophie et ordre de la connaissance", engl. The Invention of Africa, 1988]). - Paulin J[idenu]. Hountondji (Elfenbeinküste [mit Wurzeln im heutigen Benin], 1942-2024 - Philosoph und Autor: Kritik an der Ethnophilosophie ["Sur la 'philosophie africaine': Critique de l'ethnophilosophie", 1976 - afrikanische Philosophie ist für ihn die Gesamtheit der Texte, welche von afrikanischen Philosophen als philosophisch bezeichnet werden (analog: Wiredu, Oruka, Bodunrin); afrikanische Philosophie ist für ihn noch im Werden]). - Henry Odera Oruka (Kenia, 1944-1995 - Philosoph ["Sage Philosophy - Indigenous Thinkers and Modern Debate on African Philosophy", 1990 [gehört mit Wiredu und Hountondji zu den Drei, die neue Wege für das afrikanische Denken eröffnet haben]). - Kwame Anthony Appiah (eigentlich: Kwame Anthony Akroma-Ampim Kusi Appiah - Ghana [geboren in London, lebt in den USA], geb. 1954 - Philosoph, Kosmopolitismus ["Cosmopolitanism" (dt. Der Kosmopolit - Philosophie des Weltbürgertums, 2006)]). - Achille Mbembe (Kamerun, geb. 1957 - Historiker und Politikwissenschaftler, Postkolonialismus und Nekropolitik ["De la postcolonie - Essai sur l'imagination politique dans l'Afrique contemporaine" (dt. Postkolonie - Zur politischen Vorstellungskraft im zeitgenössischen Afrika), 2000; "Critique de la raison nègre" (dt. Kritik der schwarzen Vernunft), 2013; "Politiques de l'inimitié" (dt. Politik der Feindschaft, 2013]). - Emmanuel Chukwudi Eze (Nigeria [verstarb in den USA], 1963-2007 - Philosoph: Critical Philosophy of Race CRT ["Race and the Enlightenment": A Reader (1997) - er warf insbesondere Immanuel Kant (zurecht) Rassismus vor und wies darauf hin, dass dies von westlichen Denkern oft beschönigt wird*]).
* Die westliche Philosophie ist leider - bis ins 20. Jahrhundert hinein - voller Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit (nicht selten mehr oder weniger gut versteckt bzw. nicht gerade an jeder Oberfläche sichtbar - ich habe solches jedoch vereinzelt auch etwa in der chinesischen Philosophie gefunden). Dies steht den guten und schönen Ideen und Idealen entgegen. Wir kennen diese problematische Ambivalenz von demokratischen und humanistischen Differenzen. Dieses Problem ist gross und zweischichtig: einerseits kann es das Verständnis und die Verwendung von westlicher Philosophie für Menschen anderer Kulturkreise sehr stark erschweren, andererseits kann es aber auch im Westen selber dazu führen, dass philosophische Ideale aufgrund der Kritik durch andere Kulturen als solche mehr oder weniger aufgegeben werden (hier kommt die Kritik der anderen Kulturen noch kumulierend zur eigenen Philosophiekritik in der westlichen Philosophie hinzu [wenn man das alles noch irgendwie adäquat erklären will, müsste man sich heute sehr viele Gedanken dazu machen - das geschieht aber in der heutigen universitären westlichen Philosophie nicht; natürlich gibt es noch eine weitere negative Möglichkeit: dass nämlich die kritischen Punkte schlichtweg negiert werden, weil man sich damit nicht auseinandersetzen will (und das liegt ja voll im anti-intellektuellen Trend dieser Zeit - Motto: lieber dumm und schlau, als intelligent und blöd - damit ist natürlich letztlich auch nichts gewonnen)]).
Weitere: Booker T. Washington (USA, 1856-1915 - Pädagoge, Sozialreformer und Bürgerrechtle), John Langalibalele Dube (Südafrika, 1871-1946 - Philosoph, Literat, Theologe und Politiker), Leo [Viktor] Frobenius (Deutschland, 1873-1938 - Ethnologe/Afrikaforscher [bedeutend etwa für Senghor, Césaire, Du Bois]), Albert Schweitzer (Frankreich [lebte zeitweise in Gabun], 1875-1965 - Arzt, Philosoph, evangelischer Theologe und Musikwissenschaftler), Alain LeRoy Locke (USA, 1885-1954 - Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge), René Maran (Martinique [lebte in Frankreich], 1887-1960 - Schriftsteller), Chancellor Williams (USA, 1893-1992 - Historiker, Soziologe und Schriftsteller), Amadou Hampâté Bâ (Mali [verstorben in der Elfenbeinküste], 1900-1991 - Schriftsteller und Ethnologe), Alan [Stewart] Paton (1903-1988 - Schriftsteller und Politiker), Malek Bennabi (Algerien, 1905-1973 - Schriftsteller), Zaki Naguib Mahmoud (Ägypten, 1905-1993 - Philosoph), Nagib Mahfuz (Ägypten, 1911-2006 - Schriftsteller), Léon-Gontran Damas (Französisch-Guayana [lebte in Frankreich], 1912-1978 - Schriftsteller), Abdel Rahman Badawi (Ägypten, 1917-2002 - Philosoph und Schriftsteller), Yosef Ben-Jochannan (Äthiopien [lebte in den USA], 1918-2015 - Schriftsteller und Historiker), Janheinz Jahn (Deutschland, 1918-1973 - Schriftseller [sein Buch 'Muntu' wurde zu einer Art 'Bibel der Schwarzen' in den USA]), Amílcar Cabral (Portugiesisch-Guinea [heute: Guinea-Bissau, als Sohn kapverdischer Eltern - lebte auch in Guinea], 1924-1973 - Schriftsteller, Diplomat, Agrafwissenschaftler und Unabhängigkeitskämpfer), Mohammed Arkoun (Algerien [lebte in Frankreich], 1928-2010 - Philosoph und islamischer Gelehrter), Éduard Glissant (Martinique [lebte in Frankreich], 1928-2011 - Schriftsteller), Heinz Kimmerle (Deutschland, 1930-2016 - Philosoph), Okot p'Bitek (Uganda, 1931-1982 - Schriftsteller), Marcien Towa (Kamerun, 1931-2014 - Philosoph), John Mbiti (Kenia [lebte in der Schweiz], 1931-2019 - anglikanischer Priester und Religionsphilosoph), E.J. Alagoa (eigentlich: Chief Ebiegberi Joe Alagoa - Nigeria, geb. 1933 - Schriftsteller), Edward Said (Palästina [lebte in den USA], 1935-2003 - Literaturtheoretiker und -kritiker [bedeutender Vertreter der postkolonialen Theorie]), Ivan Van Sertima (Britisch-Guayana, 1935-2009 - Journalist und Essayist), Sophie Oluwole (Nigeria, 1935-2018 - Philosophin), Catherine Coquery-Vidrovitch (Frankreich, geb. 1935 - Historikerin), Peter Bodunrin (Nigeria, geb. 1936 - Philosoph), Théophile Obenga
(Rep. Kongo, geb. 1936 - Historiker, Linguist und Ägyptologe), Ayi Kwei Armah (Ghana, geb. 1939 - Schriftsteller), Hélène Cixous (Algerien [lebte in Frankreich], geb. 1937 - Philosophin), Wangari Maathai (Kenia, 1940-2011 - Politikerin), Thandika Mkandawire (Malawi, 1940-2020 - Ökonom), J.M. Coetzee
(Südafrika, geb. 1940 - Schriftsteller), John McDowell (Südafrika, geb. 1942 - Philosoph), Angela Davis (USA, geb. 1944 - Schriftstellerin und Feministin), Lucius Outlaw (USA, geb. 1944 - Rechtswissenschaftler), George Ayittey (Ghana, 1945-2022 - Ökonom) Mogobe Ramose (Südafrika, geb. 1947 - Philosoph), Rachida Triki (Tunesien, geb. 1949 - Philosophin, Kunsttheoretikerin und Ästhetikspezialistin), Élie Phambu Ngoma-Binda (DR Kongo, geb. 1951 - Philosoph, Politologe und Schriftsteller), Jacob K. Olupona
(Nigeria [lebt in den USA], geb. 1951 - Religionswissenschaftler), Tsenay Serequeberhan (Eritrea [lebt in den USA], geb. 1952), Mubabinge Bilolo (DR Kongo, geb. 1953 - Philosoph und Ägyptologe), Cornel West (USA, geb. 1953 - Theologe und Philosoph), Souleymane Bachir Diagne (Senegal, geb. 1955 - Philosoph), Jean-Godefroy Bidima (geb. 1958 - Philosoph), Amina Mama (Nigeria [nigerianischer Vater, britische Mutter], geb. 1958 - Schriftstellerin), Aminata Diaw (Senegal, 1959-2017 - Philosophin), Mark Dery (USA, geb. 1959 - Schriftsteller und Kulturkritiker [prägte den Begriff des Afrofuturismus]), Jacob E. Mabe (Kamerun, geb. 1959 - Politikwissenschaftler, Philosoph und Universalgelehrter), Lewis Gordon (USA, geb. 1962 - Philosoph), David Benatar (Südafrika, geb. 1966 - Philosoph), Anke Graness (Deutschland, geb. 1967 - Philosophin), Robin Walker (Grossbritannien, geb. 1967 - Schriftsteller und Historiker), Thaddeus Metz (USA [lebt in Südafrika], geb. 1968 - Philosoph und Schriftsteller), James Shikwati (Kenia, geb. 1979 - Ökonom), Chimamanda Ngozi Adichie (Nigeria, geb. 1977 - Schriftstellerin und Aktivistin), Nadia Yala Kisukidi (Belgien [kongolesischer Vater, franko-italienische Mutter], geb. 1978 - Schriftstellerin und Philosophin), Armand Ouandé Regnima (Elfenbeinküste, geb. 1981 - Philosoph), Mpho Tshivhase (Südafrika, geb. 1986 - Philosophin), Olúfemi O. Táíwò (USA, geb. 1990 - Philosoph). [ Africanpedia, Encyclopaedia Africana].
«Each generation thinks that the situation it faces is the most serious one, the most difficult one than that which was faced by generations of the past. However, this may be true today. I believe, when we say the task of this generation is burdensome, we mean it. Because of the progress mankind has achieved and because of the difficulties that are at times part and parcel of progress and prosperity, we find ourselves at a crossroad where we might make the world safe for our future generations or we might all perish together.» (Haile Selassie, to Lyndon B. Johnson, in the White House, 1967).
«Yet, this is the ultimatum presented to us: secure the conditions whereby men will entrust their security to a larger entity, or risk annihilation; persuade men that their salvation rests in the subordination of national and local interests to the interests of humanity, or endanger man's future. These are the objectives, yesterday unobtainable, today essential, which we must labor to achieve. Until this is accomplished, mankind's future remains hazardous and permanent peace a matter for speculation. There is no single magic formula, no one simple step, no words, whether written into the Organization's Charter or into a treaty between states, which can automatically guarantee to us what we seek. Peace is a day-to-day problem, the product of a multitude of events and judgements. Peace is not an "is", it is a "becoming." We cannot escape the dreadful possibility of catastrophe by miscalculation. [...] If we are to survive, this Organization must survive. To survive, it must be strengthened. Its executive must be vested with great authority. The means for the enforcement of its decisions must be fortified, and, if they do not exist, they must be devised. Procedures must be established to protect the small and the weak when threatened by the strong and the mighty. [...] And we must look into ourselves, into the depth of our souls. We must become something we have never been and for which our education and experience and environment have ill-prepared us. We must become bigger than we have been: more courageous, greater in spirit, larger in outlook. We must become members of a new race, overcoming petty prejudice, owing our ultimate allegiance not to nations but to our fellow men within the human community.» (Haile Selassie, to United Nations, 1963).
«As you are all no doubt aware, the beginning of the year 1960 has seen the climax of ruthless and concerted outrages on the peace-loving people of our continent. The explosion of an atomic device in the Sahara by the French Government and the wanton massacre just over a fortnight ago in the Union of South Africa of our brothers and sisters who were engaged in peaceful demonstrations against humiliating and repulsive laws of the South African Government, are two eloquent events in this climax, which is a sign-post to the beginning of the end of foreign supremacy and domination in Africa. [...] Let us remember that the poisonous fall-out did not, and never will respect the arbitrary and artificial divisions forged by colonialism across our beloved continent. In my view, therefore, this conference ought to consider the setting up of a training center where volunteers would learn the essential disciplines of concerted positive action. Such an establishment might also become the center for such needed research into the philosophy and technique of positive action which, in the age of nuclear madness and apartheid arrogance, offers the greatest single hope for peace, security and brotherhood among mankind. [...] We in Africa wish to live and develop. We are not freeing ourselves from centuries of imperialism and colonialism only to be maimed and destroyed by nuclear weapons. We do not threaten anyone and we renounce the foul weapons that threaten the very existence of life on this planet. Rather we put our trust in the awakening conscience of mankind which rejects this primitive barbarism, and believe firmly in positive nonviolent action. [...] The cardinal principle upon which the peace and security of this continent depends, is the firm insistence that Africa is not an extension of Europe or of any other continent. A corollary of this principle is the resolution that Africa is not going to become a cockpit of the Cold War, or a marshalling ground for attack on either West or East, nor is it going to be an arena for fighting out the East-West conflict. In this particular sense, we face neither East nor West: we face forward. We welcome men of goodwill everywhere to join us, irrespective of their race, religion or nationality. [...] So dear is this African unity to our hearts, that in our proposed republican constitution a definite provision has been incorporated by a concrete proposal that Ghana's sovereignty should be surrendered in whole or in part as a contribution towards the attainment of the great objective. Fellow Africans: permit me the liberty of stating in categorical terms that the greatness of this objective so transcends all other purposes and its sublimity is so profound, that it behooves each and everyone in the leadership of this struggle to endeavor to subdue his own little interests, his individual pride and ego and other petty considerations which merely serve to create needless obstacles in our path. The overriding importance of African unity demands the sacrifice of all personal, tribal and regional objectives and considerations.» (Kwame Nkrumah, Speech 'Against Nuclear Imperialism', on the occasion of the Positive Action Conference for Peace and Security in Africa, in Accra [Ghana], 1960).
(Die Zeit, in der Afrika gesprochen hat. Und warum sprachen eigentlich viele damalige afrikanische Führer, von denen, die nicht wie Diktatoren gesprochen haben, wie Philosophen (und gerade in den grössten Kulturnationen*)? Weil es die intellektuelle Basis und Auseinandersetzung vorher nicht mehr gegeben hatte, und weil dies ein Teil des Befreiungsprozesses war, und weil dies neu erfunden werden musste. Die Einheit Afrikas, in der Konsequenz, wie Nkrumah sie forderte, mag heute nicht mehr realistisch erscheinen, und doch bleibt eine bessere, grössere und stärkere Einigung weiterhin in der Diskussion. Afrika steht diesbezüglich in der gleichen Situation wie Europa heute: die einzelnen Nationen vermögen wenig bis gar nichts in der Welt, aber der Kontinent könnte etwas erreichen. Das ist es eigentlich, was Nkrumah hier meinte. Wir sollten auch daran denken, dass in der Zukunft noch mehr Chaos in der Welt sein könnte, dass aber die Ordnung - und das heisst: die Vereinigung und Ausrichtung der Kräfte - immer stärker ist als das Chaos. Die heutigen Supermächte zeigen, durch ihre Geschichte: dass denjenigen die Zukunft gehört, welche das Rennen um die Integration gewinnen [dass die dabei gemachten Fehler eine Hypothek für die Zukunft sind, ist ebenso klar (das sieht man u.a. im heutigen Europa)]. Das gilt - notabene - auch für die Menschheit als Ganzes: hier gibt es kein Rennen um die Integration, sondern nur eine allgemeine Frage - ja oder nein? Diese Frage wird mindestens über die Qualität, wenn nicht sogar über die Existenz der zukünftigen Menschheit entscheiden.)
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