Die Erklärung meiner Philosophie
Zum Einstieg. So kurz und knapp hast du die (gesamte) Kulturgeschichte noch nie erklärt bekommen. Ohne Esoterik, Hinter- und Abgründe - nur das Wesentliche der Kultur.
Meine Kleine Kulturgeschichte. [Altertum: Mose (das Gesetz [Thora]) und Buddha (das Verwehen [Nirwana]).] Antike (Philosophie): Drei verschiedene Ethikgrundsätze: 1. Das Ganze (bzw. das Sein - Parmenides), 2. Das Gute (Platon), 3. Die Mitte (Aristoteles, analog: Konfuzius). Mittelalter (Theologie): Markus-Evangelium (Urevangelium) + Drei Kernsätze (1. Ihr seid das Licht [Mt 5,14 - so schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei (Lk 11,35)], 2. Das Reich Gottes ist mitten unter euch [Lk 17,21], 3. Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! [Off 22,21 - letzter Satz des Neuen Testaments der Bibel]). Neuzeit (Wissenschaft): Renaissance-Humanismus sowie Wissenschaft durch Empirismus (mit der experimentellen Methodik) und Rationalismus (mit der mathematischen Beweisführung). Moderne (Politik): Liberalismus/Aufklärung und Sozialdemokratie + Ökologie. Heute: Wake up! Cool down. So what?
Allgemeine Lektüre-Empfehlungen zur Philosophiegeschichte (für diejenigen, die sich etwas tiefer mit der Philosophiegeschichte beschäftigen möchten). Ich empfehle hier nicht einzelne Werke von einzelnen Philosophen, sondern - v.a. für Einsteiger - Bücher zur Philosophiegeschichte: 1. dtv-Atlas zur Philosophie (kurz, übersichtlich), 2. Weischedel und/oder Spierling (biografisch, kurz), 3. Russell, Höffe und/oder Hirt (je relativ kurz und bündig) oder auch Helferich oder Störig (ein kleines bisschen ausführlicher).
Ich habe mein eigenes philosophisches System begründet, weil ich - als ich mich für Philosophie zu interessieren begann - in der zeitgenössischen (universitären) Philosophie, der ich aus verschiedenen Gründen, kritisch gegenüberstehe, keinen Halt gefunden habe (auch in der Wissenschaft nicht, die - v.a. in der Astrophysik [aber teils auch in der subatomaren Teilchenphysik] - eine immer groteskere und dunklere Form annimmt heute [Dunkle Materie, Schwarze Löcher, Ende des Universums, Paralleluniversen, Aliens, usw. usf., etc. etc., und nichts von alledem ist wirklich bewiesen (wie es in der Wissenschaft ja eigentlich sein sollte, die ja eigentlich weder ein Fantasygebäude, noch eine rein mathematische Matrix, welche sich völlig von der realen Grundlage entfernt hat, sein sollte; zu viel Spekulation in der Wissenschaft bedeutet vielleicht eben auch, dass es wieder Zeit ist für (wahre) Philosophie - nicht dass sie die Wissenschaft ersetzen sollte, sondern: dass sie der Wissenschaft helfen sollte, auf das nächste Level zu kommen]). Ich nehme an, dass die ganze Verdunklung der Kultur in dieser Zeit zu tun hat mit dieser heutigen Pseudowissenschaft (die über alle Ränder hinausdenkt, ohne mehr zu einem vernünftigen Nenner zu finden, und gleichzeitig die Frage nach einer Übertechnisierung und einem Verlust der menschlichen Kultur aufwirft [bei dem allem wissen wir noch überhaupt gar nicht, was das Universum eigentlich ist, wir wissen nicht, wie das Leben genau entstanden ist, und wir haben eigentlich noch immer - d.h. auch nach über 400 Jahren Wissenschaft noch - genug Mühe damit, uns als Menschen und Menschheit einigermassen selber im Griff zu haben; es ist also überhaupt nicht so, dass wir alles wüssten und/oder könnten]).
Meine Philosophie in der kürzest möglichen Form dargestellt.
Das Grundsystem: (Modul 3.0: 'Systematik vom [Da-] Sein' - ein sogenanntes Schichtenmodell, mit fünf Dimensionen): (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken, Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln). (Anmerkung: das Glauben ist hier nicht bloss religiös gemeint, sondern allgemein. Philosophische und psychologische Schichtenmodelle** sind bekannt etwa von Aristoteles, Bovillus, Hartmann oder Gebser.) Das Modell der Weltstruktur (Modul 2.0: 'Die einfache Erkenntnis der zweifachen Dreifachheit'): Sein (Ebene vom reinen Sein [philosophisch bzw. ontologisch]) - Raum / Zeit (Ebene vom Da-Sein [wissenschaftstheoretisch]) - Materie (verdichtete Energie) / Feld (-Energie) / (Freie) Energie (Ebene vom Bewusst-Sein [wissenschaftlich bzw. physikalisch]). Zwischen den drei Ebenen liegen die Wirkung und die Ordnung als initiierende Faktoren. Das Bewusst-Sein meint hier nicht nur das menschliche Bewusst-Sein, sondern bereits sehr frühe Formen von Orientierung, Konzentration und Koordination (welches nach mir die Faktoren des Bewusstseins sind). Der Begriff des Urprozesses (Modul 1.0): Sein - Gott - Schöpfung - Natur - Welt. (Ich verwende einen Urprozess statt einen Urgrund - in diesem läuft quasi alles gleichzeitig ab [es handelt sich hier nicht um die Ausprägung dieser Begriffe, sondern bloss um deren Initiation] - die Begriffe können letztlich gleichgesetzt werden [dies kann man ableiten von Thomas von Aquino, Plotin, Spinoza und anderen]. In einer unreligiösen Form verwende man bloss den ersten, vierten und fünften Begriff.) Die Ewigen Menschheitsziele: Wirtschaftsproduktivität, Sozialgerechtigkeit, Umweltverträglichkeit. (Leitet sich ab aus der fünften (d.h. der letzten) Ebene der fünften Dimension der Systematik vom [Da-] Sein. Diese besteht in einer ausgebauten Variante aus fünf Dimensionen, 25 Ebenen und 55 Faktoren [das ist publiziert in meinem ersten Buch (Postmoderne Ontologie, 2003), wenngleich noch ohne eigentliche Spezifizierung der Ewigen Menschheitsziele].)
** Der aktuelle Wikipediaeintrag zur 'Schichtenlehre' ist falsch, wonach Parmenides behauptet habe, das Sein sei einheitlich, und die Schichtenmodelle würden dagegen zeigen, dass das Sein nicht einheitlich sei. Denn erstens hat Parmenides von zwei Dingen gesprochen: vom Seienden und von den menschlichen Meinungen darüber (die Begriffe vom Seienden als solchem [ich vermute bedeutend bei Platon und Aristoteles, evtl. schon bei Protagoras (welcher auch den Begriff vom Nichtseienden einführte, welchen Parmenides ausdrücklich vermied)] oder vom Sein [an sich - ich vermute bedeutend bei Hegel, jedenfalls erst in der deutschen Ontologie*] tritt erst später auf [noch das bekannte Büchlein 'Über das Seiende und das Wesen' von Thomas von Aquino spricht im späteren Mittelalter vom 'Seienden', nicht vom 'Sein']), zweitens bedeutet die Schichtisierung nicht, dass das Ganze nicht auch einen festen Zusammenhalt hätte (der Gedankengang in der Wikipedia entspricht der wissenschaftliche Methode der Widerspruchslosigkeit - so kann man aber metaphysische Fragen nicht behandeln). Es stimmt übrigens auch in keiner Weise, dass Parmenides (im Gegensatz zu Heraklit) gesagt hätte, dass das Seiende nicht bewegt sei (er sprach vom Ganzen, welches unbewegt sei - dazu sagen einige heute, dass man bewiesen habe, dass das Universum sich bewege: das mag sein, aber es bleibt scheinbar doch als Ganzes auch irgendwie zusammen und unverändert [und daher sind beide Ansichten richtig: es ist bewegt und unverändert]). Parmenides wird sehr oft sehr grundsätzlich missverstanden. Es führt auch der Titel des Buches 'Über das Sein' von Parmenides in die Irre, denn die alten Werke der Philosophie hatten gar keine Titel, daher wurden sie alle später zuerst bloss als 'Über die Natur' betitelt (d.h. Naturphilosophie). Bei Parmenides führte man zusätzlich den falschen Titel 'Über das Sein' ein (er hat - wie gesagt - diesen Begriff gar nicht verwendet). Die Philosophie ist voller solcher und ähnlicher Fehler, die man erst bemerkt, wenn man sich tiefer mit der ganzen Materie auseinandersetzt. (Es hat meist keinen Sinn, solche Fehler zu korrigieren, da sie tief im Verständnis der universitären Philosophie eingefleischt sind.)
* Sartre löste in der französischen Philosophie diesen deutschen Begriff vom 'Sein' (an sich) dann wieder auf und sprach vom Sein an sich, für sich und für andere. All solches kann man dann auch als Seinsgewörtel bezeichnen (herrlich - oder eben nicht - zelebriert bei Heidegger, natürlich [künstlerisch: gelungen, philosophisch nicht ganz immer; seit Schopenhauer und Nietzsche hat die Kunst einen zu hohen Stellenwert in der Philosophie]). Für mich ist und bleibt das Sein der (bedeutendste) Urgrund in der Philosophie (ohne welchen nichts sein kann - ich fasse das Sein als [Grund-] Eigenschaft von allem Seienden auf [dagegen alles weitere als Wesen (was man hat bzw. was die Dinge haben)]).
[Diese kurzen Erklärungen zum Seinsbegriff finde ich hier notwendig. Es ist halt so, dass man in der Philosophie sofort immer wieder vom einen zum anderen kommt und ständig in Gefahr ist, herumzufabulieren. Das möchte ich hier nicht tun, daher nur dies - kurz - zu diesem Begriff.]
Wie sind die Module miteinander verknüpft? Modul 3.0 ist - wie gesagt - das Grund- oder Hauptsystem. Modul 2.0 erklärt den Zusammenhang von der philosophischen und der physikalischen Welt (oder die Entwicklung vom Sein zum Da-Sein und Bewusst-Sein). Modul 3.0 ist eine weiterführende Beschreibung des Urgrundes als Urprozess (was zeigen soll, was im Innersten der Welt der Fall ist [nach meiner Philosophie, wohlverstanden]).
Derzeit arbeite ich an der Dekonstruktion meiner Philosophie. Dekonstruktion bedeutet nicht Destruktion. Die Konstruktion bleibt als solche bestehen, aber sie ist gleichsam auch wiederum dekonstruiert. Die Dekonstruktion ist ein Faktor der zeitgenössischen (genauer: der poststrukturalistischen) Philosophie. Ich zahle demnach meinen Tribut an die zeitgenössische Philosophie, welche die Ausarbeitung eines grösseren Systems eigentlich nicht mehr vorsieht. Manchmal heisst es sogar, Hegel sei im 18./19. Jahrhundert der letzte grosse philosophische Systematiker gewesen (ich habe zwar im 20. Jahrhundert noch welche gefunden - etwa Hartmann oder auch Gebser - aber diese standen nicht im Vordergrund der universitären Philosophie). Ebenfalls ist es sogar in der gesamten neuzeitlichen Philosophie unüblich, dass jemand ohne universitären Abschluss angibt, bedeutende Philosophie zu machen. Es gibt nur wenige Beispiele dazu, etwa Spinoza, Voltaire, Rousseau, Saint-Simon oder Mill (ein recht illustres Grüppchen freilich - ich bin ein universitärer Sonderfall, der zwar an der Universität war, aber das Studium [der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften] nicht abgeschlossen hat [ich kenne keinen anderen Philosophen, bei welchem dies der Fall wäre, ausser dem Schriftsteller Dürrenmatt, welcher Philosophie studiert hat - auffallend gross ist die Zahl von Studienabbrechern bei den heutigen Techmilliardären (etwa Gates, Jobs, Zuckerberg, Ellison, Branson u.a. [Page hat ein Bachelorstudium abgeschlossen, aber sein Masterstudium abgebrochen, Musk hat sein Studium abgeschlossen, aber das Doktorat abgebrochen] - die sind also ins Geld gegangen, während ich in den Geist gegangen bin [hätte ich das nur vorher gewusst (hahaha!)])]). [Mehr dazu folgt.]
Relativierungen und Revidierungen. Es gibt drei Dinge, die ich dazu anführen möchte. Ich muss die gesamte Esoterik in meinen Büchern revidieren. Die Gedanken, welche ich zu kommenden religiösen Figuren gemacht habe, aus esoterischen Erwägungen heraus, sind entstanden aus dem Einfluss der Esoterik von Autoren wie Rudolf Steiner, Benjamin Creme und anderen, wie auch etwa dem Philosophen Charles W. Morris und dessen Thema der Weltreligion. Einer solchen Esoterik kann man vorwerfen, dass sie zu spekulativ ist - das ergibt sich alleine schon daraus, dass praktisch alle unsere Gedanken zur Zukunft bloss spekulativ sein können (bzw. noch spekulativer als es die Philosophie sowieso schon ist). Ein zweiter Punkt, den ich revidieren muss, ist meine Forderung nach der Ausrichtung der Wissenschaft - wonach die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften soziologisch, die Natur-, Technik- und Ökowissenschaften ökologisch auszurichten seien. Die Philosophie kann keine solche Forderung an die Wissenschaft stellen, sie kann überhaupt keine Forderungen an die Wissenschaft stellen. Die Religion ist verrückt (in einem positiven wie in einem negativen Sinn), die Wissenschaft ist frei (dito) - das muss die Philosophie akzeptieren. Das heisst nicht, dass sie sich keine Gedanken zu diesen Bereichen machen kann, aber die Wirkung der Philosophie ist beschränkt, und sie sollte sich v.a. auf sich selber konzentrieren. Und ewigen Menschheitsziele, welche ich auf die Wissenschaft übertragen habe, um dieser eine Ausrichtung zu geben, kann ich nur - aber immerhin - in der Philosophie behaupten. Ich habe mich daher wieder zurückgezogen auf die reine Philosophie, von welcher ich ausgegangen war - aber es war interessant diesen Lernprozess zu machen. Der dritte Punkt, welchen ich nicht revidieren, aber relativieren möchte, ist die Idee von der Weltregierung - auch hierzu gibt es bedeutende Bezüge etwa bei Albert Einstein, Haile Selassie, Garry Davis und anderen (in der Entstehung der Idee sind auch etwa Charles-Irénée Castel de Saint-Pierre und Immanuel Kant zu nennen - im Buch "World Government, ready or not!" [1984] führte Davis im Abschnitt 'Statements of Heads of State Concerning World Order/Law' Zitate aus Reden zu diesem Thema an, speziell von 35 Spitzenpolitikern aus den Jahren zwischen 1963 und 1965 [dem vorausgegangen ist weltpolitisch die Kubakrise (1962), welche als grösste Krise im Kalten Krieg gilt (in welcher die Welt stärker als je sonst von einem Dritten Weltkrieg bedroht gewesen sein soll). Ich habe auch das also weder erfunden, noch irgendwie aus dem luftleeren Raum gezogen. Die Kritik hierzu betrifft eher die Zeit als die Idee. Ich sehe eine Weltregierung nicht als Prinzip von oben herab, sondern in Kombination mit der Direkten Demokratie. So dass von oben her eine Weltregierung wirken würde und von unten her die Direkte Demokratie. In einem System, in welchem es auf jeder Ebene der Politik eine entsprechende Regierung geben würde, die für diese Ebene zuständig ist (lokal, regional, national, kontinental, global [wobei ich gesagt habe, dass ein EU-Beitritt der Schweiz eigentlich nur Sinn macht, wenn sie einen Sonderstatus zum Schutz der Direkten Demokratie dabei erhält]). Derzeit ist die Welt demokratisch wohl noch zu wenig gut aufgestellt, und im Gegenteil sprechen wir ja heute sogar von einer Krise in der Demokratie. Das sind keine guten Voraussetzungen für eine faire Weltregierung. Und ich wüsste auch nicht, wer das heute zustandebringen sollte (Die Grossen? Die Kleinen? Alle? Jemand anderes?). Ich betrachte dies durchaus nachwievor als brauchbare philosophische Idee, aber ich zweifle sehr daran, dass unsere Zeit reif ist für die Umsetzung einer solchen Idee. Daher kann es gut sein, dass man sich vorerst noch anders behelfen muss in der Weltpolitik, und dass dies vielleicht eine Idee erst für eine spätere Zeit ist.
Es gibt keine wissenschaftliche Philosophie, es gibt keine religiöse Wissenschaft, und es gibt keine philosophische Religion. Aber: es gibt keine wahre Religion ohne Vernunft, es gibt keine wahre Philosophie ohne Verstand, und es gibt keine wahre Wissenschaft ohne Gewissen. In der Wissenschaft geht es um Wahrheit, in der Philosophie geht es um Weisheit, in der Religion geht es um Wund(er)heit und Verwunderung (der Mensch trägt eine gewisse Urentfremdung gegenüber der Welt in sich, welche durch die Religion aufgehoben werden soll [ganz zu schweigen von den ganzen Verwundungen, welche im Leben geschehen] - dies zumindest entspricht der religiösen Theorie [im Animismus findet eine (Wieder-) Verbindung (v.a.) mit der (natürlichen) Umgebung statt, im Polytheismus werden die animistischen Kräfte zu Gottheiten (die sowohl natürlichen wie auch kulturellen Phänomen entsprechen können), im Monothismus werden die Gottheiten zu einem einzigen, einem einenden und vereinenden Gott (wiederum: in der religiösen Theorie)]). Dies sind drei ganz verschiedene Ausgangspunkte, welche wir berücksichtigen müssen, wenn wir von diesen Bereichen sprechen. Die spätmodernen Begriffe von Fake News, Post Truth und Weak Thought wenden sich damit primär gegen die Wissenschaft (für alle, die das noch nicht wissen).
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Und... ein paar weitere, aktuelle philosophische Texte (hier geht es dann schon wieder ein bisschen mehr ins philosophische Detail - ich finde aber, dass ich diese Texte hier auch bringen muss, wenn ich schon so viel in die Philosophie investieren habe [schliesslich wollen wir ja den Menschen weiterbringen, oder wir versuchen das zumindest]).
Von der Wissenschaft der Gerechtigkeit. Ich habe herausgefunden, wie man die Welt tatsächlich verbessern kann. Die Religion macht keine Fortschritte, die Philosophie ist auf Abwegen, die Wissenschaft entwickelt keine Ethik (oder doch?). Es ist wohl so, dass die heutige Veränderung noch immer wesentlich über die Wissenschaft geht (die heutigen Menschen glauben auch der Wissenschaft längst nicht mehr alles, aber die Wissenschaft geniesst doch noch immer die höchste Glaubwürdigkeit [gegenüber etwa der Philosophie oder der Religion (und das natürlich je nicht ohne Grund - die Philosophie hat es mit der Kritik übertrieben, die Religion mit der Absolution, und beide zeigen derzeit wenig Einsicht zur Nachbesserung, während die Wissenschaft doch flexibel genug ist, um auch eigene Fehler der Technik zu anerkennen)]). Wir müssen beweisen, dass Ungerechtigkeit schädlich ist. Dann können - oder müssen - wir das Thema der Sozialgerechtigkeit angehen. Nachdem ich diesen Gedanken hatte, ging ich im Web auf die (Google-) Suche nach 'Ungerechtigkeit bei Tieren' (da ich in den Sozialen Medien schon private Videos - v.a. auf TikTok - gesehen habe, in welchen Hunde auf Ungerechtigkeit recht heftig [auf ihre Besitzer und Besitzerinnen] reagiert haben: vom Anschauen mit grossen Augen über das Anknurren bis zu einem kleinen spielerischen Angriff [bei grösseren Hunden - dass Hunde weggehen, habe ich nicht gesehen, in diesem privaten Umfeld, sie haben immer reagiert]). Und ich wurde fündig und habe ein interessantes (Youtube-) Video zu diesem Thema gefunden. Wie weit ist eigentlich die (Un-) Gerechtigkeitsforschung? Das kann man sehr genau sagen.
«Wölfe und auch Hunde haben einen Sinn für Gerechtigkeit. ForscherInnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben das an den Wölfen im Forschungszentrum Ernstbrunn nachgewiesen. In Versuchen hat sich gezeigt: wenn sich Wölfe ungerecht behandelt fühlen, dann arbeiten sie mit Trainern nicht mehr zusammen. Zwei Wölfe im benachbarten Gehegen. Beide führen das gleiche Experiment durch. Sie drücken einen Knopf. Aber nur einer erhält dafür ein Stück Fleisch, der andere geht leer aus. Die ganze Zeit können sich die Tiere gegenseitig beobachten Sie sehen, dass sie die gleiche Leistung erbringen aber unterschiedliche Belohnungen dafür erhalten. Im Versuch zeigt sich: der benachteiligte Wolf weigert sich daraufhin weiter mit der Trainerin zusammenzuarbeiten. Einmal geht der Widerstand gegen die Ungerechtigkeit sogar so weit, dass das Tier die Versuchsanordnung zerstört. 'Meistens gehen sie aber einfach weg. Manche Knurren ihren Partner im anderen Gehege auch an, aber im allgemeinen entfernen Sie sich von der Situation. Ich denke, das ist für sie der einfachste Weg, die Enttäuschung zu beenden.' 17 Wölfe in sechs Rudeln leben hier im Woolf Science Center im niederösterreichischen Ernstbrunn. Ihre Rangordnung spielt bei dem Versuch eine wichtige Rolle. 'Wir haben herausgefunden dass die Reaktion auf die Ungerechtigkeit umso stärker ist, je dominanter der Wolf seinem Partner gegenüber ist. Ihre Beziehung innerhalb der Hierarchie hat also eine klare Auswirkung darauf, wie sehr sie die Ungerechtigkeit gegenüber ihrem Partner stört.' Auch die Hunde im Forschungszentrum haben ganz ähnlich auf die ungerechte Belohnung reagiert. Bei Ratten und Raben ist ein solches Verhalten bereits bekannt. Bei Wölfen ist es nun zum ersten Mal nachgewiesen worden. 'Bei Primaten gibt es die Theorie, dass Widerstand gegen Ungerechtigkeit sich gemeinsam mit der Kooperation entwickelt hat. Man erkennt, ob der jeweilige Partner ein guter kooperativer Partner ist und nicht zu viel für sich beansprucht. Vielleicht hat sich das auch bei den Wölfen gemeinsam mit der Kooperation mit ihren Artgenossen entwickelt.' Wenn im Nachbargehege kein anderer Wolf ist, der für die gleiche Aufgabe belohnt wird, machen die Tiere den Versuch jedenfalls deutlich länger mit. Auch ohne Fleisch als Belohnung.» [V - ORF, Juni 2017].
Natürlich ist die Situation beim Menschen noch etwas komplexer, und sie kann auch je nach verschiedenen Umständen sehr verschieden sein, aber trotzdem geben diese ersten allgemeinen Versuche einen guten Anhaltspunkt. Auch Tiere haben ein Gerechtigkeitsempfinden, und sie reagieren physisch auf Ungerechtigkeit. Wenn die Tiere ein Ungerechtigkeitsempfinden haben, werden sie auch in Gruppen darauf reagieren. Wieso ist das bei Menschen wenig bis gar nicht der Fall? Müssen wir am Ende noch von den Tieren lernen, um unser hohles Geschwä>;tz zu überwinden und zu sehen, was Sache ist? Ich glaube auch, dass sich bei Tieren die Gruppe sehr viel rascher und klarer gegen ein ungerechtes Leittier stellen, als dies bei den Menschen der Fall ist. Freilich ist das Gerechtigkeitsthema ein Bestandteil der Philosophie seit der Antike (vorab bei Platon [Gerechtigkeit als höchste menschliche Tugend], aber auch bei Aristoteles und Konfuzius [Tugend, die auf die Mitte zielt]). Es ist schon irgendwie speziell, dass sie selbst zu diesem Thema Tierversuche machen müssen, aber die Wissenschaft will eben alles ganz genau wissen und beweisen können. Freilich: die menschlichen Umstände sind eben ein bisschen komplexer... Gut immerhin, dass sie heute damit anfangen...
In der Wikipedia habe ich einen Eintrag gefunden zum Thema Gerechtigkeitsforschung (hier übersetzt als 'Social Justice Research'). Weiter steht da: «Im Gegensatz zu den analytischen Gerechtigkeitstheorien der Philosophie und der politischen Theorie macht die Gerechtigkeitsforschung keine Aussagen darüber, was unter Gerechtigkeit verstanden werden soll, sondern in ihr wird mit empirischen Erhebungen untersucht, was die Menschen über Gerechtigkeit denken und wie sie die gegebenen Verhältnisse in Hinblick auf ihre Gerechtigkeitsvorstellung beurteilen.» Man scheint hier also zu etwas zu forschen, wozu man gar keinen eigentlichen Begriff hat - das wird sicher gute und nachhaltige Resultate bringen (Vorsicht: Satire). Was heisst Gerechtigkeit denn überhaupt? Letztlich doch nichts anderes, als dass jeder/jede zu seinem/ihrem Recht kommen kann. Das ist Gerechtigkeit (sie definiert sich logischerweise über das Recht [welches, wie ich meine, nach dem [schwierigen!] bürgerlichen Credo von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit an- und ausgelegt werden sollte]). Angeführt werden zu diesem Thema die Theorie der kognitiven Dissonanz von Leon Festinger (Sozialpsychologe) in den 1950-er Jahren und dessen soziale Vergleichstheorie sowie das Konzept der Verteilungsgerechtigkeit von George C. Homans (Soziologe) - ferner etwa die die Equity-Theorie von J. Stacy Adams (Sozialpsychologe - dieser wird im Zusammenhang genannt mit der distributiven Gerechtigkeit von Aristoteles; weitere Namen, welche da erwähnt werden, sind etwa Lerner, Leventhal, Elster oder Bourdieau). Das scheint alles sehr stark auf wirtschaftlichen und sozialistischen Überlegungen zu beruhen - das ist jedoch noch lange nicht eine umfassende Theorie und/oder Wissenschaft der Gerechtigkeit.
Die Kritik der Philosophie. Dass bei mir das Positive in der Philosophie überwiegt, ist klar - sonst wäre ich ja nicht Philosoph (oder?). Aber lasst es uns deutlich sagen: es sind auch sehr viele Dinge in der Philosophie, die schwierig bis gefährlich sind. Ich glaube, wir müssen das sagen, in einer Zeit, in welcher sich immer mehr Leute mit Philosophie beschäftigen, durch das Internet (aber eben nicht unbedingt tief und nachhaltig, sondern so wie man es gerade aufschnappt und wie es einem gerade gefällt). Was gibt es denn für Probleme in und mit der Philosophie? Erstens: Man kann kann sich leicht in der Vielfalt aller bisherigen Zeiten verlieren, oder schon nur in den Kontroversen der Gegenwart. Das muss man wissen, wenn man sich für Philosophie interessiert. Wenn man also philosophische Erfahrungen macht, sollte man nie ausser Acht lassen, dass es auch viele andere Erfahrungen mit Philosophie gibt. Ich schlage daher immer vor, mit Werken zur Philosophiegeschichte zu beginnen, um zuerst einmal einen allgemeinen Überblick zu bekommen (ich habe das auch so gemacht). Zweitens: Das Problem der Ideologisierung. Die politischen Ideologien kommen aus der Philosophie, und dazu noch sehr viele andere Ideologien ebenfalls. Das sind aber alles Ideologien der Vergangenheit, die entsprechend bewertet werden müssen. Sie haben immer noch eine gewisse Bedeutung, aber sie sind nicht mehr so frisch, wie sie damals einst waren (das gilt für alle Ideologien). Drittens: Die Zeitanalyse. Man muss die Philosophie aus der Zeit heraus betrachten, aus welcher sie stammt. Wenn jemand z.B. die Vorstellungen von Platons idealem Staat 1:1 auf die heutige Zeit überträgt, ohne darauf hinzuweisen, dass viele das heute als Proto-Faschismus bezeichnen, dann geht das nicht. Es gab gewisse Gründe dafür, warum Platon das damals gut fand, als Idee, und wieso wir das heute kritischer bewerten. Und das ist in allem so - in der Philosophie und überhaupt in der Kulturgeschichte. Ich trenne die Idee Platons vom Guten (in seiner Ideenlehre) von dem, was er selber (und persönlich) als das Gute betrachtet hat. Viertens: Die Fehler in der Philosophie. Ich habe oben hingewiesen auf das Problem mit Parmenides und Heraklit, aber es gibt viele andere tradierte Dinge in der Philosophiegeschichte, die zu hinterfragen sind. Was mir besonders auch aufgefallen ist, das ist die häufige begriffliche Verwechslung von Seele und Geist oder von Verstand und Vernunft (bis in die heutige Zeit hinein). Ich kann da leider nicht auf alles eingehen. Das merkt man alles erst, wenn man sich intensiver mit der Philosophie beschäftigt, und viele merken es nicht einmal dann. Fünftens: Der Rassismus. Das ist der dunkelste Punkt überhaupt, und es tut mir schon weh, überhaupt nur davon zu sprechen. Wir können davon ausgehen, dass die gesamte Philosophie, bis ins 20. Jahrhundert hinein, teils, von reinem Rassismus durchzogen ist (und das gibt es nicht nur in der westlichen Philosophie, sondenr auch - wenn vielleicht etwas weniger - in der asiatischen und arabischen Philosophie). Rassismus, Antisemitismus und/oder Frauenfeindlichkeit ist weit verbreitet in der Philosophiegeschichte (ich habe tatsächlich einmal eine Liste von Philosophen aufgestellt, die sich gegenüber diesen Punkten verteidigen müssten, und es war am Ende gar nicht mehr die Frage, wer denn auf dieser Liste draufsteht, sondern wer da nicht draufsteht [nur ganz wenige!]). Wir können heute fast nur noch dazu sagen: das waren halt die früheren Zeiten - aber das macht es nicht weniger traurig. Man muss auch wissen, dass die Philosophie eine elitäre Sache ist - was ihr auch von vielen heute (zurecht) vorgeworfen wird. Es gibt fast nur einen der sehr berümten Menschen in der ganzen Kulturgeschichte, der nicht von oben herkam, sondern von unten her, und selbst er hat den Hochgott verehrt (allerdings auf seine ganz eigene und sehr interessante Art und Weise). Dreimal darf man raten, wer es war - natürlich Jesus Christus, der Sohn von einem Zimmermann (was er auch selber war, bevor er auf seine grosse Predigertour ging, die ihn schliesslich ans Kreuz brachte [eine ähnliche Geschichte wird allerdings interessanterweise von Sokrates erzählt: sein Vater war Steinmetz, seine Mutter Hebamme; er verwickelte die Leute auf der Strasse in philosophische Gespräche und bekam dann von der Gesellschaft bzw. von der Regierung den Schierlingsbecher serviert - dabei fragt es sich, ob es Sokrates überhaupt gegeben hat, denn seine Aussagen sind praktisch identisch mit jenen von Platon (ist der vielleicht nur eine Idee von Platon, der auch sonst recht kreative und erfinderische Ideen hatte, z.B. von der geheimnisvollen und sagenumwobenen Insel Atlantis und anderen Dingen?)]). Wir sehen, die Philosophie ist sehr interessant, ein bisschen geheimnisvoll, oft recht umstritten und immer wieder (neu) zu bedenken. Wer sich dem stellen möchte, sollte das unbedingt tun - in welchem Umfang auch immer (man kann einmal den dtv-atlas der Philosophie lesen und dann einfach dies und das aufschnappen, oder man kann auch sehr tief in die Materie eindringen (wie man will). Man sollte auch nicht erstaunt sein, dass man dann auf sehr viele sehr seltsame (und auf verschiedene Art und Weise seltsame) Menschen trifft - die fast alle wenig bis gar nichts mit dem stereotypen Bild zu tun haben, welches landläufig als allgemeine Vorstellung von einem Philosophen (oder einer Philosophin) vorhanden ist (alle diese Leute waren nicht nur sehr unterschiedliche Charaktere, sondern sie hatten auch einen recht unterschiedlichen Schreibstil etwa und auch sehr divergente und eigentümliche Vorstellungen - das erwarten die meisten heutigen Leute, die wissenschaftlich geprägt sind, nicht, aber es ist so). Nachdem ich - sehr mutig - die negativen Dinge der Philosophie angeführt habe (jedenfalls einige davon), möchte ich nun auch die positiven Dinge noch ein bisschen herausstellen. Erstens: Die Philosophie ist für mich jener Bereich, welcher als einziger einen gewissen Einblick in alles und Überblick zu allem liefern kann. Es ist die Disziplin der Zusammenhänge, und der ersten und letzten Fragen (und der Systemfragen). Und daher können wir auch nicht auf sie verzichten. Zweitens: Die Philosophie ist fast von allem der Urheber oder zumindest der Mitgestalter, was unsere heutige Zeit und Gesellschaft ausmacht (das geht etwa von der Wissenschaftstheorie über die Begründung der Marktwirtschaft und das Demokratieverständnis bis zu den Vereinten Nationen [und einer Weltregierung] - und weit darüber hinaus). Das heisst: wer die heutige Zeit verstehen will, der kann das nur über die Philosophie erreichen - und die ganze heutige Kulturkritik kommt natürlich... ebenfalls aus der Philosophie heraus. Drittens: die Philosophie hat die Menschen immer wieder aus dem grössten Schlamassel herausgebracht (z.B. in der Antike aus dem Schlamassel des polytheistischen Glaubens und seines Problems mit der Moral, oder im Mittelalter durch den Christus, in dem viel mehr Philosophie steckt, als man gemeinhin [oder auch kirchlich] glaubt [Pastor Lockridge bezeichnete ihn als die höchste Persönlichkeit der Philosophie], und schliesslich in der Neuzeit mit der Wissenschaft [als die Menschen im Unwissen und in der Unkenntnis zu versinken drohten] und in der Moderne mit der Demokratie [als die Menschen durch die Macht zunichte gemacht zu werden drohten]). Das ist alles das Werk der Philosophie, und das ist ja nicht nichts, sondern: das ist eben eher alles. Und wisst ihr was? Die wertvollste Information, die ich je im Internet gefunden habe, ist jene von einem armenisch-deutschen Künstler (manche wissen, wen ich meine), der uns in einem Video in den Sozialen Medien gezeigt hat, wie 'echte Engel' aussehen (aus einem Beitrag von einem anderen Künstler). Das sind ganz seltsame, irgendwie sternförmige Wesen, die voller Augen sind - so soll das im Alten Testament beschrieben sein. Ich schrieb ihm darauf zurück, dass mir die christlichen Engel sehr viel besser gefallen würden (die sind doch wirklich schön). Und er sagte eben in diesem Video, dass unsere schöne Vorstellung der Engel von niemand anderem herkommt, als... von den alten Griechen. Hallelujah! Filosofia (Philosophie), Paixnidia (Spiele) und Angeloi (Engel) - das sind die alten Griechen. (Und dagegen wirkt doch die Verunglimpfung von Pan durch die frühen Christen im Mittelalter eher wieder ein bisschen plump fast, aber das ist ein ganz anderes Thema.) Aber eben, es hat ja nie ein Ende, das Ganze, und so konnte dann der deutsch-schweizerische Schriftsteller Alfred Andersch - für mich der interessanteste deutschsprachige Schriftsteller der Nachkriegszeit - in einer autobiografischen Szene in einer Griechischsstunde fragen (angesichts der ganzen Katastrophen, die sich in dieser Stunde abgespielt haben): Wovor schützt denn eigentlich eine humanistische Bildung? Auch eine gute Frage - die Philosophie und die Literatur sind voller guter Fragen. Die beklemmende Antwort in diesem Stück ist natürlich eben leider: vor nichts - vor überhaupt gar nichts. Und das müssen wir auch wissen.
Die Philosophie und der Machtapparat. Es bleibt vielleicht die Frage, wieso Philosophen und Philosophinnen denn überhaupt immer wieder ideale Welten erschaffen wollen? Warum wollen sie überhaupt immer wieder geistige Welten erschaffen? Die Antwort ist einfach: Weil sie das nicht den Mächtigen alleine überlassen wollen, weil sie meinen, dass diese zu wenig über die Dinge nachdenken können. Wer in die Herrschaft verstrickt ist, hat nicht die Zeit, allzu sehr über die Dinge nachzudenken, sondern er bewegt sich v.a. in seinem bzw. im allgemeinen Herrschaftsapparat (das entspricht dem Mythos von Geld und Geist). Von diesem wissen wir, dass er mit der Zeit dekadent und immer dekadenter wird (d.h. dass die üblen Dinge der Menschheit im Übermass in diesen einfliessen: Arroganz, Ignoranz, Impertinenz, Inkompetenz, Korruption, Mobbing). Das merken die Mächtigen manchmal gar nicht, weil sie mit der Erhaltung des Herrschafts- bzw. Machtapparates beschäftigt sind, und weil sie zufrieden sind, solange der Machtapparat (in ihrem Sinn) bestehen bleibt. Aufgrund der zunehmenden Dekadenz müsste man den Machtapparat immer wieder überdenken und erneuern, aber das tun die Mächtigen nicht - jedenfalls nicht, solange sie nicht dazu gedrängt werden (das Paradebeispiel dafür ist die sozialpolitische Gesetzgebung von Bismarck, ausgelöst durch die sozialistische Bewegung). Die Initiierung von kulturhistorischen Veränderungen kam immer wieder aus der Philosophie heraus, aus diesen Gründen. Der Philosoph oder die Philosophin wollen also v.a. mitdenken an den Strukturen des zukünftigen Machtapparates, weil sie das als ihre Verantwortung betrachten (aus welchen Gründen auch immer - die sind letztlich eigentlich zweitrangig). Wer die Philosophie bzw. die Philosophen und Philosophinnen als solche kritisiert, der kritisiert deren Einfluss und damit die Veränderung oder Anpassung des Machtapparates (jedenfalls jeglichen überlegten Grund dafür). Das ist in der heutigen Zeit gefährlicher denn je. In einer Zeit der immer ausgetüftelteren Techniken und immer schrecklicheren Waffen. Gerade in dieser Zeit die überlegung zu kritisieren und damit der reinen Willkür stattzugeben, ist viel mehr als nur fragwürdig. Es wird entscheidend sein für die (Er-) Haltung der Menschen, ob die Philosophie noch in der Lage sein wird, die nötigen Impulse für die Zukunft zu liefern (das ist keine Werbung spezifisch für meine Philosophie, sondern ich sage das allgemein - es wird nicht auf eine einzelne Philosophie ankommen letztlich, auch nicht auf meine; wenngleich ich hoffe, dass ich etwas beitragen kann zur Verbesserung der Gesellschaft und der Welt in der Zukunft [sonst würde ich das ja nicht machen, und sonst hätte ich ja nicht so viel dafür investiert (und auch preisgegeben in meinem eigenen Privatleben)]).
Wenn wir annehmen, dass der Philosoph oder die Philosophin letztlich nur ein paar Empfehlungen an den Machtapparat abgeben können. Dann würde ich diese Empfehlungen in den Vordergrund schieben. Wir sollten schauen, wie wir die Weltprobleme und -konflikte lösen können (Ost-West-Konflikt, Nord-Süd-Konflikt, Ökoproblem, Kulturverlust). Die Politiker sollten schauen, dass es nicht nur immer mehr Überwachung gibt, sondern auch immer mehr Chancen - damit ein gewisser Ausgleich da ist. Sie sollten nicht nur Parteipolitik betreiben, sondern auch den gemeinsamen Interessen aller besser nachkommen (denn wenn es nur noch um Wahlen geht, geht die Gemeinsamkeit verloren - so wie es heute der Fall zu sein scheint). Die Ökonomen sollten einsehen, dass auf der Weltebene politische Verhältnisse herrschen. Sie sollten daher das grösste Interesse daran haben, dass eine vernünftige Weltpolitik herrscht - schon der wenig bekannte altgriechische Philosoph Xenophon wies darauf hin, dass der Frieden wichtig ist für einen florierenden Handel. Die Wissenschaftler sollten ihren über 400 Jahre aufgebauten absolutistischen, positivistischen Determinismus aufgeben und mindestens die Philosophie und die Religion wieder anerkennen (wie das früher der Fall war). Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Wissenschaft in absehbarer Zeit alle wichtigen Fragen wird lösen können. Ihr stehen dazu bereits ihre Grundauffassungen im Weg: von der kartesianischen Subjekt-Objekt-Scheidung und von der experimentellen Technologie. Das bringt schon die Tendenzen, die eine umfassende Wissenschaft nahezu verunmöglichen (es kommt aber auch die hohe Spezialisierung noch hinzu, welche zusammenhängende Gedanken erschwert bis verunmöglicht). Die Wissenschaft ist gut, aber sie sollte ihre eigenen Grenzen besser kennen. Die (anderen) Religionen sollten sich positiv mit dem Christus beschäftigen (historische Beispiele dafür sind etwa Buber und Ben-Chorin im Judentum, Ibn Arabi im Islam, Gandhi, Tagore - er ist besonders hervorzuheben - oder Vivekananda im Hindusismus, Hanh und Gyatso im Buddhismus). Die Christen sollten die Theologen der Bibel - insbesondere Paulus und Johannes (den Offenbarer) - kritisch hinterfragen, in Bezug auf die reine Lehre Christi Jesu (wir finden dann aber heraus: ja, Paulus sprach mit allen anders, wie er selber sagte, und seine Briefe waren gar nicht für die Allgemeinheit bestimmt, und in der Johannes-Offenbarung steht am Ende: Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! [Das heisst, es gibt gar keinen spezifisch apokalyptischen Christus, sondern bloss den Christus der Evangelien - oder esoterisch gesprochen: Christus soll nicht zum Kalki werden (weder zum Kalki, noch zum Hamlet), sondern er ist derjenige, welcher Kalki zur Vernunft bringen soll, quasi]). Natürlich sollten die Religionen allgemein auch frauentauglicher werden - wie man das anstellen will, scheint noch offen zu sein. Über die Philosophie habe ich hier genug gesagt.
Vom Grundprinzip im Sein (mit, alphabetisch [in diesem Artikel erwähnt]: Alexander, Alkmaion, Anaximander, Arendt, Aristoteles, Ashby, Atlan, Bergson, Bernstein, Camus, Capra, Claudius, Cooley, Descartes, Dilthey, Driesch, Empedokles, Fromm, Gebser, Habermas, Haken, Haldane, Hegel, Heidegger, Horaz, Hossenfelder, Hüther, Jonas, Kant, Leibniz, Lesch, Luhmann, Martin, Meier-Seethaler, Montesquieu, Morgan, Newton, Nietzsche, Ockham, Parmenides, Platon, Popper, Prigogine, Pyrrhon, Pythagoras, Rousseau, Sartre, Sheldrake, Smuts, Spinoza, Vester, Voltaire, Von Aquino, Von Foerster, Weil, Wiener, Wittgenstein, Wolff [sowie vermutlich noch einigen oder vielen anderen, die hier nicht erwähnt sind] - inspiriert ist dieser Artikel von einem Gespräch mit dem Neurowissenschaftler Gerald Hüther im Ungeskriptet-Podcast von Benjamin Berndt, vom 25.4.2026). Das Grundprinzip des Seins sei Selbstorganisation in Hinsicht der Erreichung eines kohärenten Zustandes in einer prästabilierten Harmonie (die Harmonielehre spielt in der Philosophie immer wieder eine gewisse bis bedeutende Rolle, etwa bei Anaximander (dessen Ursatz der Philosophie ich als Ausgleichsprinzip in der Natur gedeutet habe), Alkmaion oder auch im chinesischen Ying-Yang-Prinzip - hier ist jedoch nicht bloss von einer Harmonie zwischen den Entitäten, sondern auch in den Entitäten die Rede). Das heisst: die Aktivitäten der Entitäten - also: des Daseienden (siehe: Parmenides, Von Aquino, Wolff), oder: der Monaden (nach Leibniz), ich sage auch: der Felder (nach der Feldtheorie, etwa und v.a. bei Rupert Sheldrake [morphogenetische Felder und morphische Resonanz]) - sind koordiniert und versuchen einen harmonischen Zustand zu erreichen, ohne dass sie direkt aufeinander einwirken (siehe: Gottfried Wilhelm Leibniz - wobei sie es eben nach Sheldrake durchaus sind). Dabei werden möglichst einfache Lösungen gesucht, die möglichst wenig Energie verbrauchen (das ist das Rationalprinzip von Wilhelm von Ockham). Das gilt für alle Entitäten in allen Dimensionen (der Systematik vom [Da-] Sein). Die gefundene Lösung wird dann jeweils memoriert und bei der nächsten ähnlichen Problemlage wieder abgerufen und versucht (wenn es damit geht, ist es ok, sonst muss [spielerisch, kreativ] eine neue Lösung gefunden werden - das nennen wir Lernen; wir erinnern uns auch an den Satz von Popper: Leben heisst Problemlösen]). Die Felder versuchen ständig mehr Kompetenzen in der Lösung von Problemen zu finden (das Lernen führt uns zu Lösungen auf immer neuen Komplexitätsebenen [davon spricht die Emergenztheorie von Samuel Alexander und Conwy Lloyd Morgan (engl. emergent evolution)]). Hüther spricht von einem 'Kohärenz-Wiederherstellungs-Kompetenzgefühl'. Wir sprechen hier - in meiner Auffassung (nach Sheldrake) - von der Vorgehensweise von selbstorganisierten, ineinander verschachtelten Feldern (die Verschachtelung ist ein zusätzliches Element, welches nicht von vollkommen abgeschlossenen, sondern verbundenen Entitäten ausgeht). Dieses Konzept, welches hier beschrieben ist, hat viel mit dem New-Age-Denken zu tun ( Capra, Vester, Sheldrake und andere [diese Autoren (inkl. weiteren Autoren der populärphilosophischen Literatur wie Fromm oder Jonas) gehörten nebst der belletristischen Literatur der Existentialisten (v.a. Camus und Sartre) zu meinen ersten philosophischen Erfahrungen (im Gymnasium, rund zehn Jahre vor dem eigentlichen Anfang meines philosophischen Projekts)]). Das hier erarbeitete Grundprinzip wirkt meiner Meinung nach selbst in einfachsten Feldern (wie z.B. in einem Atom bzw. Atomfeld [hier natürlich sozusagen unbewusst, im Vergleich zum menschlichen Bewusstsein]), ja sogar im reinen Sein selber. Ich weiss nicht, ob es so ein Grundprinzip von allem tatsächlich gibt, aber das scheint doch alles recht plausibel, zumindest, zu sein. Hüther weist darauf hin, dass die klassische bzw. heutige Wissenschaft wenig am Hut hat mit solch speziellen Theorien (aber irgendwie muss man das Ganze ja versuchen, zu erklären [das steht übrigens nicht gegen meine philosophischen Modelle, sondern das ist die tiefste Erklärung dafür quasi, was das (Da-) Sein selber ist (abgesehen vom reinen Begriff)]). Für mich ist diese Art, zu philosophieren, sehr nahe an den ursprünglichen Naturphilosophie dran (freilich heute mit einem viel höheren Komplexitätsbewusstsein). Ich habe mich schon immer verwundert, warum die Städte der Menschen funktionieren, und zwar alle, von den reichsten bis zu den ärmsten. Warum gibt das nicht das grösste Chaos, sondern eine funktionierende Stadt. Das hat eben auch mit dieser prästabilierten Harmonie zu tun, welche nicht eine Harmonie ist, die wirklich erreichbar ist (das ist im Lebendigen nicht möglich), aber die eben immer wieder angestrebt wird, und bei diesen Bestrebungen nach Harmonie entsteht die ganze Welt (von Anfang an, und immer wieder neu). Voltaire hat Leibniz übrigens nicht zu Unrecht ausgelacht, weil dieser aus seiner Idee von dieser prästabilierten Harmonie geschlossen hat, dass wir (immer) in der besten aller Welten leben würden. Voltaire fand, dass die Welt zu seiner Zeit nicht beste gewesen sei, und dass man sie verändern musste - er hat ja dann zusammen mit Rousseau, Montesquieu und anderen die Französische Bürgerrevolution initiiert. Freilich: wenn man - wie ich - davon ausgeht, dass die Vergangenheit dem Schicksal entspricht und die Zukunft der Freiheit, muss man sagen, dass beide recht hatten. Die Welt kann im Moment nicht besser sein, als wie sie bis dahin entstanden ist, aber sie kann eben in der Zukunft verändert und verbessert werden (aufgrund der erwähnten Emergenz). In Wirklichkeit ist das alles sicher noch viel komplexer, aber für uns ist es doch wichtig, die Grundzüge zu erkennen, und eine Idee davon zu haben, in was für einer Welt wir leben.
Anmerkung: Ich würde noch einen Schritt weitergehen und nicht von einer reinen Selbstbestimmung sprechen, sondern von einer Selbstbestimmung in Zusammenstimmung. Es gibt ja nie nur die innere Bestimmung, auch wenn v.a. die Esoteriker das gerne so hätten, sondern immer die innere wie die äussere Bestimmung. Das würde dann auch eher Immanuel Kant entsprechen, welcher zwar (in Anlehnung an Horaz) sagte, wir sollen den Mut haben, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen (1784 - Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?), dies aber nicht in einer libertären Art und Weise verstand, sondern dahingehend, dass man dann zu einem Kategorischen Imperativ kommen müsste (1785 - Grundlegung zur Metaphysik der Sitten), welcher besagt: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Man kann ja Kant nicht erwähnen, ohne auf beides einzugehen (und interessant sind natürlich auch die Jahrzahlen: Kant hat zuerst die reine Freiheit begründet und ein Jahr später dann die reine Pflicht [wie wenn er selber erschrocken wäre über seine Überbetonung der Freiheit (er stand ja im Zuge der französischen Aufklürer, stammte aber selber aus einem pietistischen Haus) - Kant hatte in seiner Philosophie drei verschiedene Phasen: eine naturwissenschaftliche, eine aufklärerische und eine ethische]). Das geht mir dann wieder zu weit in einer reinen Pflichtbetonung. Denn das bedeutet ja, dass das Einzelne bzw. das Selbst eigentlich wieder in fast absoluter Art und Weise hinter dem Allgemeinen zurückstehen muss. Die Selbstbestimmung in der Zusammenstimmung - das ist der eigentliche Hauptbegriff in diesem Artikel! - ist für mich eine doppelte Bestimmung, in welcher die Harmonie sowohl auf das Selbst wie auf das Allgemeine zielt. Es zeigt sich auch hier wieder einmal, dass man den Widerspruch einfach nicht aus dem Lebendigen oder gar aus dem (Da-) Seienden herausbekommt. Es bleibt immer ein Restwiderspruch vorhanden, mit dem wir letztlich leben müssen (und/oder: dürfen - wider eine rein absolute Bestimmung [daher kann selbst die Harmonie letztlich keine absolute Bestimmung sein, sondern manchmal agieren wir eben nicht harmonisch, sondern disharmonisch (es ist aber hier nicht die Rede von einzelnen Akten, sondern von einem allgemeinen Grundprinzip: dass die Welt nicht harmonisch ist, sondern bloss - aber immerhin - immer wieder nach Harmonie strebt)]). Wenn wir so viel über Kant gesagt haben, müssen wir vielleicht auch Hegel noch erwähnen. Worin liegt denn sein dialektisches Prinzip begründet? Dieses kann uns helfen bei Problemlösungen - wenn wir eine These und eine Antithese haben und daraus eine Synthese bilden können. Eben: gegen eine absolutistische und für eine integrale Philosophie (z.B. - siehe Jean Gebser) sowie eine kommunikative Philosophie (siehe: Cooley, Luhmann, Habermas).
Letztlich müssen wir sicher auch noch John Scott Haldane und Jan Christiaan Smuts erwähnen, mit ihrer holistischen Philosophie: denn nur durch eine Ansicht des Ganzen können wir zu einem Grundprinzip gelangen. Hüther ging zwar induktiv, nach wissenschaftlicher Methode, vom Einzelnen, bzw. von der Funktionsweise des Hirns aus, glich dies dann aber ab gegenüber anderen Prozessen in der Welt - auch so kann man zum Ganzen kommen. Smuts postulierte, dass «alle Daseinsformen [...] danach streben, Ganze zu sein». Das tönt ein bisschen abstrakt. Es erscheint ein bisschen weniger abstrakt, wenn wir sagen, dass die Entitäten nach einer prästabilierten Harmonie streben und demnach nach der Anwendung des Grundprinzips im Ganzen nachkommen möchten (und/oder müssen [wie gesagt: es bleibt immer ein Grundwiderspruch vorhanden (was uns die ganzen kritischen Philosophen anführen lässt: von Pyrrhon bis Voltaire und Nietzsche und darüber hinaus) - das ist so in einer Welt der Bewegung, die geprägt ist von Anziehung und Abstossung* (siehe: Empedokles)]). Das Ganze ist ja quasi aus dem Urprinzip der Monaden heraus entstanden. (So habe ich Leibniz noch nicht verstanden bisher, aber so muss man ihn verstehen [das Prinzip der Monaden widerspricht nicht unbedingt dem Prinzip der Atome, es geht nur über eine rein materialistische Ansicht hinaus].) Und wenn wir schon bei den Erwähnungen sind, müssen wir auch die Philosophen nennen, welche den Begriff der Selbstorganisation entwickelt haben (engl. «self-organization, also called spontaneous order in the social sciences» [nach Wikipedia]) - das sind Namen wie Ashby, Von Foerster, Atlan, Prigogine oder Haken (auch Wittgenstein - und auch Wiener ist zu nennen, der Begründer der Kybernetik; und die [Google-] KI verweist sogar auf Platon [«In seinen Überlegungen betont Platon die unsterbliche Seele und die Notwendigkeit der Selbstüberwindung und des Strebens nach Weisheit»] und Aristoteles [«Aristoteles sah das Selbst als untrennbare Einheit von Körper und Geist und betonte die Verbindung zwischen Geist und Körper» - diese Darstellungen der KI kommentiere ich nicht: sie seien hier nur der Vollständigkeit halber gegeben (und natürlich landet man fast bei allem in der Philosophie und überhaupt letztlich wieder bei Platon und Aristoteles [die KI sind ebenso wie die Wikipedia für mich sehr wertvolle Mittel der Informationsbeschaffung - denken tue ich aber immer noch selber])]). [25./26.4.2026].
* Hier freilich sind wir mitten im Kernproblem der Philosophie. Empedokles war der erste systematische Philosoph überhaupt. In seinem System gab es vier Grundelemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer) sowie zwei Grundkräfte (Liebe [Anziehung] und Streit [Abstossung - wobei ja Streit gar nicht immer nur Abstossung bedeuten muss: es kann auch Auseinandersetzung zur Wiederverständigung sein, aber item]). Dieses System enthält keine Moral (im Gegensatz zum Ursatz der Philosophie von Anaximander oder den klassischen Philosophien von Platon und Aristoteles; neben dem System vertrat Empedokles dann doch noch eine Moral von Gewaltlosigkeit und Reinkarnation [welches schon von Pythagoras in der westlichen Philosophie vertreten wurde] - das erinnert an die frühen Naturwissenschaftler, die zwar gläubig waren, ihre Wissenschaft aber vollkommen vom Glauben getrennt haben [typischerweise ja auch etwa Newton]). Offenbar gibt es eine rein naturphilosophische Ansicht, in welcher es keine spezifische Moral gibt und eine kulturphilosophische Ansicht, in welcher eine Moral besteht. Die Frage ist letztlich, ob denn in den Urdingen eine Moral besteht, oder ob die erst beim Menschen beginnt. Obwohl die menschliche Moral durchaus wesentliche Züge von menschlicher Kultur trägt, würde ich doch sagen - was eben auch oft gesagt wird - dass auch die urphysikalischste Welt nicht ohne eine Moral bestehen kann (wer sich für Ethik interessiert, kommt natürlich auch nicht an Spinoza vorbei, welcher das vielleicht eindr6uuml;cklichste Buch über dieses Thema geschrieben hat). Die Atome, Moleküle und Körper folgen bestimmten Ordnungen - und ohne diese sind sie nicht denkbar (demgegenüber besteht das Konzept der Entropie von Rudolf Clausius, welches besagt, dass die Unordnung in einem isolierten System ständig zunimmt [das ist auch eine Frage hinsichtlich des Universums (ob wir uns dieses als isoliert vorstellen oder nicht, und ob es dann unter diesen Satz fallen würde)]). Der (Grund-) Widerspruch zwischen Freiheit und Ordnung scheint die ganzen Probleme der Ontologie zu durchziehen (und vielleicht ist es sogar so - wie wir aus Descartes erschliessen könnten - dass es auch dieser Widerspruch ist, welcher das Denken überhaupt erst initiiert). Und die Lebensphilosophie? Ja, auch: Wilhelm Dilthey, Henri Bergson, Hans Driesch. Und die Frauen? Ach ja: Hannah Arendt, Simone Weil, Agnes Martin, Carola Meier-Seethaler, Sabine Hossenfelder. Dann aber - trotz aller Kritik - doch auch noch Heidegger, und in diesem Fall auch Bernstein (usw. usf., etc. etc.). Zum Schluss: ein Sommergespräch mit Harald Lesch (aus dem Jahr 2020).
Zum Bedenken, oder: von der Änderung der Blickrichtung. Wo die deutsche Philosophie in den Erfolg (vom Kategorischen zum Intellektuellen) ebenso wie in die Irre gegangen ist, da bezeichnete Kant seine Zeit schon als die kritische (ausdrücklich übrigens), Heidegger die seine noch immer als die bedenkliche (dito). Ich meine, wir mössen die heutige Zeit als die zu lösende betrachten. Kritik, Bedenken und Lösung - wenn schon: nicht mehr Kritik oder Bedenken alleine - und auch nicht Lösung alleine, notabene: Denken zum Handeln, oder: Nachdenken zum Vorhandeln - savoir pour prévoir (nach Comte [wie wenig ist das in der positivistischen Wissenschaft tatsächlich verwirklicht!]) - und Verhandeln. Wir sollten unseren Blick auf die Zukunft richten, nicht mehr auf die Vergangenheit, denn die Menschen müssen ihr Problem - d.h. ihre Problematik - (immer) in der Zukunft lösen, nicht in der Vergangenheit. Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald Probleme haben, sagte einst Konfuzius (der erste grosse Moralphilosoph der Welt [wenn man nicht an den ersten Satz der griechischen Philosophie von Anaximander denkt]). Darum ist die heutige Zeit so speziell und so wichtig: weil wir (definitiv) die Blickrichtung ändern müssen. Ich habe meine Philosophie trotzdem vom Anfang her aufgebaut, vom Urgrund her, sie aber schon von Anfang an auf das Endziel (bzw. dessen Ideal) ausgerichtet. Die Fragen bleiben in beide Richtungen, aber die Antworten müssen die Richtung wechseln - in einem frohen Ansinnen an die Zukunft. Wir müssen vom Sein zum Sinn kommen. Schon der (Ur-) Beweger von Aristoteles - dem letzten grossen Philosophen (der griechischen Antike [vor den hellenistischen Untergangsphilosophien]) - bewegt vom Ende her, nicht vom Anfang her (und das war vielleicht oder vermutlich sein grösster [und vergessenster] Gedanke überhaupt). Die Ewigkeit betrifft dies übrigens nicht (und damit auch nicht Gott), sondern wir sprechen vom menschlichen Zeitempfinden (dass die Vergangenheit als Schicksal erscheint, die Zukunft dagegen als Freiheit). Nun werden viele sagen: die Vergangenheit kennen wir, die Zukunft aber können wir in ihrer Ausprägung nicht kennen. Das ist richtig, aber wir können wissen, in welche Zukunft wir gehen wollen und in welche nicht. Das ist die entscheidende Frage. Wir können wissen, was wir wollen oder möchten oder wünschen. Und daran sollten wir uns halten (sonst vergeben wir schon die Möglichkeit, es zu erreichen - viele reden heute irren Widersinn: dass wir gar keine Ideale brauchen würden, dass Ideale nur Schaden anrichten würden, dass das Gegenteil wahr sei: dass wir immer nur erreichen würden, was wir eigentlich gar nicht gewollt haben, und nicht das, was wir eigentlich wollen, und/oder gar dass es richtig schlimm sein würde, wenn wir das erreichen würden, was wir wollen, und noch perfider: dass es ohne das Unglück kein Glück geben könne, ohne das Negative kein Positives – und noch perfider: ohne das Nichts kein Sein, weil beides und alles miteinander verbunden sei - das entspricht alles dem Wider- und Irrsinn dieser Zeit (21st Century Schizoid Man), der uns vorgaukeln will, dass es keine positive Zukunft geben könne [das ist falsch - es hängt von uns ab, und nur von uns; wohl ist alles miteinander verbunden, aber das spricht in keiner Art und Weise gegen eine positive Wertung]). Aristoteles sagt, das Glück sei das höchste Gut des Menschen. Agnes Martin - auch eine interessante Philosophin (aber letztlich doch zu [über-] kritisch) - sagt: das ist oder wäre so, aber wir können es nicht erreichen. Warum nicht? Selbst wenn wir es nicht erreichen sollten oder könnten, dürfen wir nicht davon ausgehen, dass wir es nicht erreichen könnten. Wir können es nicht erreichen, in einer Welt, die dagegen spricht, aber wir könnten es erreichen, in einer Welt, die dafür spricht. Ich mag den Gedanken vom Ontological Design, welcher davon ausgeht, dass wir eine Welt erschaffen können, die uns ermutigt (dazu, das Gute zu tun). Eines bloss ist wirklich sicher: dass wir das Unglück erreichen werden, wenn es das ist, was wir wollen und wünschen. Dann haben wir keinen (positiven) Wunsch. Noch ein Wunsch? Was den Menschen bis hierhin vorangetrieben hat, war die Hoffnung und der Glaube an eine bessere Welt. Und den dürfen wir nicht aufgeben, selbst bei den Erkenntnissen nicht, dass wir bei manchen Dingen nicht richtig gehandelt haben (oder wichtige und gar entscheidende Dinge nicht adäquat genug berücksichtigt haben [was bestimmt bezüglich verschiedenen (negativen) Entwicklungen der Fall ist]). Es gibt immer die Möglichkeit der Veränderung und der Verbesserung. Es ist Zeit auch dafür, endlich von der Naturwissenschaft in die Geisteswissenschaft zu kommen, von der Kausalität (Wirkung -> Ursache) in die Intentionalität (Grund -> Folge - es ist eigentlich beides das Gleiche, aber die Blickrichtung ist anders [siehe: Franz Brentano und die Intentionalität des Bewusstseins]). Freilich: der wahre Fortschritt verbindet das Neue mit dem Alten. Wir können ja nicht ohne die Naturwissenschaft sein (um Gottes Willen nicht!), aber noch viel weniger können wir ohne eine richtige und vernünftigte Geisteswissenschaft sein. Das sagte Petrarca, am Beginn der Renaissance (zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit und ihrer Moderne), als er meinte: Das Gute zu tun, ist besser, als das Wahre zu erkennen. Die Wissenschaft ist dann in eine ganz andere Richtung gegangen, und heute stehen wir am Hag der Schwierigkeiten (aufgrund v.a. des Tempos, welches wir angeschlagen haben*). Ich denke nicht an einen blinden Zukunftssturm (wie er ja eigentlich im Wesen der [Natur-] Wissenschaft [und ihrer Technik] liegt), sondern in einem vernünftigen Fortschreiten zum Besseren (im Ganzen). Unsere Zeit ist ambivalent oder sogar multivalent - das heisst, wir haben viele Möglichkeiten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten (ein Satz von Paulus, der viele grosse philosophische Weisheiten ausgesprochen hat, andererseits aber auch einige Bedenklichkeiten [das heisst nicht, dass es falsch ist, sondern dass es nicht unbedenklich, also zu bedenken ist]). Mit alledem möchte ich nichts anderes tun, als das, was die Philosophie immer tut: aus eigenem Nachdenken heraus andere zum Nachdenken anregen.
* Die Menschheit hat heute die besten Möglichkeit, die sie je gehabt hat. Was sie derzeit daraus macht, ist aber ein riesengrosser Jammer. Das Problem ist der Westen, und das Problem ist das Tempo des Westens, welches in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht nur alle anderen Weltgegenden überfordert hat, sondern auch den Westen selber. Woher kommt das überhaupt alles? Es kommt von der inneren Sicherheit, welche der Christus gebracht hat. Dabei hat man nur diese Sicherheit genommen, den mystischen Wert aber weitgehend ausgeblendet. Heute haben zwei sehr grosse Probleme, und das ist die Ost-West-Problematik und die Süd-Nord-Problematik. Das eine Problem ist noch immer nicht gelöst und da taucht schon das andere auf und bestimmt den Gang der heutigen Welt. Die Mauer zwischen dem Osten und dem Westen ist wenigstens schon abgebaut worden (Berlin 1989), dafür wird jene zwischen dem Süden und dem Norden derzeit aufgebaut (USA/Mexiko). China hat sich in das Tempo des Westens eingemischt, was im besseren Fall zu einer Stabilisierung zwischen dem Osten und dem Westen führen könnte. Eine solche ist zwischen dem Süden und dem Norden noch nicht in Sicht. Dieses Problem wächst in ebenso grosser Konsequenz. Was wir heute brauchen ist v.a. ein Bewusstsein für dieses Problem. Wir spüren den Migrationsdruck und irgendwie müssen wir dieses Problem in den Griff bekommen. Allfällige Abschiebungen von unpässlich erscheinenden Menschen alleine werden dafür nichts nützen. Wir brauchen politische und ökonomische Lösungen (für die Welt).
Die Änderung der Blickrichtung liegt eigentlich in der deutschen Philosophie verborgen - wir könnten fast von einer (wenn auch recht problematischen) Reformation der Philosophie sprechen: von Leibniz (und dem aktiven Prinzip der Monaden) über Kant und Hegel (welche von der Freiheit zur Vernunft ausgingen) bis Schopenhauer (mit der Willensverneinung) und Nietzsche (mit dem Willen zur Macht) sowie Heidegger. Dieser hätte angesichts des grossen Verhängnisses, welches bei Nietzsche aufgetaucht ist, eigentlich eine dialektische Lösung zwischen der Willensverneinung Schopenhauers und der Überspitzung des Willens zur Macht bei Nietzsche anstreben müssen, er zog es aber vor, Nietzsche zu verherrlichen und damit auch dessen Verhängnis. Die Änderung der Blickrichtung ist in der deutschen Philosophie nicht nur verborgen, sondern sogar auch offenbart. Heidegger zitiert Nietzsche (ich gehe von der Schrift 'Was ist Denken?' aus): «Die Zukunft feiern, nicht die Vergangenheit. Den Mythus der Zukunft dichten! In der Hoffnung leben!» Heidegger sieht die Ewige Wiederkehr des Gleichen als zentralen Gedanken Nietzsche, aber dieser fährt fort: «Und dann wieder den Vorhang zuhängen und die Gedanken zu festen, nächsten Zielen wenden!» Warum denn, wenn ja nur immer wieder das Gleiche kommt? Richtig sagt Heidegger an anderer Stelle, dass Nietzsche in einem alten Zeitbegriff verhaftet bleibt. Er löst seinen Gedanken nicht von der Zeit, und daher kann es nur bedeuten: Ewige Wiederkehr des Gleichen in anderer (neuer) Form. Denken wir den Gedanken nicht in der Zeit, sondern im Ewigen, dann löst er sich auf, denn das Ewige benötigt weder ein Gleiches, noch eine Wiederkehr. Wenn es ewig ist, kehrt es nicht wieder, wenn es wiederkehrt, ist es nicht ewig. Es ist an sich - oder vielmehr: in sich. Und daher ist dieser Gedanke absurd: Das Ewige kann nicht wiederkehren, sondern es ist von jeher. Hierin irrte Nietzsche ganz einfach (und es war nicht sein einziger Irrtum...). Ich meine aber, dass dies gar nicht der Kerngedanke Nietzsches war, sondern dessen Kerngedanke war natürlich eben der Wille zur Macht. So oder so: wir müssen einen Punkt machen hinter die falsche Entscheidung von Heidegger, und ich möchte auch nicht an diesen Punkt zurückkehren*. Wir suchen nicht den Übermenschen, welcher von jeher der Auferstandene ist (auch wenn die Auferstehung es offen lässt, ob daraus in der Zuwendung zur Religion ein grosser Liebender oder in der Abkehr von der Religion ein grosser Hassender wird [oder was auch immer dazwischen]). Die Wege des Übermenschen sind bereits ausgereizt, wir suchen den Ewigen Menschen: den Menschen, der in der Ewigkeit verborgen liegt, oder anders gesagt: die Idee vom (Ewigen) Menschen. Dazu müssen wir zuerst das Ewige begreifen. Zeit erscheint dem Menschen als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dazu müssen wir sagen, dass es aber die reine Gegenwart, und also den reinen Moment eigentlich gar nicht gibt. Der Moment ist immer gerade schon wieder vorbei, oder aber knapp noch gar nicht da. Wenn wir in den Moment eintauchen, zeigt sich, dass in ihm alles stillsteht. Das hat Zenon von Elea in einer seiner Paradoxien gezeigt - mit dem Pfeil, dessen Bewegung im reinen Moment stillsteht (so ist das, wenn wir die Zeit als eine Aneinanderreihung von Momenten sehen). Das ist eine absurde Situation, weil die Raum-Zeit ja ein Kontinuum ist (in welchem man übrigens die Zeit gar nicht ohne den Raum definieren kann [wie Fichte schon gesagt hat], sondern der Raum ist - nach meiner Philosophie - die Anordnung in der Zeit, die Zeit ist die Veränderung des Raumes). Wir haben heute die Fotografie, um zu beweisen, dass das, was Zenon von Elea gesagt, richtig ist. In diesem Moment aber befinden wir uns eigentlich jenseits der Zeit: in der Ewigkeit. Denn im Gegensatz zum Zeitlichen, ist das Ewige unberührt und unverändert (das grosse Rätsel Gottes ist nicht, dass er ewig ist [wir haben ja eben gezeigt, dass die Ewigkeit eine Realität ist, wenn auch eine surreale, oder besser gesagt: hyperreale], sondern: dass er ewig und lebendig ist [das unterscheidet den religiösen Gott von der philosophischen Idee]). Der Moment und die Ewigkeit sind also letztlich identisch (zumindest entsprechen sie etwas gegensätzlich Gleichem [siehe: Cusanus - im ominösen Zusammenfall vom Entgegengesetzten]). Heidegger sagt, und wähnt sich darin eins mit Nietzsche, dass das Sein in der Anwesenheit besteht. Doch ist ein falscher Gedanke. Sein und Wesen sind zwei verschiedene Dinge, wie Thomas von Aquino dargelegt hat. Heidegger spricht ja auch gar nicht vom Sein, sondern vom Dasein. Das Dasein besteht in der Anwesenheit, das Sein aber besteht im Bestehen. Für Heidegger und Nietzsche ist das Jetzt schon der grosse Moment (was Eckhart Tolle fast zu einer Art Religion ausgeweitet hat - zuvor sprach auch Hegel schon von der Bedeutung vom Hier und Jetzt, notabene [und Heidegger begeht einen weiteren grossen Fehler, wenn er vom Sein des Seienden als dem Willen spricht (das ist alles dermassen unzulänglich, weil es nicht adäquat mit der antiken und also ursprünglichen und eigentlichen Philosophie verbunden ist)]). Es blieb bei allen diesen grossen deutschen Philosophen bei einer Aussenansicht des Moments, bei einem Schein des Moments - keiner von ihnen ging in die Innenschau (wie Zenon - wo sich der Moment mit der Ewigkeit verbindet). Platon hat uns sehr schön gezeigt, dass das Ewige für uns in Ideen besteht: in Ideen vom Ewigen. Als ob wir uns quasi fragen sollten, wie die Dinge bzw. Phänomene sein sollten, wenn sie stillstehen würden (wenn man sie also nicht weiter verändern könnte). Das ist klassische antike Philosophie, und das ist die Lösung des letzten Rätsels und Geheimnisses der Welt. Platon hat es längst schon gelöst - vor fast 2500 Jahren. Und wir wollen heute den alten Philosophen sagen, was Philosophie ist? Wir fragen, ob sie noch unsere Freunde sein können (Sloterdijk)? Und wir rufen sogar das Ende der Philosophie aus (Heidegger, Rorty)? Es ist Zeit, dass wir den ewigen Ideen wieder nachspüren. Platon und Aristoteles können uns dabei nicht in allem weiterhelfen, immerhin aber bieten sie gute und grosse Anregungen. Was ist die Idee vom Ewigen Menschen? Das ist die Frage der Gegenwart und der nächsten Zukunft. Und es war eigentlich schon lange die grosse Frage - die Philosophen haben sich mit Scheinfragen beschäftigt und nicht mit der grossen Frage. Was heisst denken? Denken heisst der Idee vom (ewigen) Menschen nachspüren (das scheint letztlich für eine humanistische Philosophie zu sprechen).
* Wenn hier Nietzsche und Heidegger im Fokus dieser Überlegungen stehen, müssen wir sagen, dass wir heute - aus nachvollziehbaren Gründen - eine verzerrte Sichtweise auf die Philosophie jener Zeit haben (ich spreche von den Europäern und insbesondere vom deutschsprachigen Kulturraum), indem nämlich schon Heidegger nicht mehr der bedeutendste Philosoph seiner Zeit gewesen ist. Es muss ja klar sein, dass die deutsche Philosophie nach Nietzsche ihren Anspruch als führende Philosophie verlieren musste, und es war auch so. Der bedeutendste Philosoph nach Nietzsche war in Europa ein Zeitgenosse von ihm, welcher aber später mit dem Publizieren begonnen hat: Georges Sorel (1847-1922). Von ihm sprechen wir nicht gerne, weil er quasi den entscheidenden Impuls zum Faschismus gegeben hat (bzw. zu linkem wie rechtem politischem Extremismus [es ist ja wohl bekannt, dass der Faschismus - sowohl bei Mussolini wie bei Hitler, eine Kraft war, welche von der linken Seite herkam, aber rechts interpretiert wurde (und das gilt eben schon oder besonders auch für die Philosophie von Sorel - d.h. die Kritik ist links, die Auslegung ist rechts)]). Mussolini, der Begründer des Faschismus, soll philosophisch beeinflusst gewesen sein v.a. von Stirner, Nietzsche und Sorel - während sein Hofphilosoph Gentile dem italienischen Neoidealismus zugerechnet wird (d.h. er stand in der Tradition von Kant, Fichte und Hegel [sowie Marx im Kontext des Hegelianismus] - seine Philosophie heisst Aktualismus [ital. attualismo]). Es gab aber nicht nur den Faschisten Gentile, sondern auch den Antifaschisten Croce. Sorel hatte aber eben den grössten Einfluss, zwischen Nietzsche und Heidegger. Dass Heidegger nach dem Zweiten Weltkrieg seine Position nicht verloren hat, lag wesentlich auch an Hannah Arendt, welche trotz unterschiedlicher Positionen eine lebenslange Freundschaft zu Heidegger unterhielt. Sie kann als heimliche Führerin der deutschen Philosophie nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet werden (offiziell waren es zuerst Adorno und dann Habermas). Aber die deutsche Philosophie war nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich erledigt. Die bedeutendere Rolle spielte in Europa der französische Poststrukturalismus. Eigentlich aber war nach Nietzsche bereits die europäische Philosophie erledigt, und das Hauptgewicht der Philosophie verlagerte sich in die USA, mit deren Pragmatismus (Peirce, James, Dewey - sowie später der Analytischen Philosophie [deren Wurzeln in Deutschland und Österreich liegen, die aber wesentlich initiiert wurde durch Russell, Wittgenstein [in Grossbritannien] und Ryle]). Die Europäer haben das damals nicht gesehen, und sie haben politisch einen hohen Preis dafür bezahlt... dass sie in ihrer alten Philosophie verhangen geblieben sind. Die Musik spielte eben nicht mehr bei Heidegger, Adorno und Habermas, und nicht einmal bei den französischen Poststrukturalisten, sondern in den USA - auch wenn es nicht die schönste (philosophische) Musik ist, aber trotzdem. Ich bin übrigens der Meinung, dass die ältere US-Philosophie viel interessanter ist als die heutige. Einsehen kann man das im Werk zur US-amerikanischen Philosophie von Joseph L. Blau (Men and Movements in American Philosophy [dt. Philosophie und Philosophen Amerikas, 1952 - mit Namen, die bei uns grösstenteils relativ bis sehr unbekannt sind, wie: Edwards, Colden, Jefferson, Paine, Rush, Wayland, Hickok, Porter, Emerson, Theoreau, James, Fiske, Wright, Abbot, Bowne, Royce, Creighton, Peirce, James, Mead, Perry, Sellars, Urban, Santayana, Cohen, Dewey]). Und heute? Heidegger und Rorty (im Zuge Heideggers) haben das 'Ende der Philosophie' ausgerufen. Heidegger verstand dies - etwas mysteriös - nicht als wirkliches Ende, sondern als Versammlung des Ganzen und Bestimmung der äussersten Möglichkeiten. Rick Roderick, der vermutlich profundeste Kenner der europäischen Philosophie in den USA, beklagte dagegen die Nonchalence von Rorty, wenn er eine fast 2500-jährige Tradition zu Grabe getragen hat, mit den schlichten Worten: &I don't care.» (Einzusehen ist dies im Vortrag 'The Self under Siege: Philosophy in the Twentieth Century - The Masters of Suspicion' [1993]). Ich würde heute sagen: die Philosophie ist offen, wenn es es sie denn überhaupt noch gibt, und wir wissen nicht mehr so genau, wovon wir eigentlich sprechen (ich denke, dass weder Zizek noch Chomsky, weder Haraway noch Von Redecker und weder Silva noch Schmachtenberger uns wesentlich weiterbringen können, wie interessant das auch alles erscheinen mag). Ich selber bezeichne mich manchmal als 'Philosoph', manchmal als 'Philo-, Poly- und Pansoph', aber ich weiss nicht mehr so genau, wie ich mich eigentlich bezeichnen soll (daher sage ich auch manchmal einfach nur noch '[Philosophischer] Publizist'). Wir spüren, dass der Einfluss der Philosophie immer geringer wird, und wir fragen uns, ob es die Mühe überhaupt noch wert ist. Vielleicht bin ich einer der letzten, der diese Frage bejaht (aber ich weiss es nicht - wir werden es sehen).
Die Darstellung der tatsächlichen Entwicklung der Philosophie vom 19. bis zum 21. Jahrhundert ist noch nicht ganz abgeschlossen. Wir haben gesehen, dass die Philosophie im 20. Jahrhundert politisch geworden ist, aber dies ist sie natürlich eigentlich seit 1848. Nicht wegen der Gründung des Schweizer Bundesstaates im selben Jahr (obwohl dies auch eine sehr interessante Referenz wäre, natürlich), sondern wegen des Kommunistischen Manifests von Karl Marx. Das hat den ganzen Zunder in die heutige Politik gebracht, und seitdem ist auch die Philosophie hochpolitisch. Das heisst aber, dass auch bereits Nietzsche als bedeutendster Philosoph seiner Zeit wegfällt - das war nämlich Marx. Mit Schopenhauer endete also quasi die Zeit des deutschen Idealismus, und dann begann die politische Philosophie: nicht mit Nietzsche-Heidegger-Adorno, sondern mit Marx-Sorel-Gentile. Dann folgte der Zusammenbruch der europäischen Politik ebenso wie der europäischen Philosophie - dann der Wiederaufbau der Politik (nicht jedoch der Philosophie [!] - und auch der Aufbau der Politik ist nur dank der Europäischen Union gelungen: die einzelnen Staaten für sich genommen, schafften den Wiederaufbau nicht, wie wir in der heutigen europäischen Politik deutlich erkennen können [jedenfalls steht das alles sehr auf der Kippe derzeit, in fast jedem europäischen Staat (mit ungewissem Ausgang)]). Und gleichzeitig zu dieser politischen Linie der Philosophie hat sich der philosophische Mainstream eben langsam aber sicher in die USA verlagert. Das müssen wir verstehen, wenn wir die heutige Zeit verstehen wollen - und dass wir heute vor dem philosophischen Nichts stehen, indem nämlich Rorty das Ende der Philosophie von Heidegger übernommen hat - wohlwissend, dass auch und gerade aus der US-Philosophie nichts mehr Bedeutendes kommt. Das ist zumindest der Stand der heutigen Dinge (in der Philosophie).
Zusammenfassung. - System: (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken, Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln). - Ewige Menschheitsziele: Wirtschaftsproduktivität, Sozialgerechtigkeit und Umweltverträglichkeit. - Bereiche: Religion, Philosophie, Wissenschaft (sowie Politik und Ökonomie, Kunst und Spiel). - Bereiche der Philosophie: Metaphysik, Systematik, Logik, Ethik, Politik. - Religionen: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus.
Aphorismen: Was einmal war, wird immer (gewesen) sein. / Es ist immer Dafür und Zuwider, immer aber ein bisschen mehr Dafür. / Wake up! Cool down. So what? / Wohin zieht die von allem enttäuschte Menschheit? / Wir brauchen neue Lösungen, sonst wird es keine geben. / Der wahre Fortschritt verbindet das Neue mit dem Alten. / Was man überschätzt, von dem wird man enttäuscht werden. Was man unterschätzt, von dem wird man überrascht werden. / Gerechtigkeit heisst (im Ideal) nichts anderes, als dass jeder/jede zu seinem/ihrem Recht kommt. / Jeder Mensch hat seine eigene Form von Intelligenz. / Der Geist ist wie ein Meer ohne Land. Er kann kein Ufer finden. Aber Inseln des Friedens erfinden.
Die Philosophen (Hauptfiguren). - Die Zehn: Konfuzius, Parmenides, Platon, Aristoteles, Thomas von Aquino, René Descartes, Baruch de Spinoza, Gottfried Wilhelm Leibniz, Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Nietzsche. - Plus fünf überraschende: Adam Smith, Eduard Bernstein, Janheinz Jahn*, Fritjof Capra, Rupert Sheldrake. - Plus fünf, auf die man trotzdem nicht verzichten kann: Thomas Hobbes, John Locke, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Martin Heidegger. - Wissenschaftler: William Gilbert, Isaac Newton, Charles Darwin, Albert Einstein, Richard Feynman. - Theologen: Augustinus, Thomas von Aquino, Martin Luther, Gilbert K. Chesterton, Hans Küng**.
* Jahn ist hier natürlich aufgrund seines Buches "Muntu - Umrisse der neoafrikanischen Kultur" (engl. Muntu - African Culture and the Western World, 1958) erwähnt. (Muntu ist das Bantuwort für 'Mensch', aber auch für die Menschlichkeit und die Verbundenheit aller Menschen [Bantu ist die Mehrzahl: Menschen].) Ich versuche damit die so wichtige Verbindung Europas zu Afrika herzustellen. Das Buch wurde in afroamerikanischen Kulturen als 'Bibel der Schwarzen' gefeiert. Mich beeindruckt auch etwa die Urmusik der Baka und der Tanz ihres heiligen ([Ur-] Wald-) Geistes Djengi (auch: Ejengi oder Jengi), welcher als Vermittler dient zwischen den Menschen und dem Gotteswesen (Komba [ein Hoch- und Himmelsgott (ich habe schon gehört, dass dieses Konzept aus Indien stammen soll und bin mir nicht mehr sicher, ob das stimmt)]) - eine solche Vermittlerrolle kennen wir sonst nur von Christus und Buddha (aber das gibt es also bereits in der afrikanischen Religion).
** Eigentlich müsste man hier auch Ernst Sieber nennen. Es wird vermutlich wenige Menschen je gegeben haben, die einen authentischeren Glauben gehabt haben. Ich habe ihn hier nicht aufgeführt, weil niemand in der Welt ihn kennt. In der Schweiz war er aber zu seiner Zeit sehr bekannt. Vielleicht war Barth der theologische, Sieber der praktische und Küng der intellektuelle Schweizer Theologe des 20. Jahrhunderts.
Lektüre (Vorschläge): dtv-atlas zur Philosophie; Lexikon der philosophischen Werke; Bertrand Russell: Denker des Abendlandes - Eine Geschichte der Philosophie; Christoph Helferich: Geschichte der Philosophie; Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe; Luciano De Crescenzo: Geschichte der griechischen Philosophie, Bryan Bunch & Alexander Hellemans: Fahrplan der Naturwissenschaften; Ernst Peter Fischer: Aristoteles, Einstein & Co.; Friedrich Heiler: Die Religionen der Menschheit; Die Bibel / Das Markus-Evangelium; Konfuzius: Gespräche; Parmenides: Über die Natur; Aristoteles: Metaphysik; Baruch de Spinoza: Ethik; Jean-Jacques Rousseau: Vom Gesellschaftsvertrag; John Stuart Mill: Über die Freiheit; Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung; Agnes Martin: Writings / Schriften. - Und ferner erwähne ich mit besonderer Vorsicht drei kleine Werklein aus einer Reclam-Reihe. Thomas Nagel: Was bedeutet das alles?; Martin Heidegger: Was heisst denken?; Hans Kelsen: Was ist Gerechtigkeit? Das sind die richtigen Fragen, aber die Antworten sind leider vollkommen unzulänglich (kann man als Anregung trotzdem lesen). Zu den hier gemachten Vorschlägen ist allgemein zu sagen, dass ich kein philosphisches Werk gefunden habe, welches mir unbedenklich erscheint. Jedes philosophische Werk hat seine Vor- und Nachteile. Ein philosophisches Werk ist nicht ein Endpunkt, sondern ein Anfangspunkt. Es lädt dazu ein, darüber nachzudenken. (Trotzdem hoffen wir, in und mit der Menschheit immer einen kleinen Schritt weiterzukommen.)
P.S. Platon: von ihm kann ich nur alle Werke angeben (Corpus Platonicum) oder gar keines. Politeia ist das bekannteste Werk, aber politisch alles andere als unfragwürdig. Leider hat Platon seine grosse Ideenlehre nicht in einem einzigen Werk beschrieben, sondern in verschiedenen Werken. Es gibt natürlich aber Sekundärwerke dazu.
Politik: Direkte Demokratie, Soziale Marktwirtschaft und Weltregierung. In der Moderne ist die Philosophie politisch geworden (mit dem Liberalismus und dem Sozialismus). Um die Problematik zu verstehen, in welcher wir derzeit drinstecken, müssen wir zuerst ein bisschen ausholen. Am Anfang der Neuzeit ist (im 17. Jahrhundert) aus den gegensätzlichen Ideologien des Empirismus (mit der experimentellen Methodik) und dem Rationalismus (mit der mathematischen Beweisführung) die moderne Naturwissenschaft entstanden, heute müssen wir - nach demselben dialektischen Prinzip (siehe Hegel) - aus den gegensätzlichen Ideologien des Liberalismus und des Sozialismus die spät- und/oder postmoderne Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaft begründen. Es ist sehr wichtig f6uuml;r die Zukunft, dass wir diesen Bereich der Wissenschaft stabilisieren. Der Hebel dafür liegt meiner Meinung bei der (Direkten) Demokratie. Eigentlich müsste man sie (nach Aristoteles) als (Direkte) Politie bezeichnen, denn es ist eine Mischform zwischen Demokratie/Volkswillen und Elite/Oligarchie (wobei in der heutigen Ausprägung das parteienorientierte Wahl- und Stimmsystem vorherrscht). Die (Direkte) Demokratie (oder Politie) bestimmt, wieviel vom Liberalen und wieviel vom Sozialen in einer Gesellschaftsstruktur sein soll, und wie alles verteilt wird. Das Problem der Demokratie ist, dass sie sich in einem ständigen Wahlkampf befindet, was eine bessere Weitsicht verunmöglicht, und dass sie auf ein Patt zwischen den beiden grossen Kräften hinausläuft. Wir haben das in vielen wichtigen und entscheidenden Wahlen und Abstimmungen gesehen: Trumpwahlen in den USA, Brexit-Abstimmung in Grossbritannien, EWR-Abstimmung in der Schweiz. So ist es natürlich schwierig, zu regieren (weil sich die Verhältnisse in dieser Situation rasch ändern können). Daher sollten erstens die Parteien besser verhandeln untereinander, und zweitens die Leute ein höheres Bewusstsein erreichen. Die Demokratie muss - ebenso wie die Marktwirtschaft - geschützt werden vor Missbrauch und Untergang (weil sie ja auch die Wahl hat, sich selber abzuschaffen). Demokratie verstehe ich nicht als Volksherrschaft, sondern als Volksverantwortung. Das Volk zahlt den Preis, wenn die (von ihm gewählte) Regierung etwas falsch macht, andererseits können damit aber auch die Regierungsentscheide durch die Zustimmung des Volkes abgesichert werden. Die Demokratie ist auch daher zu favorisieren, weil das Volk immer wieder die Demokratie will. Ein einzelner autokratischer Herrscher kann ein guter Herrscher sein - was aber eher selten ist: in der Folge von verschiedenen autokratischen Herrschern hat es aber immer wieder auch Versager dabei, welche die Macht übertreiben und/oder das Land zugrunde richten. Daher hat die Autokratie keinen festen Bestand. Eigentlich möchte ich ja nichts anderes, als den Schutz der heutigen Strukturen (ich beziehe das auf die Schweiz, freilich, deren Strukturen zwar verbesserungsfähig sind [wir sind ja immer noch erst in den Anfängen der demokratischen Herrschaft und Struktur], aber doch besser erscheinen als in jedem anderen Land [allerdings: wenn ich meine eigenen Lebenserfahrungen betrachte, sehe ich hier weder eine Direkte Demokratie, noch einen Rechtsstaat, noch einen Sozialstaat - also meiner Meinung nach ist das Verbesserungspotential schon immer noch sehr gross, aber item]). Dies eben aber in einem höheren Bewusstsein, als es heute besteht (dieses höhere politische Bewusstsein sollte in den primären, sekundären und tertiären Bildungs- und Erziehungsanstalen mitgegeben werden: in den Familien, in den Schulen, in den Medien). Den Demokratieabschaffungswahn gewisser Leute heute halte ich, natürlich, für sehr dumm und ein bisschen widerwärtig. Das heutige Problem ist, dass wir vieles in der Politik verändern sollten, ohne die guten Strukturen zu verlieren - und nicht alles niederreissen, ohne irgendeinen Plan, wie das dann genau weitergehen sollte. Die Demokratie sollte aber eben schon schauen, dass sie nicht über ihre eigenen Beine stolpert; und man sollte auch nicht vergessen, dass die frühe attheistische Demokratie in ihrer Dekadenz an der spartanischen Konsistenz gescheitert ist. Das heisst: eine gewisse Strenge, Härte und Schärfe braucht es eben in einer Demokratie auch. In der Weltpolitik laufen die Dinge heute nicht sehr gut, und daher sehe ich derzeit keine andere Möglichkeit mehr als eine Weltregierung. Alle Staaten haben eine Regierung, nur die Welt nicht. Das kann ja so nicht weitergehen, mit den Gefahren, welche die Welt zukünftig ausgesetzt ist (Superwaffen, Kulturverlust, Ökoproblem). Eine Weltregierung wäre die logische Folge nach einem Dritten Weltkrieg (nach dem Völkerbund 1920 und den Vereinten Nationen 1945), aber man kann das auch vorher zumindest schon einmal bedenken (eine Weltregierung sehe ich im Rahmen eines Konstrukts mit einer lokalen, regionalen, nationalen, supranationalen und globalen Ebene, wobei alle Regierung für ihre Ebene und ihren Ort zuständig wären; auf den unteren Ebenen sollte mehr Freiheit, auf den oberen Ebenen mehr Bestimmung herrschen [das mag etwas komplex erscheinen, aber mit allzu einfachen Parolen werden die Probleme der Gegenwart und der Zukunft nicht zu lösen sein - andererseits sollte die Komplexität auf Kosten der Klarheit auch nicht zu weit gehen]). Wir sollten nicht Angst haben vor einer klaren Weltstruktur - vielmehr eher vor ungezügeltem Wildwuchs. Bei einer Weltregierung ist zu beachten, dass alles Schlechte auch sie betreffen kann, und dass es in einem solchen Fall besonders schlimme Auswirkungen haben kann - das sind: Arroganz, Ignoranz, Impertinenz, Inkompetenz, Korruption, Mobbing. Daher ist auch auf diese Dinge besonders zu achten - bei der Bildung einer Weltregierung, aber auch überhaupt. Ich mache mir keine grossen Hoffnungen, dass eine Weltregierung in dieser Zeit zustande kommt, und es wäre auch möglich, dass sich die Nationen und die supranationalen Organisationen weiterhin auf der Weltebene selber behelfen - dazu müsste aber irgendein Geist zu einem künftigen Frieden erkennbar sein. Das sehe ich derzeit nicht. (Daher mein Postulat von einer Weltregierung - unmöglich ist das nicht, denn man hat ja auch - ausser besserer Einsicht, nach Zeiten der grossen Erkenntnis - einen Völkerbund und die Vereinten Nationen geschaffen).
Die politische Philosophie ist relativ leicht wiederzugeben. Etwas schwieriger verhält es sich mit der religiösen Einstellung. Die politische Einstellung sollte man auch offenlegen, finde ich (jedenfalls in einer [Direkten] Demokratie), bei der religiösen Einstellung ist das anders: normalerweise, würde ich sagen, tut man das nicht unbedingt. Ich tue das, weil es immer wieder ein Thema in meiner Philosophie war. Es ist für mich auch schwierig, aufgrund meines persönlichen Hintergrundes: meine Eltern waren/sind beide relativ ungläbig, ich bin in einer schwierigen Lebenssituation von einem Sohn eines Afrikamissionars zum Christus bekehrt worden und habe dann diesen relativ tiefen Glauben in Verbindung gebracht zur Philosophie, zur Esoterik und zur Spiritualität.
Religion: Offene Grundauffassung, Christus im Zentrum und kritisches Wohlwollen. Grundsätzlich bin ich für die Anerkennung aller Religionen - gemäss auch Swami Vivekananda, beim (Ersten) Weltkongress der Religionen 1893. Mein Ankerpunkt in dieser Auffassung ist der katholische Theologe Hans Küng, welcher für die Ökumene zwischen allen Religionen und für ein Weltethos eingetreten ist. Gleichzeitig bin ich jedoch auch der Meinung, dass alle Religionen (für diese Ökumene) den Christus Jesus als Zentrum der Religion akzeptieren sollten, oder sich zumindest positiv mit dem Christus Jesus beschäftigen sollten (historische Beispiele dafür sind etwa Buber und Ben-Chorin im Judentum, Ibn Arabi im Islam, Gandhi, Tagore - er ist besonders hervorzuheben - oder Vivekananda im Hindusismus, Hanh und Gyatso im Buddhismus, u.a.). Jesus ist in die Welt gekommen und hat in (s)einem Leben alles geregelt (im doppelten Sinn des Wortes). Cool, nicht? Der französische Philosoph Blaise Pascal meinte, dass kein Mensch tun kann, was Jesus Christus getan hat. Das sollten die anderen Religionen auch einmal bedenken (eine gewisse Feindlichkeit bei Pascal gegenüber der muslimischen Religion lassen wir hier einmal weg - es ist sowieso frappierend wie rassistisch die meisten der älteren Philosophen, etwa vor dem 20. Jahrhundert, gewesen sind: ich habe einmal eine Liste von rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Philosophen gemacht, und danach war gar nicht mehr die Frage, wer da draufstand, sondern: wer da nicht draufstand..., aber wenn wir nur darauf schauen würden, müssten wir alle Philosophie verwerfen, und das möchte ich natürlich nicht tun; man kann es so sehen, dass in einem gewissen Sinn die Philosophie jenseits von solchen Fragen stattgefunden hat, ebenso wie die neuzeitlichen Wissenschaftler ja auch die Religion von der Wissenschaft getrennt haben - solche Trennungsmechanismen gibt es, und doch bleiben auch recht viele Fragen offen diesbezüglich). Ich bin keineswegs unkritisch gegenüber dem theologischen Christentum. Die Christen sollten v.a. die Theologen der Bibel - insbesondere Paulus und Johannes (den Offenbarer) - kritisch hinterfragen, in Bezug auf die reine Lehre Christi Jesu. Es kann ja nicht sein, dass die Aussagen etwa von Paulus und Johannes gleich starke Geltung haben, wie jene des Gottes- und Menschensohnes... Und es scheint durchaus Widersprüche zu geben. Wir finden dann aber heraus: ja, Paulus sprach mit allen anders, wie er selber sagte, und seine Briefe waren gar nicht für die Allgemeinheit bestimmt, und in der Johannes-Offenbarung steht am Ende: Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! (Das heisst, es gibt gar keinen spezifisch apokalyptischen Christus, sondern bloss den Christus der Evangelien - oder esoterisch gesprochen: Christus soll nicht zum Kalki werden [weder zum Kalki, noch zum Hamlet], sondern er ist derjenige, welcher Kalki zur Vernunft bringen soll, quasi). Natürlich sollten die Religionen allgemein auch frauentauglicher werden - wie man das anstellen will, scheint noch offen zu sein. Ich entschuldige mich dafür, wenn ich teils einer zu saloppen Sprache über die Religion spreche: ich möchte nichts entheiligen, eher möchte ich zeigen, dass eine solche Sprache nichts an der Wahrheit ändert. Trotzdem sollte auch eine gewisse Vorsicht gegenüber der Esoterik und der Spiritualität gegeben sein. Da wird einiges zu kompliziert oder zu einfach dargestellt. Das passt offenbar - wie die Sozialen Medien zeigen - wieder zur heutigen Zeit, aber ich finde, dass wir die religiösen Probleme letztlich theologisch lösen sollten, auch wenn mir diesbezüglich in der heutigen Zeit zu wenig geht. Die Theologie ist wie eingefroren derzeit - es tut sich nichts mehr. Und das halte ich für einen grossen Fehler. Ich kann auch einen Atheismus verstehen, aber ich halte eine atheistische Gesellschaft nicht für eine gute Idee. Wenn sich das die Waage hält mit der Religion, dann ist das ok, andernfalls finde ich das fragwürdig. (Die meisten Religionskritiker kommen aus einer Familie, die religiös war, und nun haben sie kritischerweise das Gefühl, sie seien gescheiter als die Religiösen und müssten mit ihrem Unglauben die Welt erobern [das ist ja ebenso typisch wie problematisch in dieser heutigen Zeit] - ich komme dagegen aus einer Familie, die nicht gläubig ist und habe den Sinn vom Christus neu entdeckt [und glaubt mir, ich habe gute Gründe dafür (das sind etwa Geschichten mit Waffen, Suiziden und Drogen), und ich bin der festen Überzeugung, dass man den Menschen den Weg zur Religion offenlassen sollte - das wollte ich auch einmal den allzu penetranten Religionskritikern sagen: ich habe mit solchen geredet, und es waren keine besonders schönen Gespräche, aber item]). Was man dann aus der Religion macht, ist wiederum jedem/jeder seine/ihre Sache - es gibt viele Wege wie Kirche, Mystik, Esoterik, Spiritualität und/oder (eben) auch Philosophie. Ich weiss, dass ich mich (auch) mit dieser Position wieder einmal zwischen alle Stühle und Bänke bringe, aber das ist mir egal, in dem Sinn, dass es halt einfach so ist (und dass ich ja auch zu dem stehen muss, was ich tue und sage - ich bin der Meinung, dass es fundiert genug ist, um bedeutende Aussagen zu machen). Die grösste Wahrheit liegt nach mir weder in, noch hinter, noch unter, noch über, sondern zwischen den Dingen.
Heute besteht die Gefahr, dass sich die Menschen gegen alle geistigen Dinge stellen: die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft. Wir brauchen heute aber dialektische Lösungen. Als der (Öko-) Philosoph Paul Shepard merkte, dass die Ökologie der klassischen Wissenschaft teilweise widerspricht, bezeichnete er sie als subversive Wissenschaft (engl. subversive science). Heute brauchen wir vielleicht eine subversive Wissenschaft, eine subversive Philosophie und eine subversive Religion, aber nicht um auf der Stufe der Subversion zu verbleiben, sondern eben: um aus der klassischen These und der subversiven Antithese eine Synthese zu schaffen, die neue bessere Möglichkeiten eröffnet.
[Neubearbeitung der Seite: Dezember 2025 bis Mai 2026].
[Hintergrundbild: Agnes Martin, Affection, 2001 (im Alter von 89 Jahren), Acrylic and graphite on canvas - eine interessante Malerin, die auch interessante kunst- und lebensphilosophische Texte geschrieben hat.]
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