Die Erklärung meiner Philosophie
Zum Einstieg. So kurz und knapp hast du die (gesamte) Kulturgeschichte noch nie erklärt bekommen. Ohne Esoterik, Hinter- und Abgründe - nur das Wesentliche der Kultur.
Meine Kleine Kulturgeschichte. [Altertum: Mose (das Gesetz [Thora]) und Buddha (das Verwehen [Nirwana]).] Antike (Philosophie): Drei verschiedene Ethikgrundsätze: 1. Das Ganze (bzw. das Sein - Parmenides), 2. Das Gute (Platon), 3. Die Mitte (Aristoteles, analog: Konfuzius). Mittelalter (Theologie): Markus-Evangelium (Urevangelium) + Drei Kernsätze (1. Ihr seid das Licht [Mt 5,14 - so schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei (Lk 11,35)], 2. Das Reich Gottes ist mitten unter euch [Lk 17,21], 3. Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! [Off 22,21 - letzter Satz des Neuen Testaments der Bibel]). Neuzeit (Wissenschaft): Renaissance-Humanismus sowie Wissenschaft durch Empirismus (mit der experimentellen Methodik) und Rationalismus (mit der mathematischen Beweisführung). Moderne (Politik): Liberalismus/Aufklärung und Sozialdemokratie + Ökologie. Heute: Wake up! Cool down. So what?
Allgemeine Lektüre-Empfehlungen zur Philosophiegeschichte (für diejenigen, die sich etwas tiefer mit der Philosophiegeschichte beschäftigen möchten). Ich empfehle hier nicht einzelne Werke von einzelnen Philosophen, sondern - v.a. für Einsteiger - Bücher zur Philosophiegeschichte: 1. dtv-Atlas zur Philosophie (kurz, übersichtlich), 2. Weischedel und/oder Spierling (biografisch, kurz), 3. Russell, Höffe und/oder Hirt (je relativ kurz und bündig) oder auch Helferich oder Störig (ein kleines bisschen ausführlicher).
Ich habe mein eigenes philosophisches System begründet, weil ich - als ich mich für Philosophie zu interessieren begann - in der zeitgenössischen (universitären) Philosophie, der ich aus verschiedenen Gründen, kritisch gegenüberstehe, keinen Halt gefunden habe (auch in der Wissenschaft nicht, die - v.a. in der Astrophysik [aber teils auch in der subatomaren Teilchenphysik] - eine immer groteskere und dunklere Form annimmt heute [Dunkle Materie, Schwarze Löcher, Ende des Universums, Paralleluniversen, Aliens, usw. usf., etc. etc., und nichts von alledem ist wirklich bewiesen (wie es in der Wissenschaft ja eigentlich sein sollte, die ja eigentlich weder ein Fantasygebäude, noch eine rein mathematische Matrix, welche sich völlig von der realen Grundlage entfernt hat, sein sollte; zu viel Spekulation in der Wissenschaft bedeutet vielleicht eben auch, dass es wieder Zeit ist für (wahre) Philosophie - nicht dass sie die Wissenschaft ersetzen sollte, sondern: dass sie der Wissenschaft helfen sollte, auf das nächste Level zu kommen]). Ich nehme an, dass die ganze Verdunklung der Kultur in dieser Zeit zu tun hat mit dieser heutigen Pseudowissenschaft (die über alle Ränder hinausdenkt, ohne mehr zu einem vernünftigen Nenner zu finden, und gleichzeitig die Frage nach einer Übertechnisierung und einem Verlust der menschlichen Kultur aufwirft [bei dem allem wissen wir noch überhaupt gar nicht, was das Universum eigentlich ist, wir wissen nicht, wie das Leben genau entstanden ist, und wir haben eigentlich noch immer - d.h. auch nach über 400 Jahren Wissenschaft noch - genug Mühe damit, uns als Menschen und Menschheit einigermassen selber im Griff zu haben; es ist also überhaupt nicht so, dass wir alles wüssten und/oder könnten]).
Meine Philosophie in der kürzest möglichen Form dargestellt.
Das Grundsystem: (Modul 3.0: 'Systematik vom [Da-] Sein' - ein sogenanntes Schichtenmodell, mit fünf Dimensionen): (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken, Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln). (Anmerkung: das Glauben ist hier nicht bloss religiös gemeint, sondern allgemein. Philosophische und psychologische Schichtenmodelle** sind bekannt etwa von Aristoteles, Bovillus, Hartmann oder Gebser.) Das Modell der Weltstruktur (Modul 2.0: 'Die einfache Erkenntnis der zweifachen Dreifachheit'): Sein (Ebene vom reinen Sein [philosophisch bzw. ontologisch]) - Raum / Zeit (Ebene vom Da-Sein [wissenschaftstheoretisch]) - Materie (verdichtete Energie) / Feld (-Energie) / (Freie) Energie (Ebene vom Bewusst-Sein [wissenschaftlich bzw. physikalisch]). Zwischen den drei Ebenen liegen die Wirkung und die Ordnung als initiierende Faktoren. Das Bewusst-Sein meint hier nicht nur das menschliche Bewusst-Sein, sondern bereits sehr frühe Formen von Orientierung, Konzentration und Koordination (welches nach mir die Faktoren des Bewusstseins sind). Der Begriff des Urprozesses (Modul 1.0): Sein - Gott - Schöpfung - Natur - Welt. (Ich verwende einen Urprozess statt einen Urgrund - in diesem läuft quasi alles gleichzeitig ab [es handelt sich hier nicht um die Ausprägung dieser Begriffe, sondern bloss um deren Initiation] - die Begriffe können letztlich gleichgesetzt werden [dies kann man ableiten von Thomas von Aquino, Plotin, Spinoza und anderen]. In einer unreligiösen Form verwende man bloss den ersten, vierten und fünften Begriff.) Die Ewigen Menschheitsziele: Wirtschaftsproduktivität, Sozialgerechtigkeit, Umweltverträglichkeit. (Leitet sich ab aus der fünften (d.h. der letzten) Ebene der fünften Dimension der Systematik vom [Da-] Sein. Diese besteht in einer ausgebauten Variante aus fünf Dimensionen, 25 Ebenen und 55 Faktoren [das ist publiziert in meinem ersten Buch (Postmoderne Ontologie, 2003), wenngleich noch ohne eigentliche Spezifizierung der Ewigen Menschheitsziele].)
** Der aktuelle Wikipediaeintrag zur 'Schichtenlehre' ist falsch, wonach Parmenides behauptet habe, das Sein sei einheitlich, und die Schichtenmodelle würden dagegen zeigen, dass das Sein nicht einheitlich sei. Denn erstens hat Parmenides von zwei Dingen gesprochen: vom Seienden und von den menschlichen Meinungen darüber (die Begriffe vom Seienden als solchem [ich vermute bedeutend bei Platon und Aristoteles, evtl. schon bei Protagoras (welcher auch den Begriff vom Nichtseienden einführte, welchen Parmenides ausdrücklich vermied)] oder vom Sein [an sich - ich vermute bedeutend bei Hegel, jedenfalls erst in der deutschen Ontologie*] tritt erst später auf [noch das bekannte Büchlein 'Über das Seiende und das Wesen' von Thomas von Aquino spricht im späteren Mittelalter vom 'Seienden', nicht vom 'Sein']), zweitens bedeutet die Schichtisierung nicht, dass das Ganze nicht auch einen festen Zusammenhalt hätte (der Gedankengang in der Wikipedia entspricht der wissenschaftliche Methode der Widerspruchslosigkeit - so kann man aber metaphysische Fragen nicht behandeln). Es stimmt übrigens auch in keiner Weise, dass Parmenides (im Gegensatz zu Heraklit) gesagt hätte, dass das Seiende nicht bewegt sei (er sprach vom Ganzen, welches unbewegt sei - dazu sagen einige heute, dass man bewiesen habe, dass das Universum sich bewege: das mag sein, aber es bleibt scheinbar doch als Ganzes auch irgendwie zusammen und unverändert [und daher sind beide Ansichten richtig: es ist bewegt und unverändert]). Parmenides wird sehr oft sehr grundsätzlich missverstanden. Es führt auch der Titel des Buches 'Über das Sein' von Parmenides in die Irre, denn die alten Werke der Philosophie hatten gar keine Titel, daher wurden sie alle später zuerst bloss als 'Über die Natur' betitelt (d.h. Naturphilosophie). Bei Parmenides führte man zusätzlich den falschen Titel 'Über das Sein' ein (er hat - wie gesagt - diesen Begriff gar nicht verwendet). Die Philosophie ist voller solcher und ähnlicher Fehler, die man erst bemerkt, wenn man sich tiefer mit der ganzen Materie auseinandersetzt. (Es hat meist keinen Sinn, solche Fehler zu korrigieren, da sie tief im Verständnis der universitären Philosophie eingefleischt sind.)
* Sartre löste in der französischen Philosophie diesen deutschen Begriff vom 'Sein' (an sich) dann wieder auf und sprach vom Sein an sich, für sich und für andere. All solches kann man dann auch als Seinsgewörtel bezeichnen (herrlich - oder eben nicht - zelebriert bei Heidegger, natürlich [künstlerisch: gelungen, philosophisch nicht ganz immer; seit Schopenhauer und Nietzsche hat die Kunst einen zu hohen Stellenwert in der Philosophie]). Für mich ist und bleibt das Sein der (bedeutendste) Urgrund in der Philosophie (ohne welchen nichts sein kann - ich fasse das Sein als [Grund-] Eigenschaft von allem Seienden auf [dagegen alles weitere als Wesen (was man hat bzw. was die Dinge haben)]).
[Diese kurzen Erklärungen zum Seinsbegriff finde ich hier notwendig. Es ist halt so, dass man in der Philosophie sofort immer wieder vom einen zum anderen kommt und ständig in Gefahr ist, herumzufabulieren. Das möchte ich hier nicht tun, daher nur dies - kurz - zu diesem Begriff.]
Wie sind die Module miteinander verknüpft? Modul 3.0 ist - wie gesagt - das Grund- oder Hauptsystem. Modul 2.0 erklärt den Zusammenhang von der philosophischen und der physikalischen Welt (oder die Entwicklung vom Sein zum Da-Sein und Bewusst-Sein). Modul 3.0 ist eine weiterführende Beschreibung des Urgrundes als Urprozess (was zeigen soll, was im Innersten der Welt der Fall ist [nach meiner Philosophie, wohlverstanden]).
Derzeit arbeite ich an der Dekonstruktion meiner Philosophie. Dekonstruktion bedeutet nicht Destruktion. Die Konstruktion bleibt als solche bestehen, aber sie ist gleichsam auch wiederum dekonstruiert. Die Dekonstruktion ist ein Faktor der zeitgenössischen (genauer: der poststrukturalistischen) Philosophie. Ich zahle demnach meinen Tribut an die zeitgenössische Philosophie, welche die Ausarbeitung eines grösseren Systems eigentlich nicht mehr vorsieht. Manchmal heisst es sogar, Hegel sei im 18./19. Jahrhundert der letzte grosse philosophische Systematiker gewesen (ich habe zwar im 20. Jahrhundert noch welche gefunden - etwa Hartmann oder auch Gebser - aber diese standen nicht im Vordergrund der universitären Philosophie). Ebenfalls ist es sogar in der gesamten neuzeitlichen Philosophie unüblich, dass jemand ohne universitären Abschluss angibt, bedeutende Philosophie zu machen. Es gibt nur wenige Beispiele dazu, etwa Spinoza, Voltaire, Rousseau, Saint-Simon oder Mill (ein recht illustres Grüppchen freilich - ich bin ein universitärer Sonderfall, der zwar an der Universität war, aber das Studium [der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften] nicht abgeschlossen hat [ich kenne keinen anderen Philosophen, bei welchem dies der Fall wäre, ausser dem Schriftsteller Dürrenmatt, welcher Philosophie studiert hat - auffallend gross ist die Zahl von Studienabbrechern bei den heutigen Techmilliardären (etwa Gates, Jobs, Zuckerberg, Ellison, Branson u.a. [Page hat ein Bachelorstudium abgeschlossen, aber sein Masterstudium abgebrochen, Musk hat sein Studium abgeschlossen, aber das Doktorat abgebrochen] - die sind also ins Geld gegangen, während ich in den Geist gegangen bin [hätte ich das nur vorher gewusst (hahaha!)])]). [Mehr dazu folgt.]
Relativierungen und Revidierungen. Es gibt drei Dinge, die ich dazu anführen möchte. Ich muss die gesamte Esoterik in meinen Büchern revidieren. Die Gedanken, welche ich zu kommenden religiösen Figuren gemacht habe, aus esoterischen Erwägungen heraus, sind entstanden aus dem Einfluss der Esoterik von Autoren wie Rudolf Steiner, Benjamin Creme und anderen, wie auch etwa dem Philosophen Charles W. Morris und dessen Thema der Weltreligion. Einer solchen Esoterik kann man vorwerfen, dass sie zu spekulativ ist - das ergibt sich alleine schon daraus, dass praktisch alle unsere Gedanken zur Zukunft bloss spekulativ sein können (bzw. noch spekulativer als es die Philosophie sowieso schon ist). Ein zweiter Punkt, den ich revidieren muss, ist meine Forderung nach der Ausrichtung der Wissenschaft - wonach die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften soziologisch, die Natur-, Technik- und Ökowissenschaften ökologisch auszurichten seien. Die Philosophie kann keine solche Forderung an die Wissenschaft stellen, sie kann überhaupt keine Forderungen an die Wissenschaft stellen. Die Religion ist verrückt (in einem positiven wie in einem negativen Sinn), die Wissenschaft ist frei (dito) - das muss die Philosophie akzeptieren. Das heisst nicht, dass sie sich keine Gedanken zu diesen Bereichen machen kann, aber die Wirkung der Philosophie ist beschränkt, und sie sollte sich v.a. auf sich selber konzentrieren. Und ewigen Menschheitsziele, welche ich auf die Wissenschaft übertragen habe, um dieser eine Ausrichtung zu geben, kann ich nur - aber immerhin - in der Philosophie behaupten. Ich habe mich daher wieder zurückgezogen auf die reine Philosophie, von welcher ich ausgegangen war - aber es war interessant diesen Lernprozess zu machen. Der dritte Punkt, welchen ich nicht revidieren, aber relativieren möchte, ist die Idee von der Weltregierung - auch hierzu gibt es bedeutende Bezüge etwa bei Albert Einstein, Haile Selassie, Garry Davis und anderen (in der Entstehung der Idee sind auch etwa Charles-Irénée Castel de Saint-Pierre und Immanuel Kant zu nennen - im Buch "World Government, ready or not!" [1984] führte Davis im Abschnitt 'Statements of Heads of State Concerning World Order/Law' Zitate aus Reden zu diesem Thema an, speziell von 35 Spitzenpolitikern aus den Jahren zwischen 1963 und 1965 [dem vorausgegangen ist weltpolitisch die Kubakrise (1962), welche als grösste Krise im Kalten Krieg gilt (in welcher die Welt stärker als je sonst von einem Dritten Weltkrieg bedroht gewesen sein soll). Ich habe auch das also weder erfunden, noch irgendwie aus dem luftleeren Raum gezogen. Die Kritik hierzu betrifft eher die Zeit als die Idee. Ich sehe eine Weltregierung nicht als Prinzip von oben herab, sondern in Kombination mit der Direkten Demokratie. So dass von oben her eine Weltregierung wirken würde und von unten her die Direkte Demokratie. In einem System, in welchem es auf jeder Ebene der Politik eine entsprechende Regierung geben würde, die für diese Ebene zuständig ist (lokal, regional, national, kontinental, global [wobei ich gesagt habe, dass ein EU-Beitritt der Schweiz eigentlich nur Sinn macht, wenn sie einen Sonderstatus zum Schutz der Direkten Demokratie dabei erhält]). Derzeit ist die Welt demokratisch wohl noch zu wenig gut aufgestellt, und im Gegenteil sprechen wir ja heute sogar von einer Krise in der Demokratie. Das sind keine guten Voraussetzungen für eine faire Weltregierung. Und ich wüsste auch nicht, wer das heute zustandebringen sollte (Die Grossen? Die Kleinen? Alle? Jemand anderes?). Ich betrachte dies durchaus nachwievor als brauchbare philosophische Idee, aber ich zweifle sehr daran, dass unsere Zeit reif ist für die Umsetzung einer solchen Idee. Daher kann es gut sein, dass man sich vorerst noch anders behelfen muss in der Weltpolitik, und dass dies vielleicht eine Idee erst für eine spätere Zeit ist.
Zum Bedenken: Es gibt keine wissenschaftliche Philosophie, es gibt keine religiöse Wissenschaft, und es gibt keine philosophische Religion. Aber: es gibt keine wahre Religion ohne Vernunft, es gibt keine wahre Philosophie ohne Verstand, und es gibt keine wahre Wissenschaft ohne Gewissen.
Von der Wissenschaft der Gerechtigkeit. Ich habe herausgefunden, wie man die Welt tatsächlich verbessern kann. Die Religion macht keine Fortschritte, die Philosophie ist auf Abwegen, die Wissenschaft entwickelt keine Ethik (oder doch?). Es ist wohl so, dass die heutige Veränderung über die Wissenschaft geht. Wir müssen beweisen, dass Ungerechtigkeit schädlich ist. Dann können - oder müssen - wir das Thema der Sozialgerechtigkeit angehen. Nachdem ich diesen Gedanken hatte, ging ich im Web auf die (Google-) Suche nach 'Ungerechtigkeit bei Tieren' (da ich in den Sozialen Medien schon private Videos - v.a. auf TikTok - gesehen habe, in welchen Hunde auf Ungerechtigkeit recht heftig [auf ihre Besitzer und Besitzerinnen] reagiert haben: vom Anschauen mit grossen Augen über das Anknurren bis zu einem kleinen spielerischen Angriff [bei grösseren Hunden - dass Hunde weggehen, habe ich nicht gesehen, in diesem privaten Umfeld, sie haben immer reagiert]). Und ich wurde fündig und habe ein interessantes (Youtube-) Video zu diesem Thema gefunden. Wie weit ist eigentlich die (Un-) Gerechtigkeitsforschung? Das kann man sehr genau sagen.
«Wölfe und auch Hunde haben einen Sinn für Gerechtigkeit. ForscherInnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben das an den Wölfen im Forschungszentrum Ernstbrunn nachgewiesen. In Versuchen hat sich gezeigt: wenn sich Wölfe ungerecht behandelt fühlen, dann arbeiten sie mit Trainern nicht mehr zusammen. Zwei Wölfe im benachbarten Gehegen. Beide führen das gleiche Experiment durch. Sie drücken einen Knopf. Aber nur einer erhält dafür ein Stück Fleisch, der andere geht leer aus. Die ganze Zeit können sich die Tiere gegenseitig beobachten Sie sehen, dass sie die gleiche Leistung erbringen aber unterschiedliche Belohnungen dafür erhalten. Im Versuch zeigt sich: der benachteiligte Wolf weigert sich daraufhin weiter mit der Trainerin zusammenzuarbeiten. Einmal geht der Widerstand gegen die Ungerechtigkeit sogar so weit, dass das Tier die Versuchsanordnung zerstört. 'Meistens gehen sie aber einfach weg. Manche Knurren ihren Partner im anderen Gehege auch an, aber im allgemeinen entfernen Sie sich von der Situation. Ich denke, das ist für sie der einfachste Weg, die Enttäuschung zu beenden.' 17 Wölfe in sechs Rudeln leben hier im Woolf Science Center im niederösterreichischen Ernstbrunn. Ihre Rangordnung spielt bei dem Versuch eine wichtige Rolle. 'Wir haben herausgefunden dass die Reaktion auf die Ungerechtigkeit umso stärker ist, je dominanter der Wolf seinem Partner gegenüber ist. Ihre Beziehung innerhalb der Hierarchie hat also eine klare Auswirkung darauf, wie sehr sie die Ungerechtigkeit gegenüber ihrem Partner stört.' Auch die Hunde im Forschungszentrum haben ganz ähnlich auf die ungerechte Belohnung reagiert. Bei Ratten und Raben ist ein solches Verhalten bereits bekannt. Bei Wölfen ist es nun zum ersten Mal nachgewiesen worden. 'Bei Primaten gibt es die Theorie, dass Widerstand gegen Ungerechtigkeit sich gemeinsam mit der Kooperation entwickelt hat. Man erkennt, ob der jeweilige Partner ein guter kooperativer Partner ist und nicht zu viel für sich beansprucht. Vielleicht hat sich das auch bei den Wölfen gemeinsam mit der Kooperation mit ihren Artgenossen entwickelt.' Wenn im Nachbargehege kein anderer Wolf ist, der für die gleiche Aufgabe belohnt wird, machen die Tiere den Versuch jedenfalls deutlich länger mit. Auch ohne Fleisch als Belohnung.» [V - ORF, Juni 2017].
Natürlich ist die Situation beim Menschen noch etwas komplexer, und sie kann auch je nach verschiedenen Umständen sehr verschieden sein, aber trotzdem geben diese ersten allgemeinen Versuche einen guten Anhaltspunkt. Auch Tiere haben ein Gerechtigkeitsempfinden, und sie reagieren physisch auf Ungerechtigkeit. Wenn die Tiere ein Ungerechtigkeitsempfinden haben, werden sie auch in Gruppen darauf reagieren. Wieso ist das bei Menschen wenig bis gar nicht der Fall? Müssen wir am Ende noch von den Tieren lernen, um unser hohles Geschwä>;tz zu überwinden und zu sehen, was Sache ist? Ich glaube auch, dass sich bei Tieren die Gruppe sehr viel rascher und klarer gegen ein ungerechtes Leittier stellen, als dies bei den Menschen der Fall ist. Freilich ist das Gerechtigkeitsthema ein Bestandteil der Philosophie seit der Antike (vorab bei Platon [Gerechtigkeit als höchste menschliche Tugend], aber auch bei Aristoteles und Konfuzius [Tugend, die auf die Mitte zielt]). Es ist schon irgendwie speziell, dass sie selbst zu diesem Thema Tierversuche machen müssen, aber die Wissenschaft will eben alles ganz genau wissen und beweisen können. Freilich: die menschlichen Umstände sind eben ein bisschen komplexer... Gut immerhin, dass sie heute damit anfangen...
Und was soll man denn jetzt eigentlich zu dieser Zeit sagen? Ich ringe noch immer um eine Aussage - eigentlich seit Jahren, fast. Aber zu mehr als zu vorüberziehenden Gedanken bin ich noch nicht gekommen. Immer, wenn man etwas über diese Zeit sagen will, lösen sich die Gedanken sogleich wieder in Luft auf. Sehr seltsam. Vielleicht kann man einmal dieses Zitat vom Science-Fiction-Autor Isaak Asimov wirken lassen: «The saddest aspect of life right now is that science gathers knowledge faster than society gathers wisdom.» Oder anders gesagt: wir leben in einer Zeit, in welcher der Mensch - wie blöd!, auch wenn es vielleicht nur so aussieht in dieser Zeit (was die Sache noch komplexer macht, als sie sowieso schon ist) - von seiner eigenen Technik überrumpelt wird (mit unabsehbaren Folgen, natürlich [schon alleine durch die Erscheinung (und die damit verbundenen Befürchtungen), notabene]). Derzeit gibt es v.a. Fragen über Fragen: KI statt Philosophie? Technik statt Wissenschaft? Spiritualität statt Religion? Macht statt Sinn? Verwirrung statt Arbeit?
[Neubearbeitung der Seite: Dezember 2025 bis April 2026].
[Hintergrundbild: Agnes Martin, Affection, 2001 (im Alter von 89 Jahren), Acrylic and graphite on canvas - eine interessante Malerin, die auch interessante kunst- und lebensphilosophische Texte geschrieben hat.]
|
|
|